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Russland : Gas-Tanker kann ohne Eisbrecher durchs Nordpolarmeer fahren

  • Aktualisiert am

Der neue russische Tanker braucht keine Eisbrechereskorte mehr. Bild: HANDOUT/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Russland hat einen neuen Tanker für Flüssiggas, der das ganze Jahr lang das Nordpolarmeer durchfahren kann – ohne vorausfahrende Eisbrecher. Aber nicht nur der neuen Technik ist dieser Erfolg zu verdanken.

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          Ein russisches Tankschiff hat seine Jungfernfahrt durch das Nordpolarmeer absolviert. Das Überraschende daran: Mit Rekordtempo und ohne eine teure Eisbrechereskorte, so berichten es „Guardian“ und „New York Times“.

          Die 300 Millionen Dollar teure und knapp 300 Meter lange „Christophe de Margerie“ war mit Flüssigerdgas (LNG) beladen. Der Tanker benötigte für die Strecke von Hammerfest in Norwegen nach Boryeong in Südkorea nur 19 Tage – das ist 30 Prozent schneller als die herkömmliche Schiffsroute durch den Suezkanal (Ägypten).

          So soll zukünftig Gas von einer neuen Anlage auf der Jamal-Halbinsel (Sibirien) transportiert werden. Bei dieser Energieanlage handelt es sich um das derzeit größte arktische Flüssiggas-Projekt, das der russische Präsident Wladimir Putin aufgezogen hat.

          Auf seiner Jungfernfahrt konnte das Tankschiff durch den eingebauten Eisbrecher Eisfelder mit der Dicke von 1,2 Metern durchqueren. Normalerweise müssen vor einem solchen Tanker Schiffe fahren, die zunächst das Eis entfernen; hier passiert alles in einem. So brauchte die „Christophe de Margerie“ nur 6,5 Tage für die Nordostpassage, die oberhalb von Sibirien liegt.

          „Es ist sehr aufregend, dass ein Schiff diese Route nun das ganze Jahr hindurch nutzen kann”, zitierte der „Guardian“ Bill Spears, Sprecher von Sovkomflot, dem Betreiber des Tankschiffs.

          Die Nordatlantik-Route zwischen Sibirien und dem Pazifik ist noch für die meiste Zeit im Jahr für den herkömmlichen Schiffsverkehr geschlossen. Aber die  „Christophe de Margerie” sorgt dafür, dass nicht nur vier Monate lang (mit einem teuren Eisbrecher), sondern ganzjährig durch das Arktische Meer gefahren werden kann. Wahrscheinlich sollen insgesamt 15 derartige Tanker gebaut werden.

          Durch diese verspricht sich die russische Regierung bis zum Jahr 2020 eine Verzehnfachung der bisherigen Durchfahrten der Arktis. Die bislang meisten internationalen Durchquerungen des Arktischen Meeres - nämlich 15 - gab es im Jahr 2013.

          Das Tankschiff kann überhaupt nur auf dieser Route fahren, weil das Eis im Arktischen Meer zunehmend schmilzt. Der „Guardian“ zitiert den Meeresforscher Simon Boxall von der Universität Southhampton mit den Worten: „Die Ironie ist, dass ein Vorteil vom Klimawandel ist, dass wir wohl weniger Treibstoff brauchen, um in den Pazifik  zu gelangen.“

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