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Atomkraftwerke : Die wahren Risiken einer Laufzeitverlängerung

  • -Aktualisiert am

Aus dem stillgelegten Atomkraftwerk Grohnde in Niedersachsen steigt kein Dampf mehr auf: Doch der radioaktive Abfall, den es produziert hat, bleibt. Bild: dpa

Wer jetzt am Atomausstieg rüttelt, gefährdet auch die sichere Endlagerung von radioaktivem Abfall. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein Gastbeitrag.

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          Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat in Deutschland die Debattenkultur verändert. Das gilt auch für die Atomdebatte. Vor der Befürchtung einer nicht ausreichenden Versorgung mit Gas wird die Forderung nach einem Weiterbetrieb der drei noch am Netz befindlichen Kernkraftwerke lauter. Die Diskussion über die Sicherheitsreserven dieser Kraftwerke und über den gesamtgesellschaftlichen Preis ihres Weiterbetriebs wird jedoch oft schon im Ansatz durch den Generalvorwurf der Ideologie unterbunden. Auf der Strecke bleibt eine auf wissenschaftlich-technischen Erkenntnissen beruhende Risikoabschätzung.

          Eine solche Abschätzung müsste nicht nur die Sicherheit der Atomkraftwerke berücksichtigen, sondern auch die Entsorgung der radioaktiven Abfälle. In beiden Fällen wären die gesamtgesellschaftlichen Kosten für einen Weiterbetrieb der Anlagen erheblich. Zuerst zu den drei Kraftwerken, die sich noch in Betrieb befinden. Mit Blick auf das Abschaltdatum am Ende dieses Jahres wurde ihnen eine Sonderregelung an einem Herzstück der Sicherheitskultur zugestanden – die Aussetzung der Periodischen Sicherheitsüberprüfung (PSÜ). Sie hätte eigentlich 2019 durchgeführt werden müssen. Welche Bedeutung diese Prüfung für die Sicherheit hat, können wir derzeit in Frankreich sehen. Dort wurde im Rahmen einer PSÜ zunächst in einem Kernkraftwerk eine bis dato nicht entdeckte Korrosion in einem Rohrsystem festgestellt. Ein Bruch in diesem System hätte zu einem Kühlmittelverlust und somit bis hin zu einer Kernschmelze führen können. Dieses Problem wurde daraufhin in anderen Reaktoren ebenfalls festgestellt. Das hat maßgeblich zu dem aktuellen Stillstand von mehr als der Hälfte der französischen Reaktoren beigetragen.

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