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Energiewende : Großbritannien baut Atomenergie aus

Der Reaktor Sizewell B in Suffolk Bild: Reuters

Mit neuen Reaktoren will die britische Regierung gegen den CO2-Ausstoß vorgehen. Einer davon soll an der Ostküste künftig etwa 7 Prozent des Strombedarfes des Königreiches abdecken.

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          Die britische Regierung setzt weiter auf den Ausbau von Nuklearenergie als Teil ihrer CO2-Reduktionsstrategie. Am Montag genehmigte Premierminister Boris Johnson den Start von Verhandlungen mit dem französischen Energiekonzern EdF über die Finanzierung des neuen Doppelreaktors Sizewell C für 20 Milliarden Pfund (22 Milliarden Euro). Das Dorf Sizewell liegt in Suffolk an der Ostküste des Landes. Die neuen Reaktoren würden 3,2 Gigawatt Elektrizität produzieren, was etwa 7 Prozent des Strombedarfs des Königreichs abdecken könnte. Ein neues Weißbuch über die Energiewende der Regierung Johnson skizziert den Weg zur Abkehr von fossilen Brennstoffen.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Dazu gehören auch Projekte zur Abscheidung und Lagerung von CO2 (Carbon Capture and Storage, CCS) und die Unterstützung von Wasserstoffprojekten. Wirtschaftsminister Alok Sharma sagte, Großbritannien sei „entschlossen, unsere Wirtschaft in der kosteneffizientesten Weise zu dekarbonisieren und unsere industriellen Kernlande wiederzubeleben, was grüne Jobs für Generationen unterstützen wird“. Die Investition in „mindestens ein neues Nuklearkraftwerk“ soll vor der nächsten Wahl 2024 ermöglicht werden.

          Großbritannien hat fünfzehn Atomreaktoren in Betrieb, die aber fast alle älter als dreißig Jahre sind und in der kommenden Dekade stillgelegt werden müssen. Am Projekt Sizewell C ist auch der chinesische Staatskonzern CGN mit einem Fünftel beteiligt, doch wird erwartet, dass sich der Konzern auf Geheiß Pekings zurückziehen wird. Sizewell soll ein Schwesterprojekt zum Atomkraftwerk Hinkley Point C in Somerset, Südwestengland, werden. Auch hier baut EdF. Hinkley Point C, das ebenfalls etwa 7 Prozent des nationalen Strombedarfs decken soll, hat sich verzögert und wird teurer als geplant. Laut neuesten Schätzungen dürfte es bis zu 22,5 Milliarden Pfund kosten. Der Bau des Kraftwerks könnte etwa 25.000 Arbeitsplätze schaffen. Einen Rückschlag hat die britische Nuklearstrategie vor kurzem durch den Ausstieg von Hitachi aus dem geplanten Atomkraftwerk Wylfa in Wales erlitten. Die Japaner begründeten den Rückzug von dem 20-Milliarden-Pfund-Projekt mit der Corona-Krise. Das Investitionsumfeld sei zu schwierig geworden.

          Neben den Großreaktoren verfolgt die Regierung auch den Bau von kleinen, modularen Reaktoren, wie sie beispielsweise Rolls-Royce entwickelt. Kohlekraftwerke sind in Britannien fast vollständig abgeschaltet worden. In sehr großem Stil wird die Windkraft ausgebaut mit riesigen Windräderparks in der Nordsee. Bis 2030 sollen 40 Gigawatt Offshore-Kapazität erreicht sein, womit eine zweistellige Millionenzahl von Haushalten versorgt werden kann.

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