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Folgen des Klimawandels : Australien warnt vor dem Ende des Great Barrier Reef

Ein undatiertes Foto zeigt das Leben im Great Barrier Reef vor der Küste von Queensland, Australien. Bild: dpa

Um die Folgen des Klimawandels aufzuhalten, brauche es dringend mehr Anstrengungen, so die Regierung. Doch gerade Australien verhält sich in Sachen Klimapolitik alles andere als vorbildlich.

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          Kurz vor dem Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York hat die australische Regierung den Ausblick für das Great Barrier Reef erstmals auf „sehr schlecht“ herabgestuft. Bei der letzten Bleiche starben in einigen Teilen des 2300 Kilometer langen Riffs vor der Ostküste des Fünften Kontinents bis zu 90 Prozent der Korallen. Der Bericht erscheint alle fünf Jahre; nie aber beschrieb die Regierung die Lage so negativ.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          „Der geballte Druck, vor allem durch den Klimawandel, zusammen mit der Zeit, die für die Erholung der wichtigsten Lebenswesen, Arten und Prozesse des Ökosystems notwendig ist, haben zu einer fortgesetzten Verschlechterung der Gesundheit des Great Barrier Reef geführt. Sogar mit den jüngsten Initiativen, das Riff zu managen, um die Bedrohung zu verringern und die Widerstandskraft zu erhöhen, ist der Ausblick für das Riff sehr schlecht“, sagte Ian Poiner, der Chef des Verwaltungsrates der Regierungsbehörde für den Marinepark, in dem das Riff liegt (GRMPA). Als Weltnaturerbe steht das Great Barrier Reef unter dem Schutz der Vereinten Nationen.

          „Die wissenschaftlichen Beweise sind klar: Die dringlichsten Initiativen, um den langfristigen Ausblick zu verbessern, sind solche, die auf globaler Ebene die Folgen des Klimawandels aufhalten oder verkehren, und auf regionaler Ebene solche, die die Wasserqualität verbessern“, heißt es in dem am Freitagmorgen vorgestellten Bericht. Allerdings sei „ohne zusätzliches lokales, nationales und globales Handeln der Ausblick für das Ökosystem und das Erbe“ überaus schlecht.

          16 Milliarden Dollar nötig?

          Das ist zum ersten Mal auch ein lauter Warnruf an die Unesco, um deren Schutzschirm Australien 2014 erfolgreich gerungen hatte. Danach hatte sich die Regierung mit aller Kraft dagegen gestemmt, dass das Riff von der Unesco auf die Liste der „gefährdeten Erben“ gestellt werde. Nun also die Kehrtwende: Der Bericht spricht von einem „Zeitfenster“, das zur Rettung bleibe.    

          Nach mehreren Zyklonen und aufeinanderfolgenden Bleichen durch die hohen Wassertemperaturen sind an einigen Stellen des Riffs bis zu 90 Prozent der Korallen verendet. „Angesichts des globalen Ausmaßes des menschen-gemachten Klimawandels schützt die Größe des Systems weniger effektiv gegenüber den breiten und sich häufenden Folgen“, warnen die Australier.

          Beim Gipfel der Pazifikinsel war der neue australische Ministerpräsident Scott Morrison gerade noch scharf wegen der Kohlepolitik seines Landes kritisiert worden. Zugleich prüft seine Regierung die Verlängerung der Betriebslizenz für ein altes Kohlekraftwerk, dass sein Betreiber abschalten will, und erteilte eine Genehmigung für eine der größten Kohlegruben der Welt.

          Auf der anderen Seite steht auch der wirtschaftliche Nutzen des Great Barrier Reef: Es trägt jährlich mindestens rund 6,4 Milliarden Australische Dollar (3,9 Milliarden Euro) zur Wirtschaft Australiens bei und gibt 70.000 Menschen Arbeit. Die Regierung des Bundesstaates Queensland schätzte vor einiger Zeit, dass über zehn Jahre 16 Milliarden Dollar zum Schutz des Riffs benötigt werden.

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