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Neuer Klima-Bericht : Britisches Unterhaus ruft „Klimanotstand“ aus

Demonstranten von „Extinction Rebellion“ warnen in London vor dem Klimanotstand. Bild: AP

In Großbritannien herrscht jetzt der „Klimanotstand“ – zumindest symbolisch. Das hat das britische Unterhaus beschlossen. Mit einem neuen Klimaschutzplan soll die Wirtschaft zudem klimaneutral werden. Das kostet Milliarden.

          Die Ankündigung klingt dramatisch: Das britische Unterhaus hat den „Klimanotstand“ ausgerufen. Eine Mehrheit der Parlamentsabgeordneten unterstützt damit einen entsprechenden Antrag der oppositionellen Labour Party. Die Politiker kommen mit dem Beschluss zugleich einer zentralen Forderung der neuen radikalen Klimaschutzbewegung Extinction Rebellion (XR) nach, die in den vergangenen Wochen mit großteils friedlichen Protesten in London für Wirbel und beträchtliche Behinderungen gesorgt hat. „Wir erkennen an, dass wir es mit einem Notstand zu tun haben, das ist eine Krise, eine Bedrohung, der wir alle gemeinsam begegnen müssen“, sagte Umweltminister Michael Gove, stimmte allerdings selbst gegen den Antrag.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Beschluss des Parlaments ist zwar rein symbolisch. Doch er kommt zeitgleich mit der Veröffentlichung eines Berichts einer einflussreichen Expertenkommission der Regierung. Die Fachleute fordern darin Maßnahmen, um den britischen Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) und anderer Treibhausgase bis zum Jahr 2050 auf Null zu senken. Dies ist nach Einschätzung des Weltklimarates der UN global notwendig, wenn der Anstieg der Durchschnittstemperaturen in der Atmosphäre, wie angestrebt auf 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter eingedämmt werden soll.

          Beobachter in London erwarten, dass die britische Regierung den Empfehlungen weitgehend folgt. Großbritannien würde damit zum Klimaschutz-Vorreiter unter den großen Volkswirtschaften der Welt. Auch die EU-Kommission hat im November eine Langfriststrategie zur „Dekarbonisierung“ Europas bis zur Jahrhundertmitte vorgeschlagen, die jedoch in den Mitgliedstaaten umstritten ist. Die Bundesregierung in Berlin bereitet ebenfalls ein Klimaschutzgesetz vor.

          Tragbare Kosten

          Die britischen Regierungsexperten des Rates für Klimawandel (Climate Change Committee) kommen in ihrem Bericht zum Ergebnis, dass das Ziel der „Klimaneutralität“ zwar weitreichende, aber zumutbare Veränderungen erfordere. „Wir verlangen nicht von den Leuten, dass sie ein armseliges Leben führen“, sagte der Kommissionschef und konservative Oberhausabgeordnete John Gummer. So sollten die Bürger etwa ihren Fleischverzehr um mindestens ein Fünftel und die Temperatur in Wohnräumen auf 19 Grad reduzieren. Auch Vielflieger müssten sich einschränken.

          Die gesamtwirtschaftlichen Kosten des Umbaus halten die Experten für tragbar: Sie betragen nach ihrer Schätzung im Jahr zwischen 1 und 2 Prozent der britischen Wirtschaftsleistung. Dies entspricht in Euro gerechnet einem mittleren zweistelligen Milliardenbetrag jedes Jahr und deckt sich in etwa mit Schätzungen anderer Fachleute. Wichtig sei, dass der Staat für eine faire Lastenverteilung sorge, heißt es in dem Bericht.

          Der Klimaschutz-Plan für Großbritannien sieht unter anderem eine „umfassende Elektrifizierung“ im Verkehr und bei der Heizung von Gebäuden vor. Der Strombedarf werde sich dadurch verdoppeln und müsse komplett durch weitgehend klimaneutrale Energiequellen gedeckt werden. Eine wichtige Rolle spielten dabei Windparks auf dem Meer. Die Fachleute fordern aber auch, den Einsatz von Wasserstoff unter anderem zum Antrieb schwerer Lastwagen und  von Schiffen zu forcieren. Die dauerhafte Einlagerung von CO2 unter der Erde (carbon capturing and storage) sei ebenso notwendig wie ein Umbau der Landwirtschaft und das Pflanzen von Wäldern. Dadurch könnten unvermeidbare Emissionen neutralisiert werden.

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