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Agenda für neue Regierung : Managerinnen warnen: Uhr für Deutschlands Wirtschaft tickt

Saori Dubourg gehört dem Vorstand von BASF an. Bild: BASF

Der Kampf gegen den Klimawandel steht bei fast allen Parteien oben auf der Agenda: Dabei ist jedoch nicht nur Eile geboten, sondern auch wirtschaftliche Vernunft und Offenheit, fordert ein halbes Dutzend Frauen aus der Wirtschaft.

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          Die meisten Parteien sind sich schon vor der Bundestagswahl in einem Punkt einig: Die deutsche Wirtschaft muss umgebaut werden hin zu mehr Nachhaltigkeit und weniger Ressourcenverbrauch, um den Klimawandel zu bremsen und die Umwelt zu entlasten. Nicht nur auf der IAA Mobility in München überbieten sich die Unternehmen zurzeit in neuen „grünen“ Angeboten und Modellen. Wie schnell diese Transformation geschehen wird und wie sie genau aussehen soll, darüber wird sich die neue Regierung jedoch erst noch verständigen müssen. Ein Prozess, der je nach Regierungskonstellation mühsam und langwierig werden kann.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Schon im Vorfeld haben sich nun ein halbes Dutzend Managerinnen mit einem bemerkenswerten Beitrag zu Wort gemeldet, worauf bei dieser Transformation geachtet werden muss für ein ein zukunftsfähiges Deutschland. Im Kern geht es ihnen mit ihrer Sechs-Punkte-Agenda um die Frage, wie angesichts des hohen Zeitdrucks dennoch eine offene Diskussion um den Erhalt von Wirtschaft und Wohlstand gesichert werden kann.

          Die Industrie arbeite derzeit auf mehr als 100 neuen Innovationsfeldern an Lösungen mit Wasserstoff, Recycling, E-Mobilität und vielem mehr, heißt es in dem Thesenpapier. „Uns bleiben etwa drei bis fünf Jahre, um diese Chancen zu heben und uns dadurch weltweit eine Führungsposition zu erarbeiten, bevor es andere tun“, warnen die Autorinnen. „Dabei helfen nicht Dogmen, sondern Technologieoffenheit und Wettbewerb.“ Nur wer vieles teste und ausprobiere, finde am Ende auch die beste Lösung, heißt es.

          Dubourg, Bortenlänger und Jäkel

          Der Kreis der Wirtschaftsfrauen besteht aus dem BASF-Vorstandsmitglied Saori Dubourg, der Finanzexpertin Christine Bortenlänger, Julia Jäkel (bis vor Kurzem Geschäftsführerin von Gruner und Jahr), der Wirtschaftswissenschaftlerin Ann-Kristin Achleitner, Hauke Stars (Ex-Vorstandsmitglied der Deutschen Börse) sowie Stephanie Schorp (Managing Director bei Comites).

          Neben einem zukunftsorientierten Bildungsprogramm, einem höheren Tempo bei der Digitalisierung und dem Kampf gegen den Klimawandel auf europäischer Ebene durch eine marktwirtschaftliche CO2-Preisfindung plädieren die Autorinnen auch für mehr Ehrlichkeit bei der Energietransformation. Es würden künftig mehr Speicher, bessere Netze und intelligentere Steuerungssysteme benötigt. „Dies geht nicht ohne einen ehrlichen Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern, wie wir gemeinsam Kompromisse eingehen“, heißt es.

          Schließlich gehen die Managerinnen auch auf die Finanzierbarkeit des Großvorhabens ein. „Wir brauchen dazu vor allem private Investitionen über den Kapitalmarkt.“ Der Staat müsse dafür technologieoffene und berechenbare Bedingungen schaffen. „Eine Aufhebung der Schuldenbremse belastet die Zukunft unserer Kinder“, lautet die Warnung mit Blick auf die Pläne etwa des SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz, in dessen Finanzministerium schon an entsprechenden Plänen gearbeitet wird. Die Autorinnen sprechen sich auch gegen Umverteilung von Vermögen und Steuererhöhungen aus, wie sie etwa die Grünen und die Linkspartei planen.

          „Mit unserem Aufruf wollen wir einen Anstoß zum Aufbruch geben“, sagt Ann-Kristin Achleitner zur Motivation für den gemeinsamen Aufruf. Jeder spüre, dass sich Dinge in Deutschland grundlegend verändern müssen, findet Julia Jäkel. „Jetzt geht durch wichtige Wahlen ein Fenster auf.“ BASF-Vorstandsmitglied Dubourg betont, dass man gemeinsam einen aktiven Beitrag für eine positive Zukunft bringen wolle.

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