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Klimawandel in Moçambique : Eine Stadt wird weggespült

  • -Aktualisiert am

Stehendes Wasser perfekte Brutstätte für Mücken

Viele von ihnen wurden für das Projekt umgesiedelt. Die 37 Jahre alte Helena Alberto etwa hat jetzt zum ersten Mal eine feste Wohnung und tanzt, als sie von ihrer eigenen Dusche erzählt. Arbeit hat sie auch in dem Projekt gefunden, sie lenkt mit einer roten Flagge den Verkehr um die Baustelle des Rio Chiveve herum, die sich quer durch die Stadt zieht. 4000 Metical (82 Euro) erhält sie dafür im Monat. Das entspricht dem gesetzlichen Mindestlohn und ist mehr, als es klingt, wenn man bedenkt, dass ein Kilo Kartoffeln im Supermarkt auch nur 35 Metical kostet.

An mehreren Stellen der Stadt hat sich das Meer schon Häuser geholt.

Chaimel Calido lebt in Goto, einem der inoffiziellen Viertel, die unmittelbar am früheren Flussbett des Rio Chiveve entstanden sind. Der 18 Jahre alte Schweißerlehrling in rotem T-Shirt und kurzer Jeans erzählt, dass die Regenfälle in den vergangenen Jahren immer schlimmer geworden seien. Er zeigt auf sein Knie. Bis dorthin stehe das Wasser dann wochenlang, sagt er. Nicht nur in den Gassen, auch in vielen der kleinen Hütten modert es dann vor sich hin. „Zur Arbeit müssen wir durch den Schlamm waten, Gummistiefel haben wir nicht. Die Kinder werden krank, bekommen Durchfall, Kopfweh und Malaria“, erzählt Calido. Moçambique zählt schon ohnedies zu den Ländern mit den meisten Malariafällen; das stehende Wasser ist eine perfekte Brutstätte für die Mücken, die die Krankheit übertragen.

Wasser für die Wirtschaft zunehmend ein Problem

Eigentlich könnte es Moçambique gutgehen. In den vergangenen Jahren ist die Wirtschaft im Schnitt um 8 Prozent gewachsen, was weit mehr ist als in den meisten anderen Subsahara-Ländern. Es gibt große Steinkohlereserven, und vor den Küsten liegen Erdgasfelder, die manche Fachleute größer als die von Kuweit schätzen. Doch die politische Stabilität ist brüchig. Auch wenn die letzten Wahlen weitgehend friedlich verliefen, zeigt sich doch immer auch wieder die Rivalität der einstigen Bürgerkriegsparteien, die sich bis in die neunziger Jahre hinein 20 Jahre lang bekämpft haben. Dass das Geld aus den Energiereserven das Wohl des gesamten Landes steigern wird, ist nicht ausgemacht - und wenn, dann kann das noch Jahre dauern.

Das stehende Wasser ist eine Brutstätte für die Malaria-Mücke.

Und auch für die Wirtschaft von Beira wird die Gefahr durch das Wasser zunehmend zum Problem. Ein Gewerbegebiet musste zuletzt zwei Monate stillgelegt werden, weil keine Lastwagen mehr hineinfahren konnten und Betriebsstätten überflutet waren. Im Schnitt auf jeden Haushalt gerechnet, führen die regelmäßigen Überschwemmungen nach Angaben der KfW zu materiellen Verlusten von 3300 Euro.

Will Beira an der vielleicht blühenden Zukunft Moçambiques teilhaben, muss es den Kampf gegen das steigende Wasser gewinnen. Bürgermeister Simango betont, wie wichtig dabei die Rehabilitierung des Rio Chiveve für die Zukunft der Stadt auf Meeresniveau ist: „Wenn die Entwässerung der Stadt nicht funktioniert, wird uns die erste große Flut töten.“ Er weiß aber auch, dass die bessere Entwässerung nur einer von vielen Bausteinen ist, mit dem die Stadt sich gegen den Klimawandel wappnen muss. Er hofft, dass es erst gar nicht so weit kommt, und sendet einen Appell an den Klimagipfel in Paris: „Ich hoffe, dass die Politiker dort mehr an uns denken - wir brauchen Investitionen dringender als sie.“

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