https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/klima-nachhaltigkeit/oberstes-gericht-in-norwegen-erklaert-zwei-windparks-fuer-unzulaessig-17580749.html

Nach Klage von Ureinwohnern : Oberstes Gericht in Norwegen erklärt zwei Windparks für unzulässig

  • Aktualisiert am

Rentiere stehen vor den umstrittenen Windkraftanlagen in Storheia. Bild: AFP

Das Volk der Samen hatte gegen die Betreiber zweier Windparks geklagt, da die Windturbinen ihre Rentier-Herden verängstigten und alte Traditionen bedrohten. Was nun mit den Anlagen geschehen soll, ließ das Gericht offen.

          1 Min.

          In Norwegen hat das Oberste Gericht die Betriebslizenz für zwei Windparks wegen Missachtung der Rechte der Ureinwohner für ungültig erklärt. Die Windparks in Storheia und Roan in Zentralnorwegen beeinträchtigen die kulturellen Rechte des Volkes der Samen und verstoßen gegen internationale Konventionen, urteilte das Gericht am Montag. Der Bau der Windanlagen sowie die damit verbundenen Enteignungen seien ungültig. Die Samen hatten argumentiert, der Anblick und das Geräusch der Windturbinen verängstige ihre Rentier-Herden und bedrohe jahrhundertealte Traditionen.

          Das Gericht ließ offen, was nun mit den Windparks geschehen soll. Ein Rechtsanwalt der Samen erklärte, das Urteil bedeute, dass die 151 Windturbinen zurückgebaut werden müssten. „Unser Standpunkt ist, dass diese beiden Windparks illegal sind und aufgelöst werden müssen“, sagte Rechtsanwalt Knut Helge Hurum gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die Windparks in Storheia und Roan sind Teil von Europas größtem landgebundenen Windenergie-Projekt, das ein Volumen von 1,12 Milliarden Euro hat.

          Der Entwickler der Windanlagen, Fosen Vind, zeigte sich überrascht über das Urteil. Das Unternehmen erklärte, zunächst solle die Stellungnahme des Energieministeriums abgewartet werden, bevor man sich zum Urteil äußere. Fosen Vind gehört die Mehrheit am Windpark Storheia. Das Unternehmen ist im anteiligen Besitz von Statkraft, TroenderEnergi und Nordic Wind Power DA. Neben einem Konsortium für Energieinfrastruktur ist auch die Schweizer Energiefirma BKW am Windpark beteiligt. Der Windpark in Roan wird von Roan Vind betrieben. Dieses Unternehmen gehört den Stadtwerken München, TroenderEnergie und Nordic Wind Power.

          Das Urteil könne auch Folgen für andere Projekte haben, sagte Anwalt Hurum. „Das wird sich auf spätere Entwicklungen innerhalb des samischen Rentiergebiets auswirken. Es ist sicherlich relevant für andere Windparks, aber auch für Minen und andere große Entwicklungsprojekte, zum Beispiel Straßenbau.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kampfpanzer für die Ukraine : Leoparden auf dem Sprung

          14 Leopard-Panzer liefert Deutschland an die Ukraine. Was macht den Leopard 2 besonders und wie schlägt er sich gegen die russischen Modelle? Ein Überblick in Grafiken.
          Die lokalen Stromverteilnetze könnten zum Engpass für die Energiewende werden.

          Energiewende : Mit Anreizen gegen die Stromrationierung

          Von Tesla bis Viessmann: Unternehmen wettern gegen die geplante Begrenzung der Stromversorgung für E-Autos und Wärmepumpen. Nun präsentieren sie Ideen, wie es ohne gehen könnte. Im Mittelpunkt stehen dabei die Verbraucher.
          BASF-Anlage in Ludwigsburg: Auf seine Beteiligung an Wintershall Dea musste der Chemiekonzern  5,4 Milliarden Euro abschreiben. (Symbolfoto)

          Nach BASF-Abschreibungen : Teurer Abschied aus Russland

          BASF muss Milliarden aus dem Russlandgeschäft von Wintershall abschreiben. Auch für andere Dax-Unternehmen wird der Ausstieg aus Putins Reich noch teuer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.