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Weltklimakonferenz : Paris ist auch ein Friedensgipfel

  • -Aktualisiert am

Soldaten im Südsudan: Weil fossile Rohstoffe in vielen Konflikten eine Rolle spielen, hängen Klimawandel und Frieden zusammen, sagt der Direktor von Greenpeace International. Bild: AFP

Die Hoffnung auf Frieden und der Kampf gegen den Klimawandel gehören zusammen. Denn der Ausstieg aus fossilen Energien kann nicht nur das Klima retten, sondern auch die Sicherheit auf der Welt erhöhen. Ein Gastbeitrag.

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          Im tiefen Schatten der Terroranschläge von Paris kam die Frage auf: Lässt der Schmerz der Angriffe und ihre politischen Folgen noch Raum für eine Klimakonferenz? Wird das Treffen übertönt werden von Säbelrasseln und Kriegstrommeln? Nach der Absage der Großdemonstrationen, mit der eine weltweite Klimabewegung in Paris ihre Stimme erhoben hätte, wuchs die Enttäuschung. Aber auch die Erkenntnis: Die Hoffnung auf Frieden und der Kampf gegen den Klimawandel gehören eng zusammen.

          Die Klimademonstrationen am Sonntag sind nicht nur Ausdruck der Dringlichkeit zu handeln. Sie waren auch ein Aufstehen für unsere gemeinsame Menschlichkeit. Eine Menschlichkeit, die die Bomber von Beirut, Paris und Bamako zerstören wollen. Eine Menschlichkeit, die wir nur bewahren können, wenn wir den Klimawandel bekämpfen.

          Kumi Naidoo ist der Direktor von Greenpeace International.
          Kumi Naidoo ist der Direktor von Greenpeace International. : Bild: AFP

          Für Millionen von Menschen entfaltet der Klimawandel schon heute die zerstörerische Kraft eines Kriegs. Monsterstürme treffen Küstenbewohner immer häufiger mit ungekannter Macht, Rekorddürren machen ganze Landstriche unbewohnbar, versauernde Ozeane dezimieren Fischbestände.

          Die Wurzel des Klimawandels – Öl-, Gas- und Kohlevorräte, die wir seit Beginn der Industrialisierung verbrennen – sind auch die Wurzel internationaler Krisen. Ob im Irak, in der Ukraine, in Sudan, im Südchinesischen Meer oder in Nigeria: überall spielen fossile Rohstoffe eine Rolle in schwelenden Konflikten. Auch der „Islamische Staat“ finanziert sich zum Teil durch Einnahmen aus Ölquellen in seinem Einflussgebiet.

          Ausstieg aus der Kohle

          Es gibt mehr als ein Problem, das die Klimakonferenz in Paris und die Sicherung des globalen Friedens verbindet – es gibt etliche. Sie alle verbindet eine Lösung: Der Ausstieg aus fossilen Energien und der Einstieg in eine 100 Prozent erneuerbare Welt kann nicht nur das Klima retten, sondern auch unser aller Sicherheit erhöhen.

          Für ein sprödes Fremdwort hat Dekarbonisierung in den vergangenen Monaten eine beachtliche Karriere absolviert. Seit Angela Merkel beim G-7-Gipfel auf Schloss Elmau den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas im Laufe des 21. Jahrhunderts versprochen hat, taucht das Wort immer häufiger auch außerhalb von Fachdebatten auf.

          Großbritannien, Österreich, vermutlich auch die Niederlande steigen aus der Kohle aus. Sogar die deutsche Umweltministerin spricht endlich davon, den Kohleausstieg in den kommenden 20 bis 25 Jahren zu meistern. Kanzlerin Merkel muss Paris dazu nutzen, sich klar hinter diesen Vorschlag zu stellen. Denn die Politik kann nicht länger ignorieren, was die Klimawissenschaft seit Jahren zeigt: Nur wenn der Großteil der Kohle-, Öl- und Gasvorräte im Boden bleibt, lässt sich der Klimawandel in beherrschbaren Grenzen halten.

          Der nötige Abschied von fossilen Energien wie Kohle aber ist nur der erste Schritt. Der zweite ist der beschleunigte Ausbau der Erneuerbaren. Ob Paris ein Erfolg oder eine Enttäuschung wird, entscheidet sich auch daran, ob die Regierungen das Ende des fossilen Zeitalters einleiten und das 21. Jahrhundert zum Jahrhundert der Erneuerbaren erklären.

          Arbeitsplätze durch Energiewende

          Die Komplettumstellung unserer globalen Energieversorgung bis zur Mitte des Jahrhunderts ist technisch möglich, ja, sie rechnet sich durch die eingesparten Brennstoffkosten sogar, wie Greenpeace mit dem „EnergyRevolution“-Szenario hat nachrechnen lassen. Was man dafür aber dringend braucht, ist ein klares politisches Signal. Das kann ein Pariser Klimaabkommen liefern, wenn sie als Ziel ausgibt: 100 Prozent Erneuerbare bis 2050!

          Welche Auswirkungen hätte eine solche globale Energiewende? Zum einen würden alleine bis 2030 etwa 20 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Vor allem aber würde der weltweite CO2-Ausstoß so weit reduziert, dass sich die drastischsten Folgen des Klimawandels verhindern ließen – und damit auch der Nährboden für viele Kriege und die Verstärkung von Flüchtlingsströmen.

          Die bislang vorliegenden Klimaschutzzusagen der Länder reichen nicht, um zu verhindern, dass mehr und mehr Ackerland verdorrt, Wüsten sich ausbreiten, der Meeresspiegel weiter steigt. Sie werden so schnell wie möglich nach Paris weiter nachgebessert werden müssen. Aber ein klares Signal für eine zu 100 Prozent Erneuerbare Welt in Paris würde zeigen, dass die Staaten der Welt zusammenstehen. Es würde allen klarmachen – ob Finanzmärkten, Investoren, oder terroristischen Organisationen und korrupten Regimes –, dass die Zeit der fossilen Energien und der „Petro-Dollars“ zu Ende geht.

          Deshalb geht es auf der UN-Konferenz in Paris um mehr als nur um Klima. Es geht darum, dass Staatschefs der Welt gemeinsam das dringende Problem des Klimawandels angehen und damit auch ein Signal für mehr Kooperation und Sicherheit senden. Verschleppen wir die Probleme des Klimawandels weiter, werden unsere Kinder es sehr wahrscheinlich mit mehr Kriegen zu tun haben. Das muss die Friedenskonferenz von Paris helfen zu verhindern.

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