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Klimaschutz Amerika : Zu heiß

Amerikas klügste Köpfe sind eine Hoffnung für das Klima – trotz Donald Trump. Denn vom weißen Haus darf man keine Gesetzesinitativen zum Klimaschutz erwarten.

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          Klimaschutz in Amerika hat eine düstere und eine helle Seite. Präsident Donald Trump zeigt sich fundamental ignorant. Wenn Schneestürme über Nordamerika hinwegfegen, pflegt er in dümmlichen Twitter-Beiträgen Zweifel an der globalen Erwärmung anzumelden. Jüngst machte er mit schwerverständlichen Tiraden zu Windrädern Schlagzeilen. Auf Fragen zur Klimapolitik antwortet er notorisch, dass ihm sauberes Wasser und reine Luft höchste Anliegen seien. Im Präsidentenentwurf für den Regierungshaushalt werden Mittel für Klimaforschung zusammengestrichen.

          Kurzum: Vom Weißem Haus darf man keine Gesetzesinitiativen zum Schutz des Klimas erwarten, im Gegenteil. Trumps Politik richtet sich darauf, die Förderung von Kohle, Öl und Erdgas zu erleichtern, selbst in einst geschützten Gebieten von Utah und Alaska. Die Emissionsgrenzen für Autos will die Regierung lockern, den ambitionierten „Saubere Energie-Plan“ der Vorgängerregierung will sie entschärfen. Für den Rückzug aus dem Pariser Klimaschutzpakt bringen die Amerikaner zwar gute Argumente vor: unter anderem, dass Kosten und Nutzen in keinem angemessenen Verhältnis stünden und wichtige Länder sich ohnehin nicht an ihre Versprechen hielten. Nur fügt sich die Verweigerung zugleich bestens ein in eine Politik, die sich weigert, die Gefahr der Klimaerwärmung ernst zu nehmen.

          Wer Milde in der Beurteilung walten lassen wollte, könnte jetzt die Bestrebungen republikanischer Kreise hervorheben, eine Steuer auf CO2-Emissionen zu verhängen. Die Initiative verdankt der Mitwirkung renommierter republikanischer Haudegen und eines talentierten Lobbyisten eine gewisse Aufmerksamkeit. Doch sie hat keine Chance in einer Partei, in der Politik der niedrigen Steuern der letzte einende Politikansatz ist, nachdem man Freihandel und eine liberale Einwanderungspolitik über Bord geworfen hat.

          Man könnte dem aktuellen republikanischen Gesetzentwurf Respekt zollen, der weitflächige Baumpflanzungen und weitere Methoden, CO2 aus der Luft holen, vorsieht. Im Grundsatz spricht einiges für solche Programme, wer tiefer hineinschaut, verliert etwas Zuversicht. Wäre es nicht einfacher, erst einmal Rodungen zu stoppen?

          Vor allem wird an diesen Lösungsvorschlägen aber eines deutlich. Republikaner und die Regierung wollen den Abbau und die Verbrennung fossiler Energierohstoffe nicht stoppen. Sie wollen nicht einmal die externen Kosten, die durch die Produktion der Treibhausgase entstehen, in Rechnung stellen. Dabei wäre das eine marktkonforme Lösung, die früher Gnade vor klugen Republikanern gefunden hätte.

          Konservative Politiker machen in diesen Tagen lieber die Rechnung auf, dass kein Land in den vergangenen 20 Jahren mehr CO2 reduziert habe als die Vereinigten Staaten. Stimmt. Das ist neben dem technischen Fortschritt Entwicklungen zu verdanken, die Trump hartnäckig bekämpft. Die Industrie in Amerika ist geschrumpft und zum Teil nach Asien abgewandert, wo sie munter weiter Treibhausgase emittiert. Trump will die Fabriken mit aller Macht zurückholen. In Amerika werden überdies im großen Stil Kohlekraftwerke stillgelegt, weil diese im Wettbewerb mit Gaskraftwerken keine Chance haben. Trump will die Kohle retten. Die Gaskraftwerke emittieren grob nur halb so viel Treibhausgas wie Kohlekraftwerke. Die unkonventionelle Bergbaumethode des Frackings hat Erdgas unschlagbar billig gemacht. Doch wachsen Zweifel an der Klimabilanz. Einige Studien zeigen, dass bei der Förderung an den Bohrlöchern starke Emissionen entstehen, die bisher nicht einkalkuliert wurden.

          Trotz gelegentlichen Murrens haben Trump und seine Gefolgsleute im Kongress allerdings die Steuervergünstigungen für erneuerbare Energien in Kraft gelassen und damit zu einem kräftigen Ausbau der Windenergie beigetragen. Klimaschutz war nicht das Leitmotiv, sondern die Idee, Geld in den ländlichen Raum zu bringen. Da stehen nämlich die Windkraftwerke, und da wohnen die Stammwähler der Republikaner.

          Amerikas Hoffnung kommt aus anderen Ecken: Die Ankündigung von Microsoft, bis 2030 CO2-neutral zu wirtschaften und in den zwanzig Jahren danach sogar einst ausgestoßene Treibhausgase zurückzuholen, macht Mut. Der Amazon-Gründer Jeff Bezos stiftet 10 Milliarden Dollar zur Förderung von Klimaforschung und Nichtregierungsorganisationen, wofür ihn selbst Kritiker loben. Die größte Hoffnung liegt schließlich im technischen Fortschritt, der vor allem von Amerikas außergewöhnlichen Spitzenuniversitäten produziert und seinen Wagnisfinanziers beflügelt wird. Es bleibt das Land erbarmungswürdiger Ignoranten und klügster Köpfe.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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