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Sorge vor Stromausfällen : Frankreich wirft die Kohlekraftwerke an

Das französische Kohlekraftwerk Cordemais bei Nantes Bild: Reuters

Die französische Regierung sorgt sich um die Stromversorgung. Deshalb will sie die Betriebsdauer alter Kohlekraftwerke erhöhen. Dafür sollen erst kürzlich in Kraft getretene Vorschriften wieder gelockert werden.

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          Aus Sorge vor Stromausfällen will die französische Regierung alte Kohlekraftwerke vorübergehend stärker hochfahren als vorgesehen. Dafür sollen zum Jahreswechsel in Kraft getretene Emissionsvorschriften gelockert werden. Einen entsprechenden Änderungsantrag brachte Umweltministerin Barbara Pompili auf den Weg, er befindet sich nun im Konsultationsverfahren und soll Ende Januar in Kraft treten. Mit dem Änderungsantrag sollen die Anlagen in den kalten Wintermonaten Januar und Februar insgesamt 1000 Stunden am Netz sein dürfen. Das ist deutlich mehr als die eigentlich erlaubten 700 Stunden Betriebslaufzeit für das gesamte Jahr.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Betroffen sind das Steinkohlekraftwerk in Cordemais bei Nantes und der mit Steinkohle befeuerte Block des Kraftwerks Emile Huchet unweit von Saarbrücken. Mit 1,2 und 0,6 Gigawatt Leistung können sie zwar nur einen Bruchteil so viel Strom produzieren wie die französischen Atomkraftwerke, die insgesamt auf rund 61 Gigawatt Leistung kommen. Wegen Wartungsarbeiten und technischer Schwierigkeiten dürften von den Atomkraftwerken im Januar aber nur zwischen 43 und 51 Gigawatt abrufbar sein, prognostizierte der Netzbetreiber RTE vor wenigen Tagen. „Der niedrigste Wert, der zu dieser Jahreszeit jemals für die Nuklearflotte erreicht wurde“, sagt RTE. Seine „Wachsamkeit“ bei der Stromversorgung hat der Netzbetreiber für Januar infolgedessen erhöht.

          Bislang keine Versorgungsengpässe

          Das geplante Hochfahren der beiden letzten französischen Kohlekraftwerke erfolgt mit Blick auf die drohenden Engpässe. „Diese Maßnahme ist notwendig, um die Sicherheit der Stromversorgung im Hinblick auf RTE-Alarme zu gewährleisten“, schreibt Ministerin Pompili. Zugleich bleibe der Zeitplan für den Kohleausstieg unangetastet: Das Kraftwerk Emile Huchet soll unverändert Ende März vom Netz gehen, Cordemais soll 2024 folgen. Letzteres wird vom französischen Staatskonzern EDF betrieben, Ersteres von Gazel Energies, das zum tschechischen Energiekonzern EPH gehört. Schon beendet wurde die Kohleverstromung in Le Havre in Nord- und in Gardanne in Südfrankreich.

          Noch ist offen, ob der Rückgriff auf die Kraftwerke Cordemais und Emile Huchet zur Aufrechterhaltung der Stromversorgung wirklich erforderlich sein wird. Das hängt zum einen von den Witterungsbedingungen ab. Da eine Kältewelle zum Jahreswechsel ausgeblieben ist, sah der Netzbetreiber RTE in seiner Prognose von Ende Dezember keine akuten Versorgungsrisiken. Das könnte sich im Laufe des Monats ändern. Viele Franzosen heizen mit Strom, als Worst-Case-Szenario gilt ein Zusammentreffen von kalter Witterung und Windstille. In Frankreich sind Windräder mit einer Leistung von rund 17 Gigawatt installiert, die tatsächlich abgerufene Leistung liegt aber oft deutlich niedriger und lag beispielsweise am Donnerstagmittag bei knapp 2 Gigawatt.

          Zum anderen bleibt abzuwarten, wann die derzeit abgeschalteten französischen Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen. Das betrifft vor allem die besonders leistungsstarken Reaktoren von Chooz in den Ardennen. Sie waren kurz vor Weihnachten abgeschaltet worden, nachdem der Betreiber EDF in den baugleichen Reaktoren von Civaux im Westen des Landes Risse an Rohrkrümmern des Sicherheitsinjektionssystems festgestellt hatte. Erste Untersuchungen deuteten auf Spannungskorrosion hin.

          Die Reaktoren in Civaux sollen Ende März und Ende April wieder in Betrieb gehen. Für die Reaktoren in Chooz war die Wiederinbetriebnahme bislang für Ende Januar geplant. Am Donnerstag teilte der Netzbetreiber RTE jedoch mit, dass an einem der beiden Reaktoren das gleiche Problem wie in Civaux aufgetreten sei. Er werde nun erst Ende April wieder ans Netz gehen können. Ob das auch für den zweiten Reaktor in Chooz gilt, ist noch unklar. Dort dauern die Untersuchungen an.

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