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Klimaschutz : Weltweit viel weniger neue Kohlekraftwerke in Planung

Hessen, Maintal: Eine Schar Tauben fliegt am wolkigen Himmel vor dem Kohlekraftwerk Staudinger, das aus der Mainebene bei Großkrotzenburg herausragt. Bild: dpa

Eine neue Studie zeigt: Zahlreiche Staaten haben die Planungen für neue Anlagen in den vergangenen Jahren drastisch reduziert.

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          Die Kohle ist wegen ihrer hohen CO2-Emissionen der größte Klimakiller unter den fossilen Brennstoffen. Experten warnen deshalb, ohne einen raschen Ausstieg aus der Kohleverstromung habe die Welt kaum eine Chance, den Klimawandel wirksam einzudämmen. Im Frühjahr forderte die Internationale Energieagentur (IEA) sogar, ab sofort gar keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu bauen. Davon kann bisher zwar keine Rede sein. Aber immerhin: Eine neue Studie macht Hoffnung, denn sie zeigt, dass der Ausstieg aus der Kohleverstromung global bereits in vollem Gange ist.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Seit dem UN-Klimagipfel von Paris im Jahr 2015 ist die Zahl der geplanten neuen Kohlekraftwerke auf der Welt um 76 Prozent gesunken, heißt es in der Analyse der Londoner Denkfabrik E3G. Die Autoren sprechen von einem „Kollaps der globalen Kohle-Pipeline“. Das Ende der Kohleverstromung sei in Sichtweite gerückt.

          Seit 2015 sind demnach weltweit die Planungen für neuen Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 1175 Gigawatt aufgegeben worden. Zum Vergleich: Dies entspricht in etwa der fünffachen installierten Leistung aller Stromerzeugungsanlagen in Deutschland vom Kohlekraftwerk bis zum Windrad.

          44 Staaten bauen keine neuen Kohlekraftwerke

          In insgesamt 44 Staaten der Welt hätten die Regierungen seit 2015 beschlossen, keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu bauen, heißt es in dem Bericht. In weiteren 40 Staaten gebe es zwar keinen formellen politischen Entschluss zum Kohle-Aus, doch seien auch dort keine neuen Kraftwerke geplant.

          Ein Schlaglicht wirft die Analyse auf China, wo rund jedes zweite Kohlekraftwerk auf der Welt steht: Einerseits baut das Land weiter im großen Stil weitere Anlagen. Mehr als die Hälfte aller neuen Kohlekraftwerke auf der Welt sind im Reich der Mitte geplant. China finanziert auch weiterhin den Bau neuer Anlagen in anderen Ländern.

          Andererseits jedoch hat auch die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt den Bau neuer Kohlekraftwerke zumindest gedrosselt: Die geplante zusätzliche Kohle-Stromerzeugungs-Kapazität in China sei um zwei Drittel niedriger als 2015, kalkuliert E3G.

          Großes Thema bei Klimakonferenz in Glasgow

          Der für den Klimaschutz dringend notwendige Abschied von der Kohle wird ein wichtiges Thema auf der bevorstehenden UN-Klimakonferenz im November im schottischen Glasgow werden. Auch in Deutschland wird verstärkt über einen schnelleren Ausstieg aus der Kohle diskutiert. Die Grünen wollen diesen auf 2030 vorziehen, weil sonst die deutschen Klimaschutzziele nicht zu erreichen seien.

          Bisher dagegen ist vereinbart, dass das letzte deutsche Kohlekraftwerk spätestens 2038 vom Netz geht. Noch im vergangenen Jahr hat der Stromerzeuger Uniper das neue Kohlekraftwerk Datteln 4 in Nordrhein-Westfalen in Betrieb genommen. Mit den in diesem Jahr stark gestiegenen Preisen für den Ausstoß von CO2 im europäischen Emissionshandel werden die besonders schadstoffintensiven Kohlekraftwerke jedoch tendenziell immer unwirtschaftlicher.

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