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Nach Waldabkommen von Glasgow : Indonesien will weiter entwalden

Weist der wirtschaftlichen Entwicklung im Vergleich zum Klimaschutz die höhere Priorität zu: Indonesiens Umweltministerin Siti Nurbaya Bakar (links) Bild: Reuters

Wenige Tage nach der Unterzeichnung distanziert sich Jakarta vom in Glasgow geschlossenen Waldabkommen. Ein Entwaldungsstopp verunmögliche den Bau von Straßen, sagt Indonesiens Umweltministerin.

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          Indonesien hat nur wenige Tage nach der Unterzeichnung das Waldabkommen von Glasgow relativiert. Es sei „unangemessen und unfair“, Indonesien zu einem kompletten Stopp der Entwaldung bis 2030 zu zwingen, schrieb die Umweltministerin Siti Nurbaya Bakar laut Presseberichten vom Freitag in den sozialen Medien. Die Wirtschaft habe für Indonesien Priorität. „Die massive Entwicklung in der Ära von Präsident Jokowi darf nicht im Namen der Kohlendioxid-Emissionen und Entwaldung gestoppt werden“, schrieb die Ministerin. Sie benutzte dabei den Spitznamen von Indonesiens Präsident Joko Widodo. Die Ministerin sagte, dass bei einem kompletten Entwaldungsstopp selbst der Bau von Straßen in Waldgebieten nicht mehr möglich wäre.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          In dem Abkommen heißt es, die Unterzeichner wollten daran arbeiten, den Verlust von Waldflächen bis 2030 „zu stoppen und rückgängig zu machen“. Es war am Montag auf dem Weltklimagipfel in Glasgow von 110 Ländern geschlossen worden, die zusammen mehr als 85 Prozent der Waldfläche weltweit stellen. Der britische Premierminister Boris Johnson hatte von einem „Meilenstein“ gesprochen, da sich auch waldreiche Länder wie eben Indonesien beteiligt hatten.

          Unterschiedliche Interpretation des Abkommens

          Offenbar gibt es aber Unterschiede in der Interpretation. So kritisiert Indonesien Äußerungen des britischen Umweltministers Zac Goldsmith wonach das Abkommen „die Entwaldung bis 2030 beendet“. Das stehe in dem Text so nicht drin, teilte Indonesiens Vize-Außenminister Mahendra Siregar mit. Er bezeichnete die Äußerung als „möglicherweise unbeabsichtigt, aber klar falsch und irreführend“.

          Indonesien hat sich selbst als Ziel gesetzt, in der Forstwirtschaft bis zum Jahr 2030 einen Zustand zu erreichen, der als „carbon net sink“ bezeichnet wird. Das bedeutet, dass der Sektor dann mehr CO2-Emissionen auffangen soll als er produziert. Indonesische Umweltschützer kritisierten am Freitag die Regierung dafür, dass sie sich schon so kurz nach der Einigung von dem Abkommen distanziere. Indonesien ist das Land mit der drittgrößten Flächen an tropischem Regenwald weltweit. Für die Plantagen der Palmöl- und die Papierindustrie werden häufig illegal riesige Waldgebiete gerodet.

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