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Effiziente Gebäude : Regierung verteilt neue Milliarden fürs klimafreundliche Wohnen

Hausfassade in Berlin Bild: dpa

Bald sollen wieder KfW-Anträge möglich sein – aber zunächst nur für Sanierungen. Wie es im Neubau weitergehen soll, darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

          3 Min.

          Gut drei Wochen ist es her, da löste Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) Unmut unter tausenden Hauseigentümern aus – und solchen, die es werden wollen. Am 24. Januar stoppte das Ministerium wegen der vorangegangenen Antragsflut alle Förderprogramme der KfW für energieeffiziente Gebäude, Neubau und Sanierungen gleichermaßen. Jetzt kommt aus Berlin grünes Licht: Von kommender Woche an – der genaue Tag steht noch nicht fest – sollen die Bürger wieder Anträge stellen können, allerdings zu veränderten Bedingungen.

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Der Haushaltsausschuss des Bundestags habe 9,5 Milliarden Euro für die Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) freigegeben, hieß es am Donnerstag in Ministeriumskreisen. Die noch erforderliche Zustimmung des Bundesfinanzministerium gilt als Formsache. Die sogenannte Verpflichtungsermächtigung ist einerseits erforderlich, damit die bis zum 23. Januar eingegangenen Anträge doch noch bearbeiten können. Darauf hatten sich die Ministerien der Ampelkoalition nach der harschen Kritik aus der Wohnungswirtschaft geeinigt.

          Es geht um rund 24.000 Anträge, 4000 davon von Privathaushalten, 20.000 von Unternehmen. Der Großteil der Anträge bezieht sich auf den Bau eines sogenannten Effizienzhauses 55, dessen Energiebedarf nur 55 Prozent eines Standardhauses beträgt. Habeck ist dieser Haustyp unter Klimaschutzgesichtspunkten nicht mehr ambitioniert genug. Es wird damit gerechnet, dass dieser schon bald als Mindeststandard für alle Neubauten vorgeschrieben wird.

          Um das Effizienzhaus 40 wird gerungen

          Das Geld wird aber auch benötigt, um die mit Blick auf die Klimaschutzziele dringend erforderlichen Sanierungen alter Gebäude wieder zu fördern. Die Förderbedingungen sollen zunächst unverändert bleiben.

          Erstmal noch kein Geld beantragen können dagegen jene, die ein Effizienzhaus 40 bauen wollen, das noch etwas sparsamer ist als das Effizienzhaus 55. Zwar ist schon bekannt, dass es dafür bis Jahresende 1 Milliarde Euro geben soll. Doch die Gespräche zwischen Habecks Haus und dem Bundesbauministerin von Klara Geywitz (SPD) laufen noch. Das Konzept werde zeitnah präsentiert, hieß es in Berlin. Von 2023 soll es dann ein neues Programm „Klimafreundliches Bauen“ geben. Im Koalitionsvertrag heißt es, dass die Treibhausgas-Emissionen je Quadratmeter Wohnfläche entscheidend sein sollen. Von 2025 an soll das KfW-Effizienzhaus 40 der gesetzliche Mindeststandard für alle Neubauten sein.

          In Berlin wollen am Donnerstag auf dem Wohnungsbautag unter anderem Habeck und Geywitz ihre Pläne skizzieren. Am Morgen präsentierten mehrere Verbände aus der Wohnungswirtschaft schon einmal ihre Forderungen. Sie warnen, dass ohne weitere Zuschüsse bezahlbares Wohnens kaum zu erreichen sein werde. „Ein weiteres Verschärfen des Ordnungsrechtes in Bezug auf die Energieeffizienz im Neubau und Bestand ist nicht zielführend“, heißt es in dem Aufruf, an dem unter anderem der Gesamtverband der deutschen Wohnungswirtschaft, der Mieterbund und die IG Bau beteiligt sind.

          Die Hälfte der Häuser ist unsaniert

          Nach einer neuen Studie der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen wurden 60 Prozent des deutschen Gebäudebestands vor dem Jahr 1979 errichtet. Umfassend saniert wurde davon bislang nur ein kleiner Teil. Die jährlichen Kosten für Sanierungen beziffert die Studie auf bis zu 150 Milliarden Euro pro Jahr. Bis zum Jahr 2045, wenn Deutschland klimaneutral sein soll, wären das 3,6 Billionen Euro. Als Kosten für eine „Vollmodernisierung“ ohne größere Eingriffe in die Bausubstanz nennt die Studie 2526 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Zum Vergleich: Die Kosten für einen Neubau – reine Baukosten, ohne den Grundstückspreis – betragen demnach 3405 Euro je Quadratmeter. Vergleichsweise günstig sei der Umbau von Büros zu Wohnungen mit rund 1200 Euro je Quadratmeter.

          Was das Ziel der Ampelkoalition betrifft, jährlich 400.000 Wohnungen zu bauen, zeigten sich die Verbände skeptisch. „Es ist sehr, sehr ambitioniert zu glauben, dass man jetzt ohne staatliche Förderung 30 Prozent mehr bauen kann“, sagte Felix Pakleppa vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes. Und auch die politischen Effizienzziele stoßen auf Kritik. „Der Vorteil eines Effizienzhauses 40 zu einem Effizienzhaus 55 ist in der Wirklichkeit minimal“, kritisierte Axel Gedaschko vom Gesamtverband der Wohnungswirtschaft. „Das ist maximal teuer, aber bringt herzlich wenig.“ Außerdem seien die Ressourcen an Baumaterial und Fachkräften begrenzt.

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