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Strafzahlungen hinfällig? : Corona schönt die Klimabilanz

Corona könnte diesen Ausgabenposten nun hinfällig machen. „Das Ausmaß des Emissionsrückgangs infolge der Corona-Pandemie ist derzeit noch mit Unsicherheiten behaftet und lässt sich noch nicht genau vorhersagen“, heißt es zwar im neuen Klimaschutzbericht.

Nichtstun könnte teuer werden

Auch sind Beobachter wie Jakob Graichen vom Freiburger Öko-Institut noch skeptisch, ob der Rückgang der Emissionen in diesem Jahr, so „erheblich“ er auch sein dürfte, wirklich sektorenübergreifend erfolgt. „Der Rückgang ist vor allem auf den Minderverbrauch von Kohle zurückzuführen. Ob auch in den Sektoren Gebäude und Verkehr aufs Gesamtjahr betrachtet weniger CO2 ausgestoßen wird, kann man noch nicht genau abschätzen. Im Gebäudesektor ist eigentlich nichts Spektakuläres passiert und möglicherweise nutzen die Menschen jetzt dauerhaft gerade weniger den ÖPNV und fahren wieder mehr Auto“, meint Graichen vom Öko-Institut.

Patrick Graichen, der Direktor des Beratungsvereins Agora Energiewende, ist dagegen überzeugt: „Deutschland wird sein EU-Klimaschutzziel für 2020 in den Bereichen Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft ungefähr erreichen.“ Sowohl bei einem moderaten als auch harten Krisenverlauf würde nach seiner Prognose das Ziel erfüllt. 407 oder 384 Millionen Tonnen CO2 seien demnach in diesem Jahr in den von der Lastenteilungsentscheidung erfassten Sektoren zu erwarten – deutlich weniger als die 439 Millionen Tonnen, die 2019 noch emittiert worden waren, und auch weniger als das Ziel von 411 Millionen Tonnen. „Corona hat die Emissionen auf ein Maß zurückgestutzt, wie es den ambitionierten Zielvorgaben entspricht“, sagt Graichen.

Doch mahnt er, dass es für den langfristigen Klimaschutz – für 2030 lautet das allgemeine Reduktionsziel der Bundesregierung minus 55 Prozent – größere Anstrengungen brauche. Für den Agora-Direktor brauche es „Sprünge hin zu klimafreundlichen Technologien“. Dazu zählt er mehr Elektroautos, mehr Wind- und Solaranlagen und energieeffiziente Gebäude. „Eine Wirtschaftskrise macht keinen Strukturwandel“, findet auch Kai Niebert, der als Präsident des Deutschen Naturschutzrings Umweltverbänden wie Nabu und BUND vorsteht. 

Zusammen mit Vertretern anderer Verbände verwies Niebert am Mittwoch darauf, dass das Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung nicht für die derzeitigen Klimaschutzziele, geschweige denn für ein womöglich noch höheres EU-Klimaziel ausreiche. Tatsächlich lassen jüngsten Projektionen, die sowohl das Bundesumweltministerium als auch das Bundeswirtschaftsministerium vorgenommen haben, einen Rückgang von „nur“ 51 und 52 Prozent verglichen mit 1990 und somit eine Zielverfehlung erwarten.

Am Öko-Institut verweist man in dem Zusammenhang ebenfalls auf die EU-Lastenteilungsentscheidung. Dadurch stünden unverändert Kosten in zweistelliger Milliardenhöhe im Raum. „Ohne zusätzliche Maßnahmen zum Klimaschutzprogramm der Bundesregierung gehen wir für Deutschland nach wie vor von einem kumulierten Defizit von rund 270 Millionen Tonnen CO2 bis 2030 aus“, betont Jakob Graichen. Nichtstun könnte teuer werden, denn die Corona-Pandemie habe vermutlich nur einen geringen Einfluss auf die langfristigen Emissionen in den Sektoren Gebäude und Verkehr.

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