https://www.faz.net/-gqe-8am2i

Klimawandel in Moçambique : Eine Stadt wird weggespült

  • -Aktualisiert am

„Gebt uns keinen Fisch, wir brauchen Fischernetze“

Andere Folgen des Klimawandels spüren die Menschen in Beira schon jetzt. Häufiger als früher fegen Zyklone über die Stadt und die Fischer auf See hinweg. Die Sommer werden trockener, die Regenzeit bringt von Jahr zu Jahr mehr Starkregen mit sich. Sie überfluten die Stadt regelmäßig von der Landseite aus. Wegen der niedrigen Lage steht das Wasser dann oft über Monate in den Straßen. Und sogar von unten bedroht das Wasser die Stadt - der Grundwasserspiegel steigt. Es gibt Wissenschaftler, die sehen Beira schon in 20 Jahren im Meer versinken.

Doch solche Prognosen will Daviz Simango nicht hören. Der 51 Jahre alte Bürgermeister von Beira ist ein zupackender Mann. Fester Händedruck, breite Schultern, das kurze Haar noch schwarz. Er stemmt sich mit Händen und Füßen gegen die Wassermassen, versucht, seine Stadt so gut wie möglich gegen den Untergang zu rüsten. In einem Land wie Moçambique, das trotz zuletzt guter Wachstumsraten noch eines der ärmsten Länder der Welt ist, bedeutet das vor allem eines: Simango holt internationale Hilfe ins Land. Regelmäßig reist er nach Deutschland und in andere europäische Länder, um auf das Schicksal Moçambiques und seiner Stadt aufmerksam zu machen.

Der gelernte Ingenieur spricht gut Englisch - Amtssprache in dem Land ist Portugiesisch - und ist ein überzeugender Redner. Sein Vater war eine der Führungsfiguren im Unabhängigkeitskampf gegen die Portugiesen, wurde schließlich aber von der eigenen marxistischen Partei hingerichtet, weil er als zu liberal galt. Wenn Simango spricht, zieht er die Stirn kraus und öffnet weit die Augen, unterstreicht seine Worte mit seinen großen Händen. Im Werben für seine Sache ist er über die Jahre professionell geworden und benutzt Bilder wie: „Gebt uns keinen Fisch, wir brauchen Fischernetze“ - solche Sätze ziehen bei westlichen Unterstützern.

Unter Mücken: Wo einst der Fluss Chiveve floss, modert das Wasser heute monatelang.

KfW einer der größten Klimaschutzfinanzierer

Die Bundesregierung fördert Moçambique über ihre staatliche Förderbank KfW derzeit mit 335 Millionen Euro. Das meiste Geld davon fließt in die Verbesserung des Bildungswesens, doch der Schutz gegen die Folgen des Klimawandels spielt eine wachsende Rolle. Mit einem Fördervolumen von 26,6 Milliarden Euro in der ganzen Welt sieht sich die KfW als einer der größten Klimaschutzfinanzierer.

In Beira ist die KfW mit 13 Millionen Euro engagiert. Dafür werden das alte, versumpfte Flussbett des Rio Chiveve rehabilitiert und an der Mündung ins Meer eine Art Schutztor gebaut. Das soll auf der einen Seite das Wasser nach Starkregenfällen besser abfließen lassen und gleichzeitig verhindern, dass das Meer bei Sturmfluten den Flusslauf hinauf in die Stadt drängt. Neue Mangrovenwälder sollen alles befestigen. „So erhöht Beira seine Widerstandsfähigkeit gegen die Folgen des Klimawandels“, sagte Christof Griebenow, Projektleiter bei der KfW, die Journalisten ihre Arbeit in der Stadt auf einer Pressereise vorstellte.

Der Bürgermeister Daviz Simango kennt die Bedrohung des Meeres: Das Haus seiner Kindheit ist inzwischen selbst vom Meer mitgerissen worden.

Einst war der Rio Chiveve grüne Lunge und wichtiger Abwasserkanal der Stadt. Nachdem in den siebziger Jahren eine eingestürzte Brücke nicht weggeräumt wurde, ist er aber über die Jahrzehnte derart verdreckt und versumpft, dass inzwischen kaum noch etwas von ihm zu sehen ist. Menschen, die vor der Armut vom Land in die Stadt fliehen, haben sich in dem früheren Flussbett niedergelassen, haben dort Gemüse, Schuhe und Handtücher an inoffiziellen Ständen verkauft. In der Trockenzeit ist das möglich; aber in der Regenzeit erobert sich das Wasser regelmäßig seine alten Wege zurück und überschwemmt die Viertel, in denen Tausende Menschen wohnen.

Weitere Themen

Kampf gegen den Dampf Video-Seite öffnen

San Francisco : Kampf gegen den Dampf

Nicht nur das Rauchen, auch die Herstellung von E-Zigaretten wird in San Francisco verboten. Eine schwierige Situation für die Ortsansässigen wie Juul Labs, einer der größten Hersteller von E-Zigaretten.

Topmeldungen

Müssen sie bald zum Hautarzt? Bauarbeiter in einer S-Bahn Baustelle in Frankfurt

Arbeitnehmerschutz : Baustopp droht wegen zu viel Sonne

Bis zu 2,4 Millionen Beschäftigte, die im Freien arbeiten, müssen womöglich kurzfristig zur Vorsorge zum Hautarzt. Das hätte ernste Folgen fürs Handwerk und den Baubetrieb.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.