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„Negative Emission“ : Klimaschutz braucht mehr Forscher und Erfinder

Forscher warnen: Dem Klimaschutz fehlt es an Innovationen. Bild: dpa

Klimaforscher sind alarmiert. Denn weniger Emissionen allein reichen nicht aus. Der Atmosphäre muss CO2 entzogen werden. Für eine positive Wende fehlt es jedoch an Innovationen.

          Wilfried Rickels verfolgt die Debatte um die Elektromobilität mit Aufmerksamkeit. Geht es doch darum, den Klimawandel mit moderner Technik zu bekämpfen und CO2-Emissionen zu vermeiden. Als Leiter des Forschungsbereiches Umwelt am Kieler Institut für Weltwirtschaft weiß er aber auch, dass der Umstieg vom Verbrenner auf den Elektromotor das Klima allein nicht retten wird. Da würden kaum jene Milliarden Tonnen CO2 eingespart, die notwendig seien, um den Temperaturanstieg auf der Erde anzuhalten, sagt Rickels. Er fordert deshalb mehr Technik, zumindest mehr Forschung und Diskussionen darüber, wie schon in die Atmosphäre ausgestoßenes Kohlendioxid zurückgewonnen und gespeichert werden kann.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Rickels steht damit nicht allein. Auch Oliver Geden, Klimafachmann der renommierten Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik, moniert, die nationale und internationale Klimapolitik ignoriere die Notwendigkeit „negativer Emissionen“. In der Fachzeitschrift „Nature Climate Change“ hat er jetzt einen Drei-Stufen-Plan skizziert, wie das Thema in die internationale Klimaverhandlungen einfließen könnte: Ziele definieren, sich auf Mess- und Zählsysteme einigen und Forschung und Technik fördern sowie das Ganze in nationalen Projekten ausrollen, die groß genug sind, „um die notwendige Menge an Gigatonnen CO2 wieder aus der Atmosphäre zu entfernen“.

          Tatsächlich kennt die politische Debatte um den Klimawandel vor allem zwei Ziele: Erstens, den weiteren Anstieg der Emissionen zu verhindern, und wenn das nicht ausreicht, um den Temperaturanstieg aufzuhalten, zweitens, sich an das Leben mit der Klimaveränderung anzupassen. Die vereinfachte Botschaft: Weniger Kohle verbrennen, um das Schmelzen der Eisschilde aufzuhalten, und wenn das nicht reicht, werden die Deiche erhöht.

          „Wir müssen das jetzt angehen, auf jeden Fall.“

          Dabei wissen alle, die sich intensiver mit Klimapolitik befassen, dass das allein nicht reichen wird. „Ohne negative Emissionen und ohne den Einsatz neuer Technologien zur Speicherung von CO2 ist das Zwei-Grad-Ziel, geschweige denn das 1,5-Grad-Ziel, nicht einzuhalten“, sagt Rickels. Der Klimaforscher Otmar Edenhofer, der den letzten Bericht des Weltklimarates mitgeschrieben hat, sagt: „Wir müssen das jetzt angehen, auf jeden Fall.“

          Was also tun? Die Wissenschaft hat eine ganze Reihe von Ideen hervorgebracht, die Einstrahlung von Sonnenlicht zu verringern. Die simpelste ist vielleicht, Dächer weiß zu streichen, damit sie die Sonnenstrahlung besser reflektieren, wie sie ein früherer amerikanischer Energieminister unterbreitet hat. Utopisch klingen Vorschläge von Klimaingenieuren wie der, riesige Sonnenspiegel im Weltraum zu installieren oder Schwefeldioxid in der Stratosphäre zu verteilen, um Sonnenstrahlen abzuwehren. Edenhofer hält solche Modelle für „grob fahrlässig“. Zu groß sei das Wagnis. Man wisse nicht genug über etwaige chemische Reaktionen in der Atmosphäre – und überhaupt, wer soll das Management solcher Eingriffe, die die ganze Welt beeinflussen, übernehmen, wer die Verantwortung für etwaige Fehlschläge?

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