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Ausstieg aus der Kernenergie : Herr Specht und sein Gespür für das Atom

Die Halbinsel Hanhikvi an der Ostseeküste. Hier will der deutsche Ingenieur Joachim Specht mit seiner Firma bis 2029 ein neues Atomkraftwerk bauen. Bild: Fennovoima

In Deutschland ist die Atomkraft nicht mehr wohlgelitten. Also hat Joachim Specht seine Koffer gepackt und ist nach Finnland gezogen. Dort will der Kernkraftingenieur einen neuen Reaktor bauen.

          4 Min.

          Es ist nicht alles besser in Finnland, das würde nicht einmal Joachim Specht behaupten. Im Winter ist die Sonne über Helsinki selbst an wolkenlosen Tagen kaum sechs Stunden am Himmel zu sehen, bevor sie untergeht. Und für Substantive gibt es im Finnischen 15 verschiedene Fälle, elf mehr als im Deutschen. Aber wenn Joachim Specht über seine neue Heimat in Nordeuropa spricht, überwiegen trotzdem eindeutig die Vorteile. Specht ist Kernkraftingenieur, mithin Fachmann für eine Technologie, die Deutschland mit dem im Jahre 2011 gefassten Beschluss zum Atomausstieg aufs Abstellgleis geschoben hat. 17 Reaktoren waren davor im Betrieb, jetzt sind es noch drei, die spätestens Ende 2022 vom Netz genommen werden. In Finnland dagegen ist gerade erst ein neuer Kernreaktor in Betrieb genommen worden. Ein weiterer soll auf der grünen Wiese gebaut werden. Es wäre der sechste im Land.

          Sebastian Balzter
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das ist die Aufgabe, für die Joachim Specht vor gut anderthalb Jahren, mit Ende fünfzig, seine Koffer gepackt hat. „In Deutschland gibt es für Ingenieure mit meinem Hintergrund ja keine vergleichbar interessante berufliche Perspektive mehr“, sagt er dazu trocken. Fennovoima heißt die Firma mit Sitz in Helsinki, die den Deutschen zu ihrem neuen Vorstandsvorsitzenden gemacht hat. Das Unternehmen wurde vor bald 15 Jahren eigens zu dem Zweck gegründet, den sechsten finnischen Reaktor zu bauen. Joachim Specht, geboren in Essen, ausgebildet an der RWTH in Aachen und an der Kraftwerksschule in Essen, danach drei Jahrzehnte in den Kernkraftsparten von Siemens, Framatome, Areva und Preu­ssen Elektra beschäftigt, soll dafür sorgen, dass es tatsächlich so weit kommt.

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