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Stärkeres Wirtschaftswachstum : Klimagasemissionen steigen weltweit wieder an

Das Kohlekraftwerk Mehrum und Windräder produzieren Strom im Landkreis Peine Bild: dpa

Nach dreijähriger Stagnation steigen die klimaschädlichen Emissionen von Kohlendioxid wieder an, stellen Forscher fest. Sie haben auch aber eine gute Nachricht, wenn es um den Zusammenhang zwischen Wirtschaftsleistung und Energieverbrauch geht.

          Nach dreijähriger Stagnation steigen die klimaschädlichen Emissionen von Kohlendioxid wieder an. Nach der an diesem Montag am Rande der Weltklimakonferenz vorgelegten Studie bleibt nur offen, wie stark der Ausstoß von CO2 in diesem Jahr wächst. Die Autoren des „Global Carbon Projekt 2017“ kalkulieren mit einem Plus von zwei Prozent.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Auch in  Deutschland führt das starke Wirtschaftswachstum zu einem erhöhen Energieverbrauch. Nach einer Berechnung der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen stieg die Nachfrage nach Gas, Öl und Braunkohle, während der Absatz von Steinkohle um annähernd acht Prozent sank. Es sei davon auszugehen, „dass die nationalen energiebedingten CO2-Emissionen 2017 leicht steigen werden“. Damit dürfte es noch schwerer werden, das Klimaziel 2020 mit einem Plus von 40 Prozent CO2-Emissoponen gegenüber dem Jahr 1990 zu erreichen.

          2-Grad-Ziel zunehmend unwahrscheinlich

          Die Stagnation der weltweiten CO2-Emissionen hatte Hoffnungen genährt, der Höhepunkt des Ausstoßes von klimaschädlichen Gasen könnte erreicht und überschritten worden sein. Diese haben augenscheinlich getrogen. Auch für das kommende Jahr erwarten die am jährlichen Bericht des „Global Carbon Projekt“ beteiligten Wissenschaftler einen Anstieg.

          Damit werde die Zeit immer knapper, um das vor zwei Jahren in Paris beschlossene Ziel zu erreichen, den Anstieg der Erdtemperatur auf 1,5 bis 2 Grad zu begrenzen, schreiben sie. Bei ungebremsten Emissionen sei das verbliebene Budget der Welt für weitere Kohlendioxidemissionen, in 20 bis 30 Jahren aufgebraucht. Dann müssten alle Emissionen schlagartig auf null gesenkt werden, wenn das Temperaturziel eingehalten werden soll.

          In der genaueren Betrachtung ergibt sich ein differenziertes Bild. Die Forscher erkennen eine fortschreitende Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom klimaschädlichen Energieeinsatz. Dazu habe der starke Ausbau erneuerbarer Energieträger beigetragen sowie der Umstand, dass in der Produktion die Energieintensität (Energieeinsatz je produzierte Einheit) schrumpfe. Dagegen stehe ein vom Wirtschaftswachstum getriebener wachsender Verbrauch von Öl und Gas, aber auch von Kohle, deren Verbrauch nach einem Rückgang wieder auf dem Vormarsch sei. Noch stärker aber wachse der Ölverbrauch, der auf die Marke von 100 Millionen Barrel pro Tag zusteuere und damit drohe, der Kohle als größtem CO2-Emittenten den Rang abzulaufen.

          So dürften die zuletzt unverändert gebliebenen Emissionen in diesem Jahr wieder um 3,5 Prozent steigen. China, der weltgrößte Klimagasemittent, hatte zugesagt, spätestens im Jahr 2030 seine Emissionen zu reduzieren. Es wird aber allgemein erwartet, dass das von schwerer Luftverschmutzung geplagte Land weit vorher die Abgasmengen reduzieren wird. Indien, nach China und den Vereinigten Staaten der drittgrößte CO2-Emittent, wird seine Emissionen dieses Jahr laut der Untersuchung wohl nur um zwei Prozent erhöhen – auch dank des Ausbaus von Solarstrom. Allerdings dürfte der Ausstoß schnell wieder alte Steigerungsraten von fünf Prozent und mehr erreichen, wenn Industrie und Landwirtschaft zu früheren Wachstumsraten zurückkehren.

          Die Zeichen für die nähere Zukunft seine gemischt, schreiben die Forscher. Zum einen gebe es eine Gruppe von 21 Staaten, die rund ein Fünftel der weltweiten Emissionen verantworteten und die ihr Wachstum von den Emissionen entkoppelt hätten. Im Kern sind dies die EU-Staaten um Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Polen sowie die Schweiz, die Ukraine und die Vereinigten Staaten – trotz der ausgesprochenen Pro-Kohle-Politik von Präsident Donald Trump. Allerdings sei die Rate des Rückgangs in all diesen Ländern mit 0,2 Prozent zu gering, um eine Trendwende einzuläuten.

          Dem gegenüber stünden die hohen Wachstumsraten, die Institutionen wie die Weltbank oder der Internationale Währungsfonds mit 2,9 oder sogar 3,7 Prozent prognostizierten. Unabhängig von der genauen Wachstumsrate bedeute das den weiteren Ausstoß von jährlich etwa 36 Gigatonnen Kohledioxid allein durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas. Die wachsende Landnutzung hinzugerechnet – also das Verschwinden von Wäldern und Mooren als CO2-Speicher – beliefen sich die Jahresemissionen sogar auf etwa 41 Gigatonnen. Angesichts dessen sei absehbar, dass die untere Grenze des Vertrages von Paris, der den Temperaturanstieg auf 1,5 bis 2 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit begrenzen will, in weniger als einem Jahrzehnt gerissen werde.

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