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Virtueller Klimagipfel : Auch Kanada, Südkorea und Japan machen Zusagen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim virtuellen Klimagipfel am Donnerstag Bild: AFP

Auf dem virtuellen Klimagipfel schärfen mehrere Länder ihre Reduktionsziele nach. Doch China und Indien wollen nicht mitziehen.

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          Mehrere Länder nutzen den kleinen Klimagipfel in Washington, um höhere Reduktionsziele beim Ausstoß von Treibhausgasen zu verkünden. Die Vereinigten Staaten selbst wollen ihren Ausstoß bis 2030 um 50 bis 52 Prozent halbieren im Vergleich zu 2005, wie Präsident Joe Biden am Donnerstag zum Auftakt des virtuellen Klimatreffens verkündete. Die EU hatte tags zuvor ebenfalls ein verschärftes Reduktionstempo zugesagt. Kanada, Südkorea und Japan wollen ebenfalls bis 2030 den Ausstoß der schädlichen Gase stärker verringern als bisher zugesagt. 

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.
          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die gemessen an den Emissionstrends wichtigsten Länder China und Indien verweigerten dagegen eine zusätzliche Reduzierung trotz großer diplomatischer Bemühungen. Bidens Klimabotschafter war eigens nach China gereist, um dem Land konkrete Zugeständnisse abzuringen. Indiens Ministerpräsident Narendra Modi verteidigte den Kurs seines Landes: Indien installiere immerhin erneuerbare Energien im Umfang von 450 Gigawatt bis 2030. Er verwies darauf, dass Indien je Kopf deutlich weniger Emissionen ausstoße als die anderen Groß-Emittenten. 

          Einige Stunden vor dem Treffen hatte Japans Ministerpräsident Yoshihide Suga mitgeteilt, dass Japan sein selbstgestecktes Klimaziel bis 2030 verschärfen wolle. Suga setzte als neue Zielmarke eine Verringerung des Ausstoßes an Kohlendioxidemissionen bis 2030 um 46 Prozent gegenüber dem Jahr 2013. Bislang hatte Japan ein Minus von 26 Prozent angestrebt. Schon vergangene Woche hatten Suga und Biden in Washington einer Klimapartnerschaft beider Länder vereinbart. 

          Krawatte aus wiederverwertetem Plastikmüll

          Für Suga ist die Ankündigung zu diesem Zeitpunkt nicht nur eine diplomatische Geste an Biden, um die enge Verbindung der beiden Länder zu betonen. Der japanische Ministerpräsident hat vor der bevorstehenden Unterhauswahl die Umweltpolitik auch zu einem politischen Schwerpunkt gemacht. Im vergangenen Herbst hatte er schon angekündigt, dass Japan bis 2050 klimaneutral sein soll. Suga bezeichnete das neue Klimaziel bis 2030 als ambitioniert. Es gehe konform mit dem längerfristigen Ziel bis 2050. 

          Umweltschützer in Japan bezweifeln das. Greenpeace Japan kritisierte, dass Japan weit zögerlicher als andere Staaten vorgehe. Die Klimaaktivisten werfen der Regierung ferner vor, dass sie immer noch den Export von Kohlekraftwerken in Entwicklungsländer fördere. Im Inland hatte Japan nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima Daiichi 2011 den Energiemangel nach Abschaltung der Kernkraftwerke weitgehend durch Verbrennung von mehr Kohle und Gas ausgeglichen.

          Das Land setzt zur Verringerung der Klimaemissionen weiter auf die Atomkraft und auf den Ausbau regenerativer Energien. Südkoreas Präsident Moon Jae-in versprach auf dem Gipfeltreffen, noch in diesem Jahr das Klimaziel des Landes weiter zu verschärfen. Das bisherige Klimaziel liegt bis 2030 bei minus 24,4 Prozent verglichen mit dem Jahr 2017. Südkorea will bis zum Jahr 2050 die Klimaneutralität erlangen. Moon verpflichtete seine Regierung am Donnerstag zugleich dazu, die Finanzierung von Kohlekraftwerken im Ausland einzustellen. Der Präsident wählte für seine Ankündigung ein symbolisches Kleidungsstück: Seine Krawatte war aus wiederverwertetem Plastikmüll gefertigt.

          „Das erfordert außergewöhnlich harte Anstrengungen“ 

          Am Nachmittag wurde bekannt, dass China zumindest eine Verringerung seines Kohleverbrauchs von 2025 an in Aussicht gestellt hat. Auf dem virtuellen Klimagipfel sagte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping, sein Land wolle Kohlekraftwerke „streng kontrollieren“. Während des laufenden Fünf-Jahres-Planes bis 2025 solle der Anstieg des klimaschädlichen Kohleverbrauchs „streng begrenzt“ und während des folgenden Planes bis 2030 stufenweise verringert“ werden.

          Xi Jinping wiederholte seine Zusage, dass China den Höhepunkt seiner Emissionen vor 2030 anstrebe und Kohlendioxid-Neutralität vor 2060 erreichen wolle. Das bedeutet, dass kein Kohlendioxid ausgestoßen wird oder die CO2-Emissionen vollständig kompensiert werden. China habe sich verpflichtet, schneller vom Höhepunkt zur Neutralität zu gelangen, als es vielen entwickelten Länder gelingen könnte, sagte Xi Jinping. „Das erfordert außergewöhnlich harte Anstrengungen.“

          China wolle mit der globalen Gemeinschaft, einschließlich den Vereinigten Staaten, zusammenarbeiten, um die Verpflichtungen nach dem Pariser Klimaabkommen zu erfüllen. Es müsse der Grundsatz der „gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung“ gelten. Demnach müssten Industrieländer den Entwicklungsländern helfen.

          China ist das bevölkerungsreichste Land der Erde sowie der größte Kohleverbraucher und Kohlendioxidproduzent. Während die Regierung wiederholt die Ziele im Kampf gegen den Klimawandel bekräftigt, bemängeln Kritik aber einen weiteren Ausbau der Kohleenergie auf lokaler Ebene und einen Zuwachs der Kohleförderung. Das Land stützt seine Energieversorgung zu rund 60 Prozent auf Kohle.

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