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Klimaschutz : Grüner Stahl aus dem Elektro-Ofen

Stahlprobe am Lichtbogenofen der Georgsmarienhütte Bild: dpa

Unter Klimaschützern haben Stahlunternehmen nicht den besten Ruf. Die Georgsmarienhütte will das ändern und setzt auf Rückenwind durch den Umweltschutz. Sie steht robust da.

          5 Min.

          Wenn es in Deutschland ein Stahlunternehmen gibt, das sich von Grund auf neu erfunden hat, ist es die 164 Jahre alte Georgsmarienhütte in der Nähe von Osnabrück. Der Hochofen ist lange verschwunden, an seine Stelle ist 1994 ein riesiger Gleichstrom-Lichtbogenofen getreten. Statt Koks und Eisenerz werden seitdem Schrotte eingeschmolzen. Die Umrüstung auf Elektrostahl hat das Werk, dem die Stadt Georgsmarienhütte ihren Namen verdankt, seinerzeit vor dem Untergang gerettet: Während die Konkurrenz ihre Hochöfen üblicherweise per Schiff versorgte, musste die Georgsmarienhütte (GMH) Erz und Koks zu hohen Kosten auf dem Landweg herbeischaffen. Die aus der Not geborene Umstellung könnte sich als Segen erweisen. Angestoßen wurde sie vom Unternehmer und späteren RWE-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Großmann, der das defizitäre Unternehmen vom Klöckner-Konzern übernommen hatte.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Grund ist die vergleichsweise günstige Kohlendioxid-Bilanz. Verglichen mit der Hochofenroute fallen bei der Stahlerzeugung aus Schrott rund 80 Prozent weniger Treibhausgase an. „Beim Klimaschutz sind wir vorn dabei. Mit Recycling und Kreislaufwirtschaft leisten wir einen großen Beitrag zu einer nachhaltigen Stahlproduktion“, sagt Frank Koch, der das Unternehmen seit Anfang 2017 leitet. Er setzt darauf, dass sich dies mit wachsenden Klimaschutzansprüchen schon kurz- und mittelfristig in den Auftragsbüchern niederschlagen wird. 60 Prozent des GMH-Gruppenumsatzes kommen aus der Autoindustrie: In Form von Achsteilen, Zahnstangen, Lenkungskomponenten und vielen anderen Bauteilen fahre jedes vierte Auto aus deutscher Produktion mit Stahl von GMH. „Der CO2-Fußabdruck wird sich zu einem wichtigen Vergabekriterium für die Zulieferer entwickeln“, glaubt Koch.

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