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Zehn Fragen und Antworten : Was Sie zum Weltklimagipfel wissen sollten

Die meisten Staaten, insbesondere auch die Europäische Union und Deutschland, streben ein „ambitioniertes“ und völkerrechtlich verbindliches Abkommen an. Das heißt nicht, dass wie in Kyoto feste Minderungsziele für einzelne Länder festgeschrieben werden müssen. Für Paris ist ein als „Pledge and Review“ bekannter Mechanismus vorgesehen - Selbstverpflichtungen mit anschließender Überprüfung. Die zugesagten Maßnahmen sollen unabhängig überprüft werden können. Allerdings wird es keine Sanktionsmechanismen geben, falls ein Staat sich nicht an die Zusagen hält. Kein Land wird wegen nicht eingehaltener Minderungsziele vor dem Internationalen Gerichtshof oder einer anderen Gerichtsbarkeit der Weltgemeinschaft landen – einer der Hauptkritikpunkte an dem avisierten Vertrag. Nicht zuletzt wegen dieser verbindlichen Unverbindlichkeit ist das Kyoto-Protokoll letztlich aus dem Ruder gelaufen und gescheitert.

Warum sollte in Paris mehr passieren als in früheren Konferenzen?

Die Vorzeichen sind diesmal wesentlich günstiger als etwa in Kopenhagen 2009. Annähernd 180 Staaten, die zusammen mehr als 96 Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen repräsentieren, haben zum ersten Mal schon im Vorfeld der COP die eigenen nationalen Klimaschutzbeiträge, die INDC (Intended Nationally Determined Contribution) beim UN- Klimasekretariat in Bonn eingereicht. Alle Vertragsstaaten haben damit ihre Pflicht anerkannt, sich an Klimaschutzmaßnahmen zu beteiligen. Zudem ist in den Vorverhandlungen deutlich geworden, dass die Spaltung zwischen Nord und Süd, Arm und Reich, nicht länger lähmend für die Verhandlungen sein dürfte. Und schließlich haben sich die großen Antagonisten der Vergangenheit, insbesondere die Vereinigten Staaten auf der einen und China als größte Treibhausgasemittenten auf der anderen Seite schon im Vorfeld auf weitergehende Klimaschutzmaßnahmen und ein Abkommen in Paris verständigt.

Kann die Erderwärmung damit gestoppt werden?

Nein. Die bereits emittierten Treibhausgase durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe seit Beginn der Industrialisierung haben bereits zu einer Erwärmung von einem Grad geführt, und aufgrund der langen Lebensdauer in der Luft werden sich Atmosphäre und Ozeane noch über Jahrzehnte hinweg aufheizen. Ziel des Klimaschutzabkommens ist es deshalb gemäß der Ursprungskonvention eine „gefährliche Erwärmung“ zu verhindern. Auf der COP16 im Jahr 2010 hat man, nachdem der Weltklimarat dies in seinem vierten Sachstandsbericht von 2009 so formuliert hat, erstmals die zwei Grad als tolerierbare Obergrenze verhandelt.

Sind wenigstens die zwei Grad Erwärmung einzuhalten?

Nicht, wenn die Staaten zu ihren eigenen nationalen Klimaschutzbeiträgen (INDC) nicht noch weitere Klimaschutzmaßnahmen  beschließen. Verschiedene Institute haben ausgerechnet, dass man derzeit eher auf eine Erwärmung um drei Grad bis Ende des Jahrhunderts zusteuert – nach Überzeugung der meisten Klimaexperten ist das zu viel, weil sich das globale Klimaregime damit grundlegend ändert: Wetterextreme nehmen deutlich zu, der Meeresspiegel steigt weit über einen Meter, die Ozeane versauern möglicherweise irreversibel, so dass Korallenriffe weltweit verschwinden. Viele Klimaschützer und vor allem die besonders bedrohten Inselstaaten werden deshalb auch in Paris für das 1,5-Grad-Ziel und damit für schärfere Klimaschutzmaßnahmen eintreten. Da aber weder der Weltklimarat noch die mächtigen Industriestaaten sich darauf verständigen konnten, wird dies kaum Teil des Klimavertrages werden können.

Ist Paris das Ende der Klimaverhandlungen?

Nein. COP21 wird als Einstieg in die „Dekarbonisierung“ – den Weg in eine Energiegewinnung ohne die Verbrennung fossiler Brennstoffe – gesehen. Vor allem über die konkrete Ausgestaltung und Fortschreibung der Klimaschutzmaßnahmen sowie über die Überprüfung durch die Vertragsparteien und Kompensationen für die Länder soll auch nach der Unterschrift unter ein Pariser Klimaabkommen weiter verhandelt werden.

  

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