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Klimaschutz : IfW: Parteien drücken sich um die unbequeme Wahrheit

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Vattenfall hat vor ein paar Jahren CO2-Speicherung in Brandenburg erprobt. Anwenden darf der Konzern die Ergebnisse jedoch nicht – zumindest nicht in Deutschland. Bild: dpa

Nur wenn man der Atmosphäre CO2 entzieht, lässt sich das Zwei-Grad-Ziel erreichen, meint das Kieler Institut für Weltwirtschaft. Doch in keinem Wahlprogramm findet sich ein Bekenntnis zu solchen Techniken.

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          Weder die Parteien der großen Koalition noch FDP oder Grüne bieten nach einer Studie von Fachleuten in ihren Wahlprogrammen Lösungen, mit denen die international vereinbarte Begrenzung der Erderwärmung zu schaffen wäre. „Die Maßnahmen um Klimaschutz in den Wahlprogrammen der vier koalitionsrelevanten Parteien CDU/CSU, SPD, FDP und Die Grünen sind nicht ausreichend, um das in Paris beschlossene 2-Grad-Ziel zu erreichen“, heißt es in einer Studie des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) vom Donnerstag.

          „Alle vier Parteien machen den Wähler fälschlicherweise glauben, das Ziel sei alleine durch die Einsparung von Treibhausgasen erreichbar.“ Dabei seien dazu auch Technologien nötig, mit denen der Atmosphäre C02 entzogen und der Schadstoff dann gespeichert werde, etwa im Erdreich. Das aber sei bei den Wählern wohl unpopulär.

          In ihren Wahlprogrammen bekennen sich die genannten Parteien zum Pariser Abkommen mit dem Ziel, den Anstieg der globalen Mitteltemperatur bis zum Jahr 2100 unter zwei Prozent zu halten. Die Parteien vernachlässigten aber, dass dieses Ziel nur mit dem Einsatz von Technologien zum CO2-Herausfiltern und Speichern möglich sei, kritisieren die Autoren der IfW-Studie, die Umweltökonomen Christine Merk und Wilfried Rickels.

          CO2-Speicherung ist in Deutschland quasi verboten

          Zudem bewegten sich die Parteien auf Basis der idealisierten Annahme von einer global ambitionierten Klimapolitik. In der Realität aber würde eine „zunehmende Trumpisierung“ der internationalen Klimapolitik – eine Abkehr von Vereinbarungen zur Schadstoffminderung – es noch wichtiger machen, sich stärker auf technologische Lösungen zum CO2-Entzug zu verlegen.

          Es geht der Studie zufolge um sogenannte Negative Emissionen (NETs). Dahinter steht, dass der Atmosphäre über natürliche biologische und chemische Prozesse ausgestoßenes CO2 entzogen wird. Wird mehr Schadstoff herausgefiltert als emittiert wird, erreicht man negative Emissionen. In den Berechnungen des Weltklimarats (IPCC) sei das enthalten. In den Programmen der koalitionsrelevanten Parteien finde man diesen Aspekt aber allenfalls allgemein, heißt es in der Studie. „Die Notwendigkeit von NETs ist weder gesellschaftlich verstanden noch akzeptiert.“

          Keine der genannten Parteien habe den Mut, solche notwendigen Maßnahmen zu erklären und zu erforschen, heißt es. In Deutschland sei die Speicherung von CO2, etwa im Erdreich, nach Protesten aus der Bevölkerung seit Jahren mit sehr strengen Auflagen verbunden. Diese wirkten praktisch wie ein Verbot. „Augenscheinlich aus Angst vor Stimmenverlust will bedauerlicherweise keine der vier großen Parteien den Wählern die Wahrheit zumuten“, sagte Mit-Autor Rickels.

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