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Übersicht für 2021 : Deutschland exportiert weniger Plastikmüll

  • Aktualisiert am

Indonesien, Jakarta: Ein Zollbeamter verschließt einen Container mit Plastikmüll am Hafen von Tanjung Priok. Das Foto ist von 2019. Bild: dpa

Im vergangenen Jahr transportierten deutsche Firmen knapp 700.000 Tonnen Plastikmüll ins Ausland. Aber: Das ist ein drittel weniger als im Jahr davor. Deutliche Änderungen gibt es auch in der Liste jener Länder, die uns den Müll abnehmen.

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          Deutsche Firmen haben 2021 deutlich weniger Plastikmüll exportiert als zuvor. Im vergangenen Jahr seien rund 697.000 Tonnen Kunststoff-Abfall ins Ausland transportiert worden und damit ein Drittel (32 Prozent) weniger als 2020, teilte der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) mit. Es geht zum Beispiel um Industriefolien, Produktionsabfälle und Lebensmittel-Verpackungen. Auf Basis einer Branchenschätzung von 2019 fallen jedes Jahr in Deutschland etwa sechs Millionen Tonnen getrennt gesammelte Kunststoffabfälle an.

          Die Exportzahlen für die Monate Januar bis Oktober stammen vom Statistischen Bundesamt, die Monate November und Dezember sind Schätzwerte des BDE. In Deutschland anfallender Plastikabfall muss verwertet werden, er wird zu Kunststoff-Granulaten verarbeitet oder endet als Brennmasse in Kraftwerken. Die Granulate werden zur Herstellung neuer Produkte genutzt, etwa Polyester-Kleidung, Mülltüten oder Straßen-Poller. Dies kann auch im Ausland geschehen.

          BDE-Chef Peter Kurth wertet den Rückgang der Exportmenge positiv. Es zeige sich, dass die Inlandsnachfrage nach den Rohstoffen gestiegen sei. Der Branchenvertreter gab aber zu bedenken, dass auch stärkere Importrestriktionen asiatischer Staaten und die Corona-Pandemie samt unterbrochener Lieferketten eine Rolle gespielt haben dürften. „2021 war ein Ausnahmejahr.“ Der Rückgang sei aber so deutlich, dass man hieraus einen Trend ableiten könne, zumal schon im vergangenen Jahr die Exportmenge gesunken sei, so Kurth – damals um neun Prozent.

          Deutscher Müll in der Wildnis von Malaysia

          Bemerkenswert ist zudem, dass der mit den Plastikexporten gemachte Umsatz trotz des Mengeneinbruchs mit 259 Millionen Euro fast gleich geblieben ist: Nur ein Mini-Minus von einem Prozent weisen die Statistiker aus. Eine mögliche Schlussfolgerung: Die Preise insgesamt und die Qualität des Exportguts stiegen an.

          Deutliche Änderungen gab es zudem bei der Liste der Importeure. Jahrelang war China der Hauptabnehmer. Das führte dort zu Nebenwirkungen: Die Qualität des Abfalls, den China aus aller Welt importiert hatte, war mitunter gering und er wurde nur teilweise ordnungsgemäß recycelt – manches blieb als Müll in der Umwelt.

          Peking reagierte und verschärfte vor einigen Jahren die Importregeln für Abfälle. Die Müllströme verlagerten sich in andere asiatische Staaten, ab 2018 war Malaysia der abnehmerstärkste Importeur von deutschem Plastikmüll. Auch Indien, Indonesien und Vietnam bekamen größere Mengen. Das hatte Folgen. So sorgte zum Beispiel deutscher Plastikmüll für Aufsehen, der in der Wildnis von Malaysia illegal deponiert worden war. Wer in solchen Fällen der Schuldige ist, ist schwer auszumachen, weil die Handelskette mit mehreren Zwischenhändlern bisweilen schwer nachzuverfolgen ist.

          In der Folge wurden auch andere asiatische Staaten restriktiver bei Abfallimporten. Der neuen Statistik zufolge hat sich das Bild nun wesentlich verändert. Malaysia ist im vergangenen Jahr von Platz 1 auf Platz 4 der stärksten Importeure deutschen Plastikmülls abgerutscht. Die Menge schrumpfte von 170.000 Tonnen auf 46.000 Tonnen. Hongkong, Indonesien und Vietnam sind aus den Top 10 gefallen. Neuer Spitzenreiter sind die Niederlande mit einer Kunststoff-Importmenge aus Deutschland von 136.000 Tonnen im vergangenen Jahr, das waren 12 Prozent weniger als 2020.

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