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Landwirtschaft unter Druck : Droht der nächste Dürresommer?

  • -Aktualisiert am

Nichts als Spuren im Sand: Verschärft wird die Trockenheit durch oftmals sandige Böden im Osten, die nur schlecht Feuchtigkeit speichern können. Bild: dpa

Was andere freut, bereitet Landwirten Sorge: In Deutschland ist es sonnig, warm und viel zu trocken. Alle Hoffnungen ruhen nun auf dem Mai. Noch kann es ein ganz normales Jahr für die Landwirtschaft werden.

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          Während sich die meisten Deutschen über das gute Wetter und die milden Temperaturen der vergangenen Wochen freuen dürften, bilden sich auf der Stirn vieler Landwirte und Waldbesitzer erste Sorgenfalten. Seit Mitte März hat es kaum geregnet, stattdessen strahlt die Sonne vom Himmel. Das weckt Erinnerungen an das Frühjahr der vergangenen beiden Jahre – was folgte, waren Dürresommer.

          Svea Junge
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Ob es in diesem Jahr wieder so kommt, lasse sich nicht verlässlich vorhersagen, sagt Mathias Herbst, Leiter des Zentrums für Agrarmeteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Die gegenwärtige Wetterlage müsse nicht zwingend in eine Dürre münden, schon in den nächsten Wochen könne sich das Wetter wieder umstellen. Daher sei es verfrüht, jetzt Alarm zu schlagen.

          Startbedingungen besser als im vergangenen Jahr

          Aber Herbst räumt auch ein: „Wenn es so trocken weitergeht wie momentan, wird es wieder eine Dürre geben.“ Gleichwohl seien die Startbedingungen 2020 besser als im vergangenen Jahr. 2019 seien die Böden schon im Frühling sehr trocken gewesen, da im Winter nicht genug Regen gefallen sei. „In diesem Jahr hat es im Februar 2,5 Mal so viel geregnet wie normal. Dadurch waren die Böden in weiten Teilen Deutschlands bis Mitte März gut mit Wasser aufgefüllt“, sagt Herbst. In den ostdeutschen Bundesländern Thüringen und Sachsen hätten die Winterniederschläge die Defizite in den tieferen Bodenschichten allerdings nicht wieder ausgleichen können.

          Dass der Boden in dieser Region außergewöhnlich trocken ist, zeigt auch der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Die Karte für den Gesamtboden bis zu einer Tiefe von 1,80 Metern leuchtet im Südosten Deutschlands dunkelrot – die höchste der fünf Stufen. „Bis eine Dürre überstanden ist, muss es bis zu sechs Monate überdurchschnittlich viel regnen“, erklärt Andreas Marx, Klimaforscher am UFZ, die schlechte Ausgangslage der Region. Schon in den vergangenen beiden Jahren gab es hier weniger Niederschlag als im Bundesdurchschnitt. Verschärft wird die Trockenheit durch die oftmals sehr sandigen Böden im Osten, die Feuchtigkeit nur schlecht speichern können.

          Darunter leiden müssen vor allem die Wälder. Für sie könnte es in diesem Sommer ähnlich schlimm werden wie in den letzten beiden Jahren, glaubt Marx. Durch die trockenen Böden hätten die Bäume Schädlingen wie dem Borkenkäfer nur wenig entgegenzusetzen. Diese dürften in diesem Jahr schon zu Beginn der Saison vermehrt auftreten: „Im Flachland gab es in diesem Winter wenig Frost, wodurch die Schädlingspopulationen kaum dezimiert wurden“, sagt Marx.

          Hinzu kommt, dass durch die jüngste Trockenheit die Waldbrandgefahr schon jetzt sehr hoch ist. Der Gefahrenindex des DWD weist für einige Teile Nordostdeutschlands in den kommenden Tagen die höchste Warnstufe aus. „Sollte ein Feuer ausbrechen, wäre der Brand in Kombination mit den trockenen Beständen schwerer zu kontrollieren“, warnt Marx.

          Erholung ist vorerst nicht in Sicht

          Beim Oberboden, der für die Landwirtschaft relevant ist, sei die Lage bisher nicht dramatisch, erklärt Marx: „Noch kann es ein ganz normales Jahr für die Landwirtschaft werden.“ Ersten Trockenstress gibt es gleichwohl auch hier. Für Teile Süddeutschlands zeigen die Karten des UFZ weniger als 30 Prozent pflanzenverfügbares Wasser bis zu einer Tiefe von 25 Zentimetern.

          Erholung ist vorerst nicht in Sicht: Bis Ende der Woche zeichnet sich keine Änderung der Wetterlage ab. Trocken-warme Frühjahrsmonate begleiten uns nun schon seit Jahren. Vor allem der April war in den letzten zehn Jahren im Deutschland-Mittel immer zu trocken und zu warm. Ob dieser Trend auf den Klimawandel zurückzuführen ist, lasse sich nicht eindeutig bestimmen, sagt Mathias Herbst vom DWD.„Was man aber sagen kann, ist, dass der Trend zu länger anhaltenden Wetterlagen eine Folge des Klimawandels ist.“

          Hoch- und Tiefdruckgebiete bewegten sich nicht mehr so schnell. Alle Hoffnungen ruhen nun auf dem Mai. Wie viel Regen im Mai und Juni fällt, wirke sich maßgeblich auf die Erträge des Wintergetreides aus, erklärt Herbst. Für Mais und Zuckerrüben sei hingegen die Niederschlagsmenge in der zweiten Hälfte des Sommers entscheidend.

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