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Mögliche Sanktionen : Willkommen im Klima-Klub

Hier aber liegt der ökologische Hund begraben. Eine kleine Koalition gegen Treibhausgase nützt nichts. Was also wäre nun der Nachteil für alle anderen Nationen, die diesem Klub nicht beiträten, der für sie einen Anreiz setzen würde, es doch zu tun? Schließlich liegt das Problem des Gutes „geringer CO2-Ausstoß“ ja darin, dass man niemanden davon ausschließen kann, in seinen Genuss zu kommen. Wie kann man also eine Koalition bilden, die stabil ist und gleichzeitig viele Mitglieder hat?

Der Schlüssel zum Erfolg eines Klima-Klubs, schreibt William Nordhaus, läge in seiner Fähigkeit, Nationen, die ihm nicht beitreten, zu bestrafen. Ohne Sanktionen keine stabile Klima-Koalition. Das Kyoto-Protokoll sei, ökonomisch betrachtet, ein Klub ohne Sanktionen gewesen. Nordhaus schlägt deshalb vor, dass die Klubmitglieder besondere Zölle auf die Exportgüter derjenigen Nationen erheben, die sich an der Emissionsreduktion nicht beteiligen. Dabei können zwei Arten von Sanktionen erwogen werden: Zölle auf Importe, bei deren Produktion ein hoher CO2-Ausstoß angefallen ist. Und Zölle auf alle Importe aus stark emittierenden Nationen.

Nordhaus ist gegenüber der ersten Lösung skeptisch. Sie würde die Klubmitglieder mit der Ausarbeitung ziemlich komplexer Zollsysteme beschäftigen. Außerdem liegt der Sinn des Klima-Klubs ja nicht darin, die anderen zur Produktion bestimmter Exportgüter anzuhalten, sondern sie in den Klub zu zwingen, weil sie andernfalls zu viel Treibhausgase produzieren – ganz gleich, ob das von Exporten verursacht wird oder nicht. Darum wäre es effektiver, alle Exporte der Nichtmitglieder mit einem einheitlichen Zusatzzoll zu belasten.

Das freilich liefe vielen internationalen Handelsabkommen zuwider. Nordhaus weiß das natürlich auch und schlägt darum vor, die Möglichkeit solcher Strafzölle aus klimapolitischen Gründen im internationalen Handelsrecht zu etablieren. Doch erneuert sich hier nicht nur die Trittbrettfahrerproblematik? Wer würde einem solchen „Klimazusatz“ etwa im Rahmen von TTIP- oder WTO-Verhandlungen zustimmen, wenn nicht nur die prospektiven oder tatsächlichen Mitglieder des Klima-Klubs?

Womöglich liegt der Vorzug des Klubmodells also weniger darin, eine realistische Lösung anzubieten, als darin, zu einer Abwägung zwischen Handelsfreiheit und effektiver Klimapolitik zu führen. William Nordhaus jedenfalls kommt in seinen Modellrechnungen auf einen Strafzoll in Höhe von zwei Prozent, der ausreichend wäre, um Anreize zur Mitgliedschaft in einem Klub zu setzen, der sich auf einen Preis von 40 Dollar je produzierter Tonne CO2 verpflichtet. Die Gewinne aus der Erweiterung des Klubs würden, insbesondere unter der Annahme steigender Schäden durch den Klimawandel, die Verluste durch ineffizienten Handel deutlich übersteigen. Es wäre also gut, wenn es zur Gründung eines Vereins käme, der gegenüber denen, die ihm nicht beitreten wollen, um der Umwelt willen unfreundlich wäre.

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