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Klimakonferenz in Glasgow : Einigung auf Abkehr von Kohle und Regeln für Emissionshandel

  • Aktualisiert am

COP26-Präsident erhält Applaus nach der Einigung auf den „Glasgower Klimapakt“. Bild: Reuters

In letzter Sekunde setzt Kohleland Indien eine Abschwächung der Erklärung durch. Etliche Staaten fühlen sich düpiert. Es kommt zu Tränen. Die deutsche Umweltministerin sieht dennoch einen Erfolg – ganz anders als Greta Thunberg.

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          Stärkung des 1,5-Grad-Ziels, aber Abstriche bei der Abkehr von der Kohle und bei den Klimahilfen für arme Staaten: Bei der UN-Klimakonferenz (COP26) in Glasgow haben Delegierte aus fast 200 Ländern eine Reihe von Kompromissen beschlossen. Der britische COP26-Präsident Alok Sharma verkündete am Samstagabend den Beschluss des „Glasgower Klimapakts“, der unter anderem das Maximalziel des Pariser Klimaabkommens einer Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad stärkt.

          Die Formulierung zur Abkehr von der Kohle wurde in letzter Minute auf Betreiben Indiens und Chinas deutlich abgeschwächt. Im Papier werden die Staaten aufgerufen, „ihre Bemühungen in Richtung eines Ausstiegs“ aus der Kohlenutzung zu beschleunigen und „ineffiziente Subventionen“ für fossile Energieträger einzustellen. In letzter Sekunde hat Indien durchgesetzt, die Formulierung zum Kohleausstieg abzuschwächen. Nun heißt es lediglich, Kohlekraft werde „heruntergefahren“.

          Auch die Vereinbarungen für Klimahilfen waren umstritten. Die Teilnehmer hatten fast zwei Wochen über die weitere Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015 verhandelt. Über die Änderung der Formulierungen zum Kohleausstieg und zur Abkehr von Subventionen auch für andere fossile Energieträger zeigten sich viele Länder im Plenum tief enttäuscht oder erbost. Sharma entschuldigte sich bei den Delegierten mit den Tränen kämpfend dafür, wie und dass diese Last-Minute-Entscheidung zustande gekommen war. Dies tue ihm „zutiefst leid“, sagte der Brite. Die Abkehr von der Kohle war vorab von Vielen als eines der wichtigsten Ergebnisse der COP26 eingestuft worden.

          Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) wertet die Beschlüsse der UN-Klimakonferenz als Erfolg. Schulze zeigte sich am Samstagabend in Glasgow überzeugt, „dass wir gerade wirklich einen historischen Moment erleben“. Bei der COP26 sei „jetzt weltweit der Kohleausstieg eingeleitet“ worden. Mit dieser Beschleunigung der Energiewende in aller Welt sei ein „neues wirtschaftliches Leitbild“ entstanden, sagte Schulze. Dadurch bewirke die COP26 eine „deutliche Beschleunigung für den Klimaschutz“.

          Sie habe sich die Formulierung zur Kohle „noch etwas eindeutiger gewünscht“. Nun sei sie zwar „etwas abgeschwächt worden, aber die ist drin geblieben“. Dies sei „bis zur letzten Sekunde, sehr, sehr schwierig“ gewesen und Deutschland und die EU hätten hier „sehr viele Brücken bauen“ müssen.

          Auch Umweltorganisationen stufen die Einigung als wichtiges Signal ein. Schließlich würde damit erstmals in einem Beschluss einer Weltklimakonferenz explizit Stellung gegen die klimaschädlichen Energieträger genommen. Die weltweit bekannteste Klimaaktivistin Greta Thunberg zog hingegen eine vernichtende Bilanz. „Die COP26 ist vorbei. Hier ist eine kurze Zusammenfassung: Blah, blah, blah“, twitterte die Schwedin. Auch Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, äußerte sich ernüchtert über den Ausgang. „Es ist ein wichtiger Schritt, aber es ist nicht genug. Es ist Zeit, in den Notfallmodus zu gehen“, schrieb Guterres auf Twitter.

          In den am Samstagabend verkündeten Beschlüssen wurde unter anderem betont, dass die Auswirkungen des Klimawandels bei einer Erderwärmung um 1,5 Grad viel geringer sein werden als bei einem Temperaturanstieg um zwei Grad. Das Pariser Klimaabkommen sieht eine Begrenzung auf deutlich unter zwei und möglichst 1,5 Grad vor.

          Außerdem sind die Staaten nun aufgerufen, ihre dafür noch völlig unzureichenden nationalen Klimaziele bereits bis Ende 2022 auf den Prüfstand zu stellen – drei Jahre früher als bislang geplant.

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