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Ordentliche Rendite : Geld verdienen mit dem Klimaschutz

Leuchtfeuer: Mit Investitionen in erneuerbare Energien lassen sich ganz ordentliche Renditen einfahren. Bild: dpa

Umweltfreunde können nicht nur weniger Auto fahren. Sie können auch ihr Geld so anlegen, dass weniger Treibhausgase erzeugt werden – zu ordentlichen Renditen.

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          Dem Ruheständler aus dem Schwäbischen wird nicht langweilig: Er hat jetzt mehrere Photovoltaik-Parks. Gemeinsam mit mehreren Leuten aus der Umgebung hat er im Jahr 2010 eine Energiegenossenschaft gegründet, um mit der Anlage auf den nahen Feldern Sonnenenergie zu „sauberem Strom“ zu machen und ihn zu der damals von der Bundesregierung üppig garantierten Einspeisevergütung zu verkaufen. „Wir sind die Energiewende“, lautet ihr Leitspruch. Doch nicht nur die Umwelt, auch der Geldbeutel des Pensionärs freut sich. 30.000 Euro hat er investiert, 4,5 Prozent Dividende erhält er daraus nun Jahr für Jahr. Keine schlechte Rendite in Zeiten wie diesen.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Klimaschutz ist wegen des Gipfeltreffens in Paris, das am Montag losgeht, wieder in aller Munde. Da fragen sich viele Anleger, wie sie mit ihrem eigenen Geld zu der guten Sache beitragen können. Energiegenossenschaften sind eine Methode, die klimafreundliche Stromerzeugung in der eigenen Nachbarschaft mitzufinanzieren. Doch seit die Einspeisevergütung für den Ökostrom nach und nach zurückgefahren wird, ist die Zahl der Neugründungen rapide gesunken. Das Modell ist auch nicht in erster Linie als Geldanlage gedacht und dafür vergleichsweise unflexibel.

          Wer nicht gleich unter die Genossen gehen will, findet aber auch weitere Möglichkeiten, mit seinem Geld das Klima zu schützen. Eine Reihe von Anbietern hat inzwischen Finanzprodukte aufgesetzt, welche die Vermeidung von Treibhausgasen in den Fokus setzt. Unternehmen der Schwerindustrie, Kohle-Konzerne und andere „dreckige“ Branchen werden von ihnen ausgeschlossen. Bei anderen werden nur Aktien von dem Unternehmen gekauft, das sich innerhalb seiner eigenen Branche als vorbildlich im Umweltschutz hervorgetan hat.

          24 Kilogramm bei 100 investierten Euro

          Die Verbraucherzentrale Bremen hat im vergangenen Jahr einmal für mehrere Nachhaltigkeitsfonds ausrechnen lassen, wie viel klimaschonender sie gegenüber herkömmlichen Anlageprodukten sind. Die Unterschiede waren groß. Als Vergleichsmaßstab hat sie den Kohlendioxidausstoß des Aktienindizes MSCI World genommen. 100 Euro, die in die darin vertretenen Unternehmen investiert werden, führen der Rechnung zufolge zu einem Ausstoß von 76 Kilogramm Kohlendioxid. Wer den gleichen Betrag in das Spitzenprodukt der Deutschen Bank, den DWS Top Dividende, steckte, erzeugte sogar 90 Kilogramm CO2.

          Nur 16 Kilogramm dagegen erzeugten 100 Euro, die in den Sustainable Equity R der auch in Deutschland vertretenen holländischen Triodos-Bank gesteckt wurden. „Der Anleger kann so viel Kohlendioxid einsparen, wie eine Autofahrt vom Nordkap bis nach Neapel erzeugt, wenn er einfach nur 1000 Euro bei uns und nicht beim schlechtesten Anbieter investiert“, rechnet Georg Schürmann, Deutschland-Chef der Triodos-Bank, triumphierend vor. Weitere Fonds, die in dem Vergleich gut abschnitten, waren der Öko-World Ökovision Classic und der Greeneffects NAI Wertefonds. Bestes herkömmliches Produkt aus einem großen Finanzhaus war der „Allianz Interglobal – A – EUR“, bei dem 100 investierte Euro auch nur 24 Kilogramm ausstießen.

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