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Ökologische Personen : Wenn Tiere, Pflanzen und Ökosysteme vor Gericht ziehen

Neues Subjekt für Grundrechte? New Yorks Elefant Happy Bild: GIGI GLENDINNING via REUTERS

Mit der Anerkennung ökologischer Personen werde Waffengleichheit hergestellt, sagen die Befürworter von Eigenrechten der Natur. Mit dem Fall des New Yorker Elefanten Happy nimmt die Debatte an Fahrt auf.

          5 Min.

          Das Thema „eigene Rechte für die Natur“ ist in der deutschen Politik angekommen. Wenn auch bisher nur in Festtagsreden. In seiner Ansprache zu „20 Jahre Tierschutz im Grundgesetz“ erwähnte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir unlängst den Zooelefanten Happy. Amerikanische Tierschützer wollten vor Gericht erzwingen, dass die Elefantendame aus dem New Yorker Zoo in ein Wildgehege umzieht. Happy sei zur Rechtsperson mit einem geschützten Recht auf körperliche Freiheit zu erklären, forderten die Tierschützer. Das hat nicht funktioniert. Das höchste Gericht des Bundesstaates New York wies den Antrag ab – immerhin mit einer Gegenstimme.

          Katja Gelinsky
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin

          Minister Özdemir vermied es in seiner Rede sorgfältig, zum Streit über Happys Rechtsstatus Stellung zu beziehen. Er beschränkte sich auf die Beobachterrolle: Der Fall Happy zeige, „dass sich die Einstellung zum Tier ändert“. Auch hierzulande findet die Idee, nicht nur Tieren, sondern der Natur insgesamt eigene Rechte zuzuerkennen, immer mehr Aufmerksamkeit. Gegen das herkömmliche Rechtsverständnis macht sich Unbehagen breit. An Pflanzen, Tieren und Ökosystemen bestehen Rechte, sie selbst dagegen sind nicht Träger von Rechten. Im Tierschutzgesetz mag von „Mitgeschöpfen“ die Rede sein. Und nach dem Bundesnaturschutzgesetz werden Natur und Landschaft mittlerweile auch „auf Grund ihres eigenen Wertes“ geschützt. Das ändert aber nichts an ihrem Status als Rechtsobjekte, über die das Rechtssubjekt Mensch bestimmt. Die Reibungsflächen dieses hierarchischen Rechtsdenkens zum Zeitgeist – dem Streben nach Teilhabe, Inklusion und Diversität – sind offenkundig.

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