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Nachhaltige Energie : Chemie unter Strom

  • -Aktualisiert am

Der Verbundstandort Freeport in Texas ist der führende Produzent von Grundchemikalien, Zwischenprodukten und Faserprodukten. Bild: obs

Die Branche investiert in klimaneutrale Energie. Die Leitungen kann sie aber nicht selbst bauen.

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          „Das Atomzeitalter in der Großchemie hat begonnen.“ Vor fünfzig Jahren waren sich Fachleute darüber einig. Die „Badische Anilin- & Sodafabrik“ hatte 1967 die Stadt Ludwigshafen mit dem Plan zum Bau eines Kernkraftwerkes überrascht, quasi einen Steinwurf vom Stadtzentrum entfernt. Ein Interesse an der neuen Energie bestehe in gleicher Weise bei den Farbwerken Hoechst, den Farbenfabriken Bayer und den Chemischen Werken Hüls, befand damals die F.A.Z. Das geplante Kraftwerk der BASF ist zehn Jahre später nicht etwa an Sicherheitsbedenken gescheitert, sondern am Preis. Außerdem wurde die Konkurrenz am Rhein zu groß. Im Umkreis von 100 Kilometern waren gleich vier Atommeiler geplant. Der Landesregierung in Mainz, die sich für das BASF-Kraftwerk engagierte, war es nicht gelungen, das RWE-Kraftwerk im nahen Biblis zu verhindern.

          Die vergessene Episode zeigt nicht nur die Irrungen bundesdeutscher Energiepolitik. Sie macht eindrücklich die enorme Bedeutung der Energieversorgung für die chemische Industrie klar. Es braucht neben Rohöl eben auch sehr viel Energie, um Kunststoffe, Schäume, Lacke, Pflanzenschutzmittel und selbst Zusatzstoffe für Nahrungsmittel herzustellen. Es liegt also buchstäblich in der Natur der Sache, dass die Chemie neben den Stahlkochern und der Zementindustrie zu den energieintensiven Branchen zählt. Einen Großteil ihres Stromes stellt die Chemie daher traditionell selbst her. BASF betreibt aktuell allein in Ludwigshafen drei Gaskraftwerke.

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