https://www.faz.net/-gqe-a2ycn

Deutscher Umweltpreis : Fabrikanten, Insektenkundler und Klimaökonom ausgezeichnet

  • Aktualisiert am

Ottmar Edenhofer, Direktor sowie Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung Bild: Reuters

Für sein „herausragendes Engagement für den Klimaschutz“ erhält Ottmar Edenhofer den Deutschen Umweltpreis. Auch zwei Blechwarenfabriken und ein Krefelder Insektenkundler werden geehrt.

          2 Min.

          Für seinen besonders sparsamen Einsatz von Energie und Ressourcen bekommt ein Unternehmerpaar aus Limburg in diesem Jahr den Deutschen Umweltpreis. Die Geschwister Annika und Hugo Sebastian Trappmann teilen sich die mit 500.000 Euro dotierte Auszeichnung mit dem Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Ottmar Edenhofer, wie die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) am Mittwoch in Osnabrück bekanntgab. „Damit wird herausragendes Engagement für den Klimaschutz doppelt ausgezeichnet“, sagte DBU-Generalsekretär Alexander Bonde.

          Einen Ehrenpreis von 10.000 Euro bekommt der Insektenforscher Martin Sorg aus Krefeld. Er sei maßgeblich an Untersuchungen beteiligt gewesen, die vor dem Verlust der Artenvielfalt warnten, teilte die Jury der DBU mit. „In Deutschland haben sein Engagement und seine Beharrlichkeit dazu beigetragen, das Insektensterben zu einem gesellschaftlichen Debattenthema zu machen“, sagte Bonde. Die Preise sollen nach derzeitiger Planung am 25. Oktober in Hannover von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht werden.

          Der Ökonom Ottmar Edenhofer erhalte den Preis unter anderem, weil er mit seinem Vorschlag einer CO2-Bepreisung erheblich zur Einigung der Bundesregierung auf das Klimapaket beigetragen habe, hieß es von der Bundesstiftung. Er sei einer der global einflussreichsten Pioniere der Ökonomie des Klimawandels. Der 59-Jährige, der auch Direktor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) ist, habe es durch „seine exzellenten Forschungen, wissenschaftsbasierten Politikberatungen sowie sein hohes Engagement“ geschafft, über den wirtschaftlichen Denkansatz Lösungen gegen den Klimawandel anzubieten, so Bonde. Dabei habe er auch Fragen der sozialen Gerechtigkeit behandelt.

          Ein Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung

          Annika (28) und Hugo Sebastian Trappmann (37) hätten die Blechwarenfabrik Limburg als Geschäftsführer durch High-Tech-Digitalisierung ganz im Sinne des Klima- und Ressourcenschutzes neu konzipiert, würdigte die Jury. Schon seit zehn Jahren gehöre der Familienbetrieb mit seinen 320 Beschäftigten zu den führenden Unternehmen in Deutschland, was Nachhaltigkeit angehe, sagte Bonde. Die Energie- und Ressourceneffizienz lohne sich auch wirtschaftlich.

          Maschinen und Werkzeuge seien eigens selbst entwickelt und in einem Neubau intelligente Wärme- und Beleuchtungssysteme verbaut worden. Für viele Prozesse werde Solarstrom vom eigenen Dach genutzt. Die von den Unternehmern getroffenen Maßnahmen seien als Best-Practice-Beispiel richtungsweisend für viele andere produzierende Branchen, so Bonde. „Das Unternehmen zeigt, dass ein mittelständischer Betrieb nicht zwingend auf wenig flexible, oft kaum passende Standardlösungen angewiesen ist, sondern mit eigenen Ideen und Engagement viel erreichen kann.“

          Der Insektenkundler Martin Sorg (65) ist Vorstandsmitglied des Entomologischen Vereins Krefeld (EVK). Dort war eine Studie entstanden, die 2017 global viel Aufsehen erregte – und in Deutschland etwas ins Rollen brachte. Die Kernaussage: Die Zahl der Fluginsekten ist in Teilen Deutschlands erheblich zurückgegangen. In den vergangenen 27 Jahren nahm die Gesamtmasse um mehr als 75 Prozent ab. Das belegen Daten, die der Verein seit 1989 gesammelt hat.

          „Martin Sorg hat mit seinem Engagement beim Entomologischen Verein Krefeld für langjährige Studien zum Insektenvorkommen klargemacht, wie wichtig Artenschutz ist“, sagte DBU-Generalsekretär Bonde. „Standardisierte Untersuchungen über einen längeren Zeitraum standen für vergleichbare Auswertungen und Ergebnisinterpretationen vorher kaum zur Verfügung.“ Die Forschungen hätten einen Wendepunkt für die öffentliche Wahrnehmung von Insekten und deren Bedeutung für Ökosysteme markiert.

          Mit 500.000 Euro ist der Deutsche Umweltpreis der DBU zufolge in Europa die höchstdotierte Auszeichnung für Wissenschaftler und Unternehmer, die im Umweltschutz Pionierarbeit und Herausragendes leisten. Der Ehrenpreis wird sporadisch vergeben. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, die sich langjährig im Umwelt- und Naturschutz engagiert haben, meist nicht hauptamtlich.

          Weitere Themen

          Tochter für die nächste Mode

          Zara-Mutterkonzern : Tochter für die nächste Mode

          Die Inditex-Gruppe ist mit Marken wie Zara und Bershka zum Textilimperium geworden. Nun rückt die jüngste Tochter des Gründers an die Spitze des Verwaltungsrats. Mancher ist skeptisch.

          Topmeldungen

          In den späten Jahren seiner Präsidentschaft verfällt der türkische Staatspräsident Erdogan in autokratische Verhaltensweisen.

          Erdoğans Währungskrise : Das haben die Türken nicht verdient

          Der türkische Staatspräsident Erdoğan schädigt die Wirtschaft seines Landes zielstrebig und ruiniert breite Schichten der Bevölkerung. Sein geld- und finanzpolitischer Kurs lässt den Wert der Lira ins Bodenlose stürzen.

          Rangnick-Start in Manchester : „Das ist natürlich Unsinn“

          Manchester Uniteds Sieg über Arsenal dank Cristiano Ronaldo sieht Ralf Rangnick nur von der Tribüne. Nun übernimmt der Trainer. Bei seiner Vorstellung beweist er Humor – und kontert ein Gerücht.