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Endlagerung unter Tage : Schweden will Atommüll 100.000 Jahre luftdicht verschließen

  • Aktualisiert am

Aufnahme aus einem Endlager in Schweden (Archivbild) Bild: Sebastian Balzter

Das skandinavische Land hat grünes Licht für Pläne gegeben, mit denen Brennelemente gelagert werden sollen. Der Standort befindet sich 130 Kilometer nördlich von Stockholm. Greenpeace kritisiert das Vorhaben.

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          Schweden hat grünes Licht für Pläne zur Endlagerung radioaktiver Brennelemente unter der Erdoberfläche gegeben. Der radioaktive Müll soll in einem Endlager bei Forsmark mindestens 100.000 Jahre lang verwahrt werden. „Wir tun dies, um Verantwortung zu übernehmen, sowohl für die Umwelt als auch für die Menschen, aber auch für Schwedens langfristige Stromerzeugung und schwedische Arbeitsplätze“, sagte Umweltministerin Annika Strandhäll am Donnerstag vor Journalisten.

          Die Ankündigung der sozialdemokratischen Regierung erfolgte, nachdem das Projekt sich jahrelang verzögert hatte. Der Standort für die Endlagerung befindet sich in der Nähe eines Atomkraftwerks, etwa 130 Kilometer nördlich von Stockholm. Die abgebrannten Brennstäbe werden zunächst in gusseiserne Hülsen eingesetzt. Diese Hülsen werden dann in Kupferrohre geschoben, die, wenn sie ordnungsgemäß versiegelt werden, 100.000 Jahre lang luftdicht verschlossen bleiben sollen. Sie werden einen halben Kilometer unter der Erdoberfläche, umgeben von kristallinem Gestein, verwahrt. Außerdem umfassen die Pläne den Bau einer Anlage im südschwedischen Oskarshamn, die für die Kupferkanister zuständig sein soll.

          Die Vorhaben des Unternehmens SKB, das zur schwedischen Atomkraftindustrie gehört, seien nach den geltenden Kriterien von den Behörden als sicher eingestuft worden. Ein Gericht soll nun die formellen Genehmigungen erteilen. Bis zur Fertigstellung könnten schwedischen Medienberichten zufolge Jahrzehnte vergehen.

          Kritik von Greenpeace

          Schweden folgt damit dem Vorbild des Nachbarlandes Finnland, das derzeit eine Endlagerstätte in Eurajoki an der Südwestküste des Landes baut. Das Endlager steht kurz vor der Fertigstellung und soll nach einer Testphase 2025 regulär in Betrieb gehen. Die beiden Länder sind die ersten, die grünes Licht für diese Art von Endlagerungs-Anlagen gegeben haben.

          „Zusammen mit Finnland sind wir die ersten in der Welt, die Verantwortung für unseren Atommüll übernehmen“, sagte Strandhäll. Sie pries das Projekt als „sichere Endlagerlösung“ an.

          Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte den Schritt als Entscheidung mit „100.000-jährigen Folgen“. Greenpeace verwies unter anderem auf die „zu große Unsicherheit“ des Projekts. Es handle sich um eine „unverantwortliche“ Entscheidung.

          In Deutschland ist die Frage nach einem Endlager – wie auch in vielen anderen Ländern – weiter offen. Wenn Ende 2022 im letzten deutschen AKW die Lichter ausgehen, strahlt der über Jahrzehnte angehäufte Atommüll in großen Mengen weiter. Fachleute erwarten bis 2080 rund 10.500 Tonnen hoch radioaktive Abfälle aus Brennelementen. Sie sollen eines Tages in einem Endlager ruhen, das offiziell bis 2031 gefunden sein soll. Ob das gelingt, ist schwer abzusehen.

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