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Protest gegen die Windkraft : Von Umweltverbänden im Stich gelassen

Energiewende hautnah: Vorne der Windpark vor Emmerthal, hinten das Kernkraftwerk Grohnde. Ende des Jahres geht es nach 37 Jahren Betrieb vom Netz. Bild: Niklas Záboji

Ohne Windräder keine Energiewende, sagt die Politik. Doch dort, wo sie hin sollen, sind die Zweifel groß. Manch einer fühlt sich allein gelassen – auch von jenen, die sonst auf Arten- und Naturschutz pochen.

          8 Min.

          Stephan Stallmann schüttelt den Kopf. „Augen zu und durch bin ich nicht der Typ für“, sagt der Dachdeckermeister und Forstwissenschaftler aus Emmerthal in Niedersachsen und fährt weiter. Er parkt das Auto auf der Anhöhe, nun sieht man die Windräder von Süden. Acht Stück, jedes von ihnen 217 Meter hoch, höher als die Aussichtsplattform des Berliner Fernsehturms. Der Himmel über dem Weserbergland ist wolkenlos, die Sonne brennt unentwegt an diesem heißen Junitag. Wind weht kaum. Im Hintergrund qualmen die Kühltürme des Kernkraftwerks Grohnde.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Als Vorsitzender der lokalen Bürgerinitiative (BI) kämpft Stallmann gegen die Windräder vor seiner Haustür, seit es sie gibt. Also seit zweieinhalb Jahren. Verhindern konnte er sie vor Gericht nicht. Aber er macht weiter, auch wenn die Chancen schwinden und die Jahre vergehen. „Man ist auch für das verantwortlich, was man nicht tut“, sagt Stallmann. Er erwähnt Sohn und Tochter, beide noch klein. Um die gehe es. Als Vater frage er sich oft: „Was hinterlassen wir unseren Kindern eigentlich in zehn bis zwanzig Jahren für ein Land?“ Ein „Propellerland“ sei jedenfalls keine Lösung – nicht für den sicheren Strombezug, nicht für die Menschen vor Ort und vor allem nicht für Vögel und Natur. Dass das intakte Kernkraftwerk Ende dieses Jahres vom Netz geht, macht ihn fassungslos.

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