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Klimakonferenz : Das ist der Gipfel

Nicht am Tisch: Auch bei Inszenierungen der Klimaaktivisten fehlen die Wirtschaftsvertreter. Bild: AFP

Es ist paradox: Die Wirtschaft soll eine Kehrtwende hinlegen, um das Weltklima zu retten. Doch mitreden dürfen die Unternehmen bei der Konferenz in Paris nur am Rande. Dabei hätten die Vorstandschefs einiges zu sagen.

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          Da redet die ganze Welt davon, dass sich die Wirtschaft ändern muss. „Weg von Kohle, Öl und Gas“, heißt es. Klimaneutralität und Dekarbonisierung sind die Schlagworte. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnt „eine grundlegende Transformation unseres Wirtschaftens“ an, Amerikas Außenminister John Kerry verlangt ein klares Signal vom Gipfel in Paris. Nämlich jenes, dass die Welt bereit sei „für den Aufbau einer neuen Ökonomie“.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Nur diejenigen, die diese neue Ökonomie gestalten und betreiben sollen, findet man auf dem Gipfel nicht. Oder nur am Rande. Unternehmer sind in Le Bourget unterrepräsentiert. Auf den Dutzenden Podien am Rande der Konferenz führen Politiker und Umweltaktivisten das Wort. Wenn Politik und Wirtschaft sich dennoch treffen, ist die Gefahr groß, dass sie aneinander vorbeireden. Ihre Zustimmung sollen die Unternehmen geben – ihren Rat aber besser für sich behalten.

          2009, beim letzten großen, dann gescheiterten Klimagipfel in Kopenhagen, war das auch schon so. „Wir sind nicht mehr länger das Problem, wir sind Teil der Lösung“, hatte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) versichert und Topmanager nach Kopenhagen geflogen. Dass die dann nicht alle aufs Gelände kamen, lag am Organisationschaos der Veranstalter. Das war aber nicht dafür verantwortlich, dass die großangelegte „Klimaschutzinitiative der deutschen Wirtschaft“ mit 50 Unternehmen und Verbänden eine Bauchlandung machte.

          Grund dafür waren wechselseitige Unverträglichkeiten: innerhalb der Industrie, aber auch zwischen dem damaligen Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Konzernchefs wie Wulf Bernotat von Eon oder Jürgen Großmann von RWE. Die hielten es für illusorisch, die Kohlendioxidemissionen bis 2020 um 40 Prozent zu senken – beide sind längst aus dem Amt geschieden. Auch Peter Löscher, Siemens-Chef, Sprecher der Initiative und glühender Klimaschützer, ist Geschichte.

          „Je mehr soziale Medien wir nutzen, desto besser“

          Heute sei alles anders, heißt es beim BDI. Holger Lösch, Mitglied der Hauptgeschäftsführung, sagt, statt plakativer Präsentationen setze man auf inhaltliche Diskussionen. „Während die Politik sich um einen schwierigen Kompromiss bemüht, haben Unternehmensvertreter hier in Paris vielfältige Einblicke in die Zukunft einer emissionsärmeren Wirtschaft gegeben.“ Die geringe Präsenz der deutschen Exportindustrie auf dem Konferenzgelände führt er auf äußere Umstände zurück: hohe Sicherheit, wenige Besucherausweise, fehlende Räume.

          Statt Siemens betreibt nun Facebook einen Stand. Dort versichert das Unternehmen, es arbeite „sehr hart daran“, seine Datenverarbeitungszentren effizient zu betreiben. Das Interesse der Besucher an den klimafreundlich gekühlten Rechenzentren in Nordschweden scheint allerdings unterkühlt zu sein. Lieber schicken sie sich auf Facebook Mitteilungen zum letzten Stand der Erderwärmung.

          Videografik : Die CO2-neutrale Stadt

          „Je mehr soziale Medien wir nutzen, desto besser“, sagte eine Frau auf einem der Podien. Es geht darum, wie sich die Leute im Kampf gegen den Klimawandel besser vernetzen können. Weil kein Mensch die vielen Foren auch nur annähernd besuchen kann, werden viele live übertragen. Die, die dem Geschehen nicht auf ihrem Tablet, Laptop oder Smartphone folgen, können Fernseher nutzen. Auf jedem Bildschirm neun Bilder, je dreimal drei Reihen. Kopfhörer liefern den dazugehörigen Ton, ob aus dem Plenum der Diplomaten im „Comité de Paris“ oder von der Pressekonferenz einer NGO.

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