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Folgen des Klimawandels : Industriestaaten versichern 180 Millionen Menschen

Auch Obama ist ein „Insel-Junge“

Am Ende der ersten Woche gehen die Linien quer durch fast alle Verhandlungsblöcke, Die 134 Entwicklungsländer in der „Gruppe der 77“ sind sich nicht einig darüber, ob sie das Ziel der Dekarbonisierung nun gut finden oder nicht: Mehr als 30 der ärmsten Staaten haben öffentlich dafür votiert, Indien lehnt es ab. Auch die Industriestaaten sind längst nicht immer einig. Als hilfreich gilt, dass die neuen Regierungen in Kanada und Australien die früheren Blockaden ihrer Saaten sichtbar (mit Geld) und hörbar (mit verbalen Zusicherungen) lösen.

Laurent Fabius auf dem „Action Day“ der Klimakonferenz in Paris

Doch Regierungswechsel können auch in die andere Richtung ausschlagen. So hat die selbst die EU Mühe, ihre gemeinsame Linie beizubehalten. Denn Polens neue Regierung lässt wenige Gelegenheiten aus mitzuteilen, dass sie von den Klimazielen nicht viel halte und ihre (Kohle-)Wirtschaft dadurch in wachsender Bedrängnis sehe. Berlin signalisiert den in der „Aosis-Gruppe“ versammelten kleinen Inselstaaten Entgegenkommen bei deren 1,5-Grad Ziel. Sie haben die Sorgen, dass der Meeresspiegel und die Stürme bei einer Erderwärmung um 2 Grad so stark zunehmen, dass sie ausradiert würden.

Amerikas Präsident Barack Obama nimmt sich Zeit für ein Gespräch mit deren Vertretern und sagt dabei, auch er sei „ein Insel-Junge“. Obama ist auf Hawaii aufgewachsen – der 50. amerikanische  Bundesstaat gehört allerdings nicht zur Aosis-Gruppe. Wie immer, kommt der härteste Widerstand aus der „Gruppe der Gleichgesinnten“. Venezuela, Malaysia, Saudi Arabien. Sie bremsen bei den Ambitionen, verweisen auf die „historische Schuld“ des Westens und halten dessen Zusicherungen für fragwürdig. Indien schlägt sich mal auf deren Seite, mal auf die Seite der G-77 – immer den politischen Rivalen China im Auge.  

China, das schnell wachsende Industrieland mit den höchsten Kohledioxidemissionen, das sich aber selbst als Entwicklungsland apostrophiert, hat mehr als drei Milliarden Dollar Klima-Hilfszusagen für den Süden versprochen und spätestens ab 2030 sinkende Emissionen. Das alles will und kann Neu Delhi nicht zusagen, will aber dennoch politisch auf Augenhöhe mit Peking anerkannt werden.

Deutschland: Zehn Milliarden für den Klimaschutz

Die erste Woche der COP stand unter dem Eindruck vieler politischer Willenserklärungen, aber auch handfester Geldzusagen. Nicht zuletzt soll damit ein positives Gesprächsklima kreiert werden, der Vorwurf Lügen gestraft werden, der reiche Norden tue nichts für den armen Süden. So kündigten die G7-Staaten am Samstag in Paris an, mit 300 Millionen Dollar den Grundstock für eine neuartige Klimaversicherung zu legen. Die soll binnen fünf Jahren 180 Millionen Menschen gegen die wirtschaftlichen Risiken von Wetterschäden wie Flut, Sturm, Dürre absichern, die mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden.

Dahinter steht die Hoffnung, das marktwirtschaftliche Instrument der Versicherung könnte langfristig etabliert werden. Zu Wochenbeginn haben Deutschland und Frankreich ein Engagement von mehreren Milliarden Euro zum Ausbau erneuerbaren Energien in Afrika angekündigt. Ein deutscher Beitrag zur Absicherung der damit verbundenen Währungsrisiken rundet das ab. Auch beim Waldschutz ist Deutschland mit Norwegen und Großbritannien mit Hunderten von Millionen Euro dabei. Das sind alles Teilbeträge jener zehn Milliarden Dollar, die Deutschland von 2020 an für den internationalen Klimaschutz aufbringen will, davon vier Milliarden aus Haushaltsmitteln – ganz unabhängig davon, ob es gelingen wird, Ende nächster Woche in Paris einen bindenden Vertrag mit einem erläuternden Anhang zu verabschieden oder nicht.

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