https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/klima-nachhaltigkeit/die-forstwirtschaft-muss-auf-den-klimawandel-reagieren-17385251.html

Forstwirtschaft im Wandel : Ein Käfer erzwingt den Waldumbau

F+Newsletter – das Beste der Woche auf FAZ.NET

Samstags um 9.00 Uhr

ANMELDEN

Erfolgreich durchgesetzt hat sich bei den Nadelbäumen zum Beispiel die Douglasie. Da die Forstwirtschaft in der Krise auf staatliche Hilfe angewiesen sei, könne die Politik mit ihrer Klimaschutzpolitik auch beeinflussen, dass andere, neue Arten in Deutschland angepflanzt würden, sagte von Grone. „Es ist schwer zu verstehen, dass in Niedersachsen zum Beispiel Aufforstung mit der klimaresilienten Douglasie lange nicht gefördert wurde, weil es sich nicht um eine heimische Baumart handelt“, sagte er. Immerhin sei sie vor mehr als 140 Jahren schon von Bismarck eingeführt worden und habe sich bewährt.

Mehr finanzielle Hilfe vom Staat fordern die Forstexperten nicht nur wegen der Schäden durch die langen Dürresommer. Zwar sei die Aufforstung, die im Schnitt pro Hektar rund 10.000 Euro kostet, für viele Betriebe finanziell wegen der schwächeren Erlöse ein Riesenproblem. Die Wälder spielten aber auch beim Ziel, Deutschland zu einem klimaneutralen Land zu machen, eine entscheidende Rolle, die sie stärker gewürdigt sehen wollen. Insgesamt bindet der Wald in der Bundesrepublik rund 991 Millionen Tonnen Kohlenstoff im Jahr. Rund 11,2 Tonnen CO2 entziehen die Bäume auf einem Hektar Wald der Atmosphäre. Dies verdeutliche die Rolle des Waldes zur Regulierung des Klimas und bei der Speicherung von CO2.

Kein Wachstum ohne ökologische Rendite

Die beiden Forstexperten sind sich sicher, dass die nächste Bundesregierung sich mit dem Thema beschäftigen muss, wie die angekündigte CO2-Bepreisung sich positiv auf die Forstwirtschaft auswirken sollte. Zwar gibt es aktuell noch keine CO2-Zertifizierung für Wälder in Deutschland. „Wir gehen davon aus, dass sich das zeitnah verändern wird“, erwartet von Schmidt. Das mache Wald in Deutschland für institutionelle Anleger interessant, auch wenn Investoren das aktuell noch nicht einpreisen könnten. Die Renditen in Deutschland sind mit 1,5 Prozent überschaubar. „Doch der Blick auf die ökonomische Seite der Forstwirtschaft hat sich verändert. Die wirtschaftliche Rendite wird erweitert um die ökologische Rendite“, sagte er. „Das macht es für institutionelle Anleger interessant.“

Wirtschaftlich haben Trockenheit und Borkenkäfer der Branche stark zugesetzt. Nachdem die Preise für Holz bis 2018 auf stabil hohem Niveau verharrten, sind sie 2019 wegen des hohen Einschlags beim Nadelholz deutlich gesunken. „Von den Preisen beim Bauholz hat der Forstwirt leider nichts“, berichtete von Grone. Holz müsse ja erst einmal ein paar Jahre lagern, bis es verbaut werden könne. Holzhändler und Sägewerke könnten jetzt ihre Lager räumen und höhere Preise erzielen. Zudem verhindere die kleinteilige Struktur der Forstbetriebe jede Angebotsbündelung und entsprechend Marktmacht.

Die Struktur der deutschen Forstwirtschaft ist wirtschaftlich ein Problem. „Die Betriebe sind zu klein, aber gerade in der Forstwirtschaft ist die Economy of Scale wichtig“, sagte von Schmidt. Er würde eine Flurbereinigung deswegen begrüßen. Von rund zwei Millionen Waldeigentümern in der Bundesrepublik besitzt weniger als die Hälfte eine Waldfläche, die größer als 20 Hektar ist. Der Markt für Waldflächen ist daher ebenfalls sehr kleinteilig. 2018 wurden für insgesamt rund 430 Millionen Euro 34.100 Hektar Wald verkauft – im Schnitt wechselten bei einem Durchschnittspreis von 12.700 Euro je Hektar nur 1,8 Hektar Wald je Transaktion den Besitzer. Dabei gibt es allerdings große regionale Preisunterschiede. Die Spanne reicht von 5000 Euro für einen Hektar Kleinfläche in Thüringen bis zu 60.000 Euro für ein kleines Waldstück in Oberbayern.

Für institutionelle Anleger ist es schwierig, in einem so kleinteiligen Markt zum Zug zu kommen. „Wenn jetzt fünf institutionelle Anleger kämen und jeweils 1000 Hektar Wald kaufen wollten, dann hätten wir die nicht so einfach im Angebot“, sagte von Grone. „Wald ist eben keine Dreizimmerwohnung, die immer im Angebot ist.“

Weitere Themen

Topmeldungen

Ein älterer Herr mit Stock geht im Sonnenschein ruhigen Schrittes die Offenbacher Fußgängerzone entlang.

Späterer Renteneintritt : „Eine gefühllose Entgleisung“

Ein von Ökonomen geforderter späterer Renteneintritt im Kampf gegen die Inflation stößt auf scharfe Kritik. SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert spricht von „feuchten neoliberalen Träumen“. Der DGB nennt den Vorschlag eine „mutlose Leistungskürzung“.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
Kapitalanalge
Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
Sprachkurse
Lernen Sie Englisch
Immobilienbewertung
Verkaufen Sie zum Höchstpreis