https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/klima-nachhaltigkeit/cop26-streitpunkte-bei-der-klimakonferenz-in-glasgow-17623687.html

COP26 geht in zweite Woche : Noch viel zu tun, damit es nicht beim „Blabla“ bleibt

  • Aktualisiert am

Die zweite Woche soll es zeigen: Wirklich nur „Blabla“, wie diese Demonstranten am Sonntag in Glasgow es zeigen, oder kann die Klimakonferenz sich auf wirksame Beschlüsse einigen? Bild: Jane Barlow/PA Wire/dpa

Zweite Halbzeit in Glasgow: Die Tausenden Delegierten müssen bis Freitag noch einiges beschließen, damit die Klimakonferenz als Erfolg gelten kann. Hier sind die wichtigsten noch offenen Punkte.

          3 Min.

          Nach den Massenprotesten in Glasgow für mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz startet die Weltklimakonferenz in ihre zweite und entscheidende Woche. An diesem Montag reisen zahlreiche Minister und Regierungschefs nach Schottland, um den Verhandlungen der rund 200 vertretenen Staaten Schwung zu geben. Bundesumweltministerin Svenja Schulze kommt erst gegen Ende der Woche dazu, die SPD-Politikerin ist an den Verhandlungen über eine Koalition von SPD, Grünen und FDP im Bund beteiligt.

          Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg kritisierte die Konferenz als „Blabla“ und „Greenwashing-Festival des globalen Nordens“. Der britische Präsident der COP26, Alok Sharma, sprach in seiner Zwischenbilanz zur Halbzeit der Verhandlungen hingegen von „allumfassenden Fortschritten“. Einig sind sich alle, dass bis zum offiziellen Ende der Konferenz am kommenden Freitag noch viel Arbeit vor den Verhandlern liegt.

          Was bisher erreicht wurde und was in der zweiten Konferenzwoche noch zu tun ist:

          Schließen der Ambitionslücke zum 1,5-Grad-Ziel

          Das Pariser Klimaabkommen von 2015 sieht vor, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst aber 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Dazu sollten die mehr als 190 Vertragsstaaten überarbeitete nationale Klimaschutzziele (NDC) vorlegen. Nach UN-Angaben haben sich mittlerweile mehr als 130 Länder, darunter die EU, das Ziel gesetzt, bereits bis 2050 klimaneutral zu werden.

          Der weltgrößte Treibhausgas-Emittent China bleibt dagegen bei dem Ziel, erst bis 2060 CO2-neutral zu werden, und schärfte sein Ziel für 2030 nur wenig nach. Indien verkündete während der COP26, es nehme sich die Klimaneutralität für das Jahr 2070 vor. Für das 1,5-Grad-Ziel wäre das deutlich zu spät.

          Auf Grundlage der überarbeiteten Klimaziele halten manche Experten aber eine Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad nun für möglich. Allerdings müssten dafür alle kurz-, mittel- und langfristigen Zusagen tatsächlich umgesetzt werden. Und das ist angesichts vielfach fehlender konkreter Pläne und Maßnahmen fraglich.

          Abschluss des Regelbuchs

          Zur konkreten Umsetzung des Pariser Klimaabkommens gibt es ein sogenanntes Regelbuch. In einigen Punkten konnte bei den vorigen zwei UN-Klimakonferenzen aber keine Einigung erzielt werden.

          Diskutiert wird weiter, ob die Einhaltung der nationalen Klimaziele alle fünf oder nur alle zehn Jahre überprüft wird. Bei den Regeln für transparente Überprüfungen ist strittig, ob Entwicklungsländer genauso ausführlich wie die Industriestaaten Bericht erstatten müssen und ob sie dafür Unterstützung erhalten.

          Schwierig gestalten sich die Verhandlungen weiterhin bei Artikel 6 des Regelbuchs zu einer Ausweitung der Klimaschutzmaßnahmen durch die Nutzung eines weltweiten Zertifikatehandels. Komplexe Fragen stellen sich dabei: Wenn ein reiches Land ein Klimaschutzprojekt in einem Entwicklungsland finanziert, wie lässt sich dann sicherstellen, dass es sich wirklich um zusätzlichen Klimaschutz handelt und sich nicht beide Länder die nur einmal geleistete Treibhausgas-Ersparnis anrechnen? Dürfen CO2-Zertifikate, die vor dem Pariser Abkommen unter dem Kyoto-Protokoll erworben wurden, weiter geltend gemacht werden und so das Abkommen verwässern?

          Vor allem Indien und Brasilien stemmen sich in diesen Punkten gegen strikte Regeln. „Jetzt, wo es an die harten Brocken geht“, seien die Artikel-6-Verhandlungen „ins Stocken“ geraten, sagt Anne Gläser von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch.

          Geld für Klimaschutz und -anpassung

          Beim Thema Finanzen war schon vorab klar, dass die Industrieländer ihre Zusage, ärmeren Staaten jährlich 100 Milliarden Dollar bereitzustellen, nicht erfüllen. Die Entwicklungsländer wollen nun zumindest eine wasserfeste Verpflichtung der Industrieländer, die seit 2020 auflaufenden Fehlbeträge nachträglich auszugleichen. Dazu gibt es den Vorschlag, bereits im kommenden Jahr die geleisteten Hilfen der Industriestaaten noch einmal zu überprüfen. Fortschritte fordern die Entwicklungsländer auch bei Finanzhilfen für bereits eingetretene Klimaschäden.

          Einbeziehung der Zivilgesellschaft

          Bei Teilnehmern und Beobachtern ist von intensiven und konzentrierten Verhandlungen ohne größere Störmanöver einzelner Länder die Rede. Allerdings beschwerten sich Nichtregierungsorganisationen, dass ihre Beobachter unter Verweis auf die Corona-Restriktionen gar nicht oder nur eingeschränkt in die Verhandlungsräume gelassen worden seien.

          Care-Klimaexperte Sven Harmeling sagt, die Lage sei zwar „nicht mehr ganz so chaotisch wie am Anfang“. Die Einbeziehung der Zivilgesellschaft bleibe aber „insgesamt deutlich hinter früheren COPs zurück“. Mit Aktionen außerhalb der Konferenzräume wie den Massenprotesten am Wochenende verschafft sich die Zivilgesellschaft jedoch zusätzlich Gehör.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine der großen Wärmepumpen von MAN Energy Solutions beim Test in Zürich.

          Grüne Energien : Deutschland baut die weltgrößte Wärmepumpe

          Knapp 400.000 Tonnen CO2 soll die Anlage der Projektpartner BASF und MAN Energy Solutions im Jahr sparen. Warum sich die Unternehmen darüber hinaus viel von dem Projekt erhoffen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.