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Pläne der EU : Recht auf Reparatur und Waschmaschinen zur Miete

Eine Recycling-Stätte für Elektronikschrott in China, Huai'an Bild: dpa

Die Europäische Kommission will die Lebensdauer von Elektrogeräten erhöhen und so die Müllmenge reduzieren. Dafür sind einige kreative Maßnahmen geplant.

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          Elektrogeräte werden immer kürzer genutzt. Das gilt nicht nur für Mobiltelefone oder Laptops, sondern auch für Waschmaschinen, Kühlschränke und andere Geräte. Woran das liegt ist umstritten. Die Industrie argumentiert nicht unplausibel, die Verbraucher seien heutzutage stets auf der Suche nach neuen und  besseren Produkten, was deren Lebensdauer verkürze.

          Hendrik Kafsack
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Und dennoch können sich viele nicht von dem Verdacht frei machen, dass die Industrie gezielt Schwachstellen einbaut, damit die Waschmaschine oder der Handmixer früher kaputt geht – oder aber, wie bei vielen Smartphones, den Austausch der schwächelnden Akkus nur gegen hohe Kosten vorsieht. Die Konsequenz ist so oder so, dass immer mehr Geräte auf dem Müll landen und wichtige Rohstoffe verloren gehen.

          Eine halbe Tonne Abfall produziert jeder EU-Bürger so im Jahr. Insgesamt fallen in der EU 2,5 Milliarden Tonnen Müll an. Die Elektroschrottmenge wächst Jahr für Jahr um 2 Prozent. Beinahe zwei Drittel davon werden nicht wiederverwertet. Die Europäische Kommission will das nun ändern. Kommende Wochen will Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans einen Aktionsplan zur Kreislaufwirtschaft vorlegen. Ein Entwurf liegt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor.

          Europaweites Rücknahmesystem

          Timmermans will mit dem Vorstoß neue Nachhaltigkeitsregeln für Elektrogeräte und Batterien, auch Verpackungen, Textilien, Nahrungsmittel oder Baustoffe einführen. So sollen die Hersteller dazu verpflichtet werden, ihre Produkte haltbarer und leichter reparierbar zu machen. Die Behörde will Detailvorgaben für die Konstruktion von Geräten machen, damit die verwendeten Rohstoffe leichter wiedergewonnen und die Geräte leichter auseinandergebaut und damit repariert werden können.

          Vor allem aber sollen die Verbraucher ein „Recht auf Reparatur“ bekommen. Das soll insbesondere für Haushaltsgeräte als auch Unterhaltungselektronik gelten. In diesem Zusammenhang werde die EU-Kommission eine Ausweitung der Garantie prüfen, heißt es in dem 17 Seiten langen Papier. Zudem will sie die Industrie dazu anhalten, Geräte zu vermieten. Eine Waschmaschine etwa bliebe im Besitz des Herstellers und damit in seiner Verantwortung. All das zielt darauf, Anreize für die Industrie zu schaffen, langlebige oder doch zumindest gut reparierbare Geräte herzustellen.

          Vornehmen will sich die Kommission darüber hinaus, wie vom Europäischen Parlament gefordert, die Ladegeräte für Handys und Tablets. Sie will nicht nur Standardkabel einführen, sondern auch Vorgaben für die Qualität der Kabel machen. Auch ein europaweites Rücknahmesystem für alte Mobiltelefone, Tablets und Ladegerät ist Teil des Pakets.

          Der Verpackungsmüll soll von zuletzt 173 Kilogramm je Kopf sinken, indem Produkte geringer und anders verpackt werden. Konkret nennt die Kommission in dem Papier Plastikverpackungen für Früchte und Gemüse, Teebeutel und Kaffeekapseln. Im EU-Parlament stößt der Vorschlag auf Zustimmung. „Wir können den Verbrauch wertvoller Rohstoffen eindämmen und Emissionen reduzieren, wenn Produkte wie Handys langlebiger werden“, sagt die Abgeordnete Anna Cavazzini (Grüne).

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