https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/klimawandel-welche-schaeden-waelder-davontragen-17470016.html

Klimawandel : Waldschäden nehmen rasant zu

  • -Aktualisiert am

Ein Waldstück mit abgestorbenen Fichten an den Hängen des Brockens in Sachsen-Anhalt. Bild: dpa

Der Wald leidet. Hitze, Stürme und der Borkenkäfer haben die Schadholzmenge in den letzten Jahren vervielfacht. Für die Waldbesitzer bedeutet das hohe Verluste. Vom jüngsten Anstieg der Holzpreise profitieren sie nicht.

          3 Min.

          Stürme, Hitze und Schädlinge haben dem deutschen Wald schwer zugesetzt. Mit 60,1 Millionen Kubikmetern fiel im vergangenen Jahr fast fünfmal mehr Schadholz an als noch im Jahr 2015. Das teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Besonders schwere Schäden richtete der Borkenkäfer an. Geschwächt durch die trockene und heiße Witterung, konnten vor allem Nadelbäume wie Fichten, Tannen und Kiefern dem nur wenige Millimeter großen Schädling nicht standhalten. Insgesamt war der Insektenbefall im Jahr 2020 für 72 Prozent des gesamten Schadholzes verantwortlich. 17 Prozent gingen auf das Konto von Wind und Stürmen.

          Svea Junge
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Eine Fläche so groß wie das Saarland ist durch die Wetterextreme der vergangenen Jahre zerstört worden und muss neu aufgeforstet werden. „Der deutsche Wald ist das erste Opfer des Klimawandels“, sagt Irene Seling, Hauptgeschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW). Die Situation sei katastrophal: Vier von fünf Bäumen zeigten mittlerweile Anzeichen von Schäden.

          Dass plötzlich eine große Menge Schadholz auf den Markt schwemmt, bedeutet für die Waldbesitzer wirtschaftliche Einbußen. Wer im vergangenen Jahr überhaupt einen Abnehmer für sein Schadholz fand, konnte sich glücklich schätzen, wenn der Preis die Kosten deckte. Nun könnte man glauben, dass der jüngste Anstieg der Holzpreise den Waldbesitzern Entspannung bringt. Die Corona-Pandemie schiebt nämlich den durch die niedrigen Zinsen begünstigten Bauboom weiter an. Und das nicht nur hierzulande. Im Frühjahr hatte der Preis vor allem wegen der starken Nachfrage aus Amerika einen Satz gemacht. In der Spitze wurden fast 900 Euro je Kubikmeter für Schnittholz am Markt aufgerufen. Mittlerweile ist der Preis zwar wieder gefallen, liegt aber noch immer deutlich höher als vor Ausbruch der Corona-Pandemie.

          Bei den Waldbesitzern kommt davon allerdings kaum etwas an, klagt Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrats (DFWR): „Der Preis für Holz, das an der Waldstraße liegt, ist desaströs. Doch wenn der Baum erst einmal an der Säge vorbei ist, gehen die Preise plötzlich durch die Decke.“ Die Taschen voll machen würden sich vor allem die Sägewerke und die Händler. Für ihr Schadholz bekämen deutsche Waldbesitzer rund 30 Euro je Festmeter – nicht viel mehr als vor einem Jahr. Bauholz der besten Kategorie erziele immerhin zwischen 70 und 120 Euro je Festmeter.

          Für viele Waldbesitzer ist das aber nur ein schwacher Trost. Denn sie sind noch immer damit beschäftigt, das Schadholz aus ihren Wäldern zu entfernen. Drei Viertel des gesamten Holzeinschlags in Höhe von 80,4 Millionen Kubikmetern entfiel laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr auf Schadholz. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 lag der Anteil des Schadholzes am Gesamtholzeinschlag von 55,6 Millionen Kubikmetern lediglich bei 23 Prozent.

          Die hohen Preisabschläge für Schadholz hält Schirmbeck nicht für gerechtfertigt. Schadholz sei zwar dunkler als normales Holz, könne aber ohne Probleme etwa für den Bau eines Dachstuhls eingesetzt werden. Die Sägewerke ließen sich das Holz deshalb auch gut bezahlen, während die Waldbesitzer leer ausgingen. „Das ist Gaunerei“, sagt er.

          Noch 30 Millionen Kubikmeter Schadholz in den Wäldern

          Dass sich die Situation schnell verbessert, erwartet AGDW-Geschäftsführerin Seling nicht: „Es ist enorm viel Holz zusammengekommen. Noch immer liegen rund 30 Millionen Kubikmeter Schadholz in den Wäldern.“ Außerdem werde der Markt von einigen großen Sägewerken dominiert, was die Verhandlungsposition der Waldbesitzer zusätzlich verschlechtere. Schließlich sei damit zu rechnen, dass es infolge des Klimawandels auch in den nächsten Jahren zu erheblichen Schäden und großen Mengen Schadholz in den Wäldern kommen werde. „Der Frühling und der Sommer waren in diesem Jahr vergleichsweise nass und kühl. Doch das wird eher ein Ausnahmejahr sein“, sagt Seling.

          Bild: F.A.Z.

          Derartige Aussichten entmutigen DFWR-Präsident Schirmbeck aber nicht. „Ich bin optimistisch, dass wir die Situation in den Griff bekommen“, sagt er. Er selbst habe schon neue Bäume in seinem Wald gepflanzt, und auch an vielen anderen Stellen werde wieder aufgeforstet. Der Umbau, um die Wälder besser an die sich wandelnden klimatischen Bedingungen anzupassen, sei in vollem Gang – und das schon seit vielen Jahren.

          Weil Holz ein langsam wachsender Rohstoff ist, stehen die Waldbesitzer jedoch vor Herausforderungen: „Das Problem ist, dass keiner genau weiß, wie das Klima in einigen Jahrzehnten sein wird. Wir müssen daher nach dem Versuch-und-Irrtum-Prinzip verschiedene Bäume testen“, erklärt Seling. Davor, Nadelbäume komplett aus den Wäldern zu verbannen, warnt sie. Denn leichtes Nadelholz brauche es auch in Zukunft, etwa für den Gebäudebau.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der angeklagte russische Soldat Wadim Shishimarin im Gerichtsgebäude in Kiew.

          Ukraine-Liveblog : Prozess in Kiew: Russischer Soldat bekennt sich des Mordes schuldig

          Österreich will NATO weiterhin nicht beitreten +++ 959 ukrainische Soldaten haben sich laut Russland in Asow-Stahlwerk ergeben +++ Großbritannien: Russland mit erheblichen Ressourcenproblemen in der Ukraine +++ Schweden und Finnland beantragen NATO-Aufnahme +++ alle Entwicklungen im Liveblog.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Kapitalanalge
          Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
          Sprachkurse
          Lernen Sie Englisch
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis