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Globale Energiewende : Wunsch und Wirklichkeit im Klimaschutz

Klimaktivisten vor dem Bundestag Bild: Reuters

Flugscham und Veggie-Burger werden im Kampf gegen den Klimawandel kaum helfen. Gebraucht wird etwas, bei dem Deutschland Weltspitze ist.

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          Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klaffen im Kampf gegen den Klimawandel Welten: Damit bis 2050 unter dem Strich kein Treibhausgas mehr ausgestoßen wird, darf ab sofort nirgends auf dem Globus mehr in neue Öl, Gas- und Kohleförderung investiert werden, errechnen die Fachleute der Internationale Energieagentur (IEA). Autos mit Verbrenner müssten demnach schon 2035 vom Weltmarkt verschwinden.

          Wie kann diese ferne Klimawelt mit dem Status quo und dem unaufhaltsamen Fortschritt in ärmeren Ländern zusammengehen? In den Schwellenländern wird schließlich bis 2050 dreimal so viel Strom benötigt wie heute, der Verkehr rund um den Globus wird sich bis dahin verdoppeln.

          Applaus im Wahlkampf

          Und solange die erneuerbaren Energien nicht überall ausreichend, sicher und speicherbar verfügbar sind, werden Regierungen es sich nicht nehmen lassen, in fossile Brennstoffe zu investieren. Seit 2010 sind im Schnitt Jahr für Jahr mehr als eine halbe Billion Dollar in Öl, Gas und Kohle geflossen. Solche Investitionsströme lassen sich nicht von heute auf morgen austrocknen oder in Richtung der Erneuerbaren umleiten.

          Wunsch und Wirklichkeit zusammenzubringen erscheint da wie ein Himmelfahrtskommando. Wenn diese größte Transformation der jüngeren Menschheitsgeschichte überhaupt möglich sein kann, dann durch neue Technologien.

          Saubere Stahlproduktion, Elektro- und Wasserstoffautos, effizientere Solar- und Windkraftanlagen sind der Schlüssel zum Erfolg – nicht moralische Appelle und Verhaltensänderungen. Letztere können höchstens 8 Prozent der nötigen Einsparungen ermöglichen, stellen die Autoren der Energieagentur klar.

          Die deutsche Industrie ist Weltmarktführerin bei den grünen Technologien. Darin liegt eine ungeheure Chance: Deutschland, das nur 2 Prozent der globalen Emissionen verursacht, kann mit seinen Produkten den Klimaschutz voranbringen und daran gut verdienen.

          Dazu passt allerdings nicht die Skepsis gegenüber neuen Technologien im eigenen Land. CO2 unter der Erde zu verpressen, was für Klimaneutralität unerlässlich sein dürfte, ist beispielsweise anders als in anderen Ländern verboten. Das zu ändern nützt dem Klima mehr als Inlandsflüge zu verteuern – bringt nur leider im Wahlkampf keinen Applaus.

          Johannes Pennekamp
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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