https://www.faz.net/-gqe-6y3mc

Klimapolitik : Die Illusion des grünen Wachstums

  • -Aktualisiert am

Wachsen fürs Klima: Regenwald in Brasilien Bild: dpa

Das Vertrauen in die Klimapolitik ist geschwunden. Doch trügt die Hoffnung, das Klimaproblem könne auch ohne internationale Abkommen - quasi nebenher durch den Umstieg auf erneuerbare Energien - gelöst werden. Ein Ordnungsrahmen ist unverzichtbar.

          Internationale Klimaverhandlungen sind ein zähes Geschäft. Die Klimagipfel von Kopenhagen, Cancún und Durban haben nicht den erhofften Durchbruch erbracht. Zwar hat die Klimadiplomatie einen Verhandlungsprozess in Gang gesetzt, der bis zum Jahr 2020 zu einem global verbindlichen Klimaschutzabkommen führen soll - von einem effektiven Klimaschutz ist die Staatengemeinschaft jedoch noch weit entfernt.

          Zwar sind einige Staaten freiwillige Selbstverpflichtungen eingegangen, die jedoch für einen ehrgeizigen Klimaschutz zu gering sind. Bliebe es bei diesen Selbstverpflichtungen, würde bis zum Ende des Jahrhunderts die globale Mitteltemperatur um mindestens 3,5 Grad Celsius steigen. Niemand weiß genau, welche Folgen ein solcher Temperaturanstieg hätte, es ließen sich aber erhebliche Risiken nicht mehr ausschließen: Das Abschmelzen der Eisschilde, das Absterben des Regenwaldes, die Versauerung der Ozeane, die Zunahme von Dürren und Überschwemmungen sind für die Weltgemeinschaft große Risiken.

          Die Formel vom grünen Wachstum

          Kein Wunder also, dass das Vertrauen in die Klimapolitik geschwunden ist und viele nun darauf hoffen, das Klimaproblem könne auch ohne ein internationales Klimaschutzabkommen gelöst werden. Mit der Formel vom grünen Wachstum soll die öffentliche Debatte um den Klimaschutz nun neu geführt werden: Der Umbau der Energieversorgung, so die Behauptung, lohne sich auch ohne Klimaschutz. Grüne Technologien beeinträchtigten das Wirtschaftswachstum nicht. Im Gegenteil - sie würden es sogar befördern. Das Klimaproblem werde dann nebenher gelöst - ohne den Umweg über internationale Verhandlungen.

          Diese Einschätzung wird zum Beispiel in einem kürzlich erschienenen Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) und der Enquetekommission der Bundesregierung diskutiert. Die Formel vom grünen Wirtschaftswachstum ruht auf drei Säulen: Erstens dass die fossilen Energieträger bald zur Neige gehen, zweitens, dass erneuerbare Energien aufgrund von Lerneffekten bald günstiger als fossile Energieträger sein werden, und drittens, dass drastische Verbesserungen der Energieeffizienz zu geringen ökonomischen Kosten erreichbar sind.

          Diese drei Annahmen sind jedoch höchst problematisch, und es wäre für die Klima- und Energiepolitik fatal, würden diese drei Hypothesen Teil eines politischen Mantras, um den gewaltigen politischen Herausforderungen einer globalen Klimapolitik auszuweichen. Unverzichtbar ist vielmehr ein Ordnungsrahmen, der die nötigen Anreize setzt - so mühsam dieser auch zu erreichen ist. Grünes Wachstum kann einen solchen Ordnungsrahmen nicht ersetzen. Es kann jedoch helfen, ihn zu schaffen.

          Rohstoffknappheit könnte innovative Technologien fördern

          Einige Beobachter hegen die Hoffnung, die Knappheit von Kohle, Öl und Gas werde die Weltwirtschaft zum Umstieg auf kohlenstoffarme Technologien, vor allem auf die erneuerbaren Energien, zwingen. In diesem Zusammenhang wird immer wieder darauf hingewiesen, dass trotz der Wirtschaftskrise der Ölpreis relativ konstant bei mehr als 100 Dollar verharrt. Zwar spricht vieles dafür, dass die Zeit des billigen Öls zu Ende geht. Es wäre jedoch ein fataler Fehlschluss, wollte man daraus ableiten, damit ginge auch schon das Zeitalter der fossilen Energieträger zu Ende. Denn wenn Öl knapper wird und der Ölpreis steigt, steigen auch die Investitionen in die Suche und Ausbeutung neuer Ölfelder, und der Abbau der Ölsande und sogar die Verflüssigung von Kohle als Ersatz für Öl werden rentabel.

          Weitere Themen

          60 Satelliten auf einmal ins All Video-Seite öffnen

          Internet 2.0 von SpaceX : 60 Satelliten auf einmal ins All

          Die erdnahen Trabanten stellen die erste Stufe eines geplanten Netzwerks des Internetdiensts Starlink dar, das Hochgeschwindigkeits-Internet für zahlende Kunden auf der ganzen Welt zur Verfügung stellen soll. Starlink ist ein Projekt des Unternehmers Elon Musk.

          Nach langem Anlauf fusioniert Video-Seite öffnen

          T-Mobile US und Sprint : Nach langem Anlauf fusioniert

          Ein Zusammenschluss der Nummer drei und Nummer vier des amerikanischen Mobilfunkmarktes war in den vergangenen Jahren schon zwei Mal gescheitert. Jetzt steht nur noch das Justizministerium als einzige Hürde im Weg.

          Topmeldungen

          Strache zum Ibiza-Video : Tief blicken

          Der FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache sagt, was von ihm auf dem Ibiza-Video zu hören ist, seien „Gedankenspiele“ gewesen. Darüber kann man sich ebenso Gedanken machen wie über die Drahtzieher der Falle, in die er tappte. Ein Kommentar.

          Der Brexit nach May : Was kommt nun?

          Theresa May hat ihren Rücktritt angekündigt, gescheitert an der Vollendung des Brexits. Ihr Nachfolger wird es kaum einfacher haben, denn die Situation im Parlament verändert sich nicht. Bleiben nur Neuwahlen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.