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30,9 Milliarden Euro : Ökostromförderung erreicht Rekord

Silhouetten von Windrädern und einer Hochspannungsleitung in Sehnde-Rethmar in der Region Hannover Bild: dpa

Die Förderkosten für Wind und Sonne sind 2020 in die Höhe geschnellt. Hauptgrund sind die Corona-Krise und die Gesetzmäßigkeiten der EEG-Subvention.

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          Die deutsche Ökostromförderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) war 2020 so teuer wie nie zuvor. Wie die vier Netzbetreiber Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW am Dienstag mitteilten, flossen im vergangenen Jahr 30,9 Milliarden Euro an die Betreiber von EEG-geförderten Wind-, Solar- und Biomasseanlagen. Das sind rund 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Jahr 2019 waren es 27,5 Milliarden Euro, 2018 dann 26,7 Milliarden Euro und 2017 26,3 Milliarden Euro.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Das Förderplus ist zwar auch auf eine höhere Stromerzeugung aus Erneuerbaren zurückzuführen. Nach vorläufigen Berechnungen des Energieverbands BDEW kamen sie 2020 auf 252 Terawattstunden, was 4 Prozent mehr sind als 2019 und einem Rekordanteil am Erzeugungsmix von 45 Prozent entspricht; das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme kommt sogar auf 51 Prozent, weil es die industrielle Eigenstromerzeugung ausklammert.

          Hauptgrund für die höhere EEG-Subventionen ist jedoch die Corona-Krise, die im Frühjahr 2020 zu einem Preisverfall für Elektrizität im Großhandel führte. Das zog nach der Mechanik der Ökostromförderung hohe Differenzzahlungen nach sich. So gleicht die EEG-Umlage den Unterschied aus zwischen meist niedrigerem Großhandelsstrompreis und den teils immer noch sehr hohen Förderzusagen für Betreiber von Wind-, Solar- und Biomasseanlagen.

          In Summe beträgt der Fehlbetrag 6,4 Milliarden Euro

          Auf der Ausgabenseite des sogenannten EEG-Verrechnungskonto der Netzbetreiber hinterließ diese Entwicklung deutliche Spuren. Allein im Monat Juni beliefen sich die Ausgaben auf 3,2 Milliarden Euro. Hinzu kommt, dass der krisenbedingte Einbruch der Stromnachfrage weniger Geld als in den Vorjahren in die Kassen spülte: Mit Ausnahme der energieintensiven Industrie wird allen Verbrauchern in Deutschland die EEG-Umlage auf den Strompreis aufgeschlagen, im vergangenen Jahr 6,756 Cent je Kilowattstunde. 24,5 Milliarden Euro kamen im Gesamtjahr 2020 auf diese Weise zusammen.

          Die 30,9 Milliarden Euro schweren Ausgaben für die Ökostromförderung überstiegen die Einnahmen durch die EEG-Umlage auf den Strompreis somit deutlich, in Summe beträgt der Fehlbetrag 6,4 Milliarden Euro.

          Diese Fehlentwicklung hat sich seit dem Frühjahr allerdings abgezeichnet mit Blick auf das sogenannte EEG-Verrechnungskonto, auf dem die Netzbetreiber Monat für Monat Einnahmen und Ausgaben bilanzieren: Notierte das Konto dank Rücklagen im Januar 2020 noch 2,2 Milliarden Euro im Plus, wurde es schon im Juni negativ. Zum Jahresende beträgt das Minus 4,4 Milliarden Euro.

          „Ein aus der Zeit gefallenes System“

          Eigentlich hätte dies eine merklich höhere EEG-Umlage auf den Strompreis nach sich gezogen, die von den Netzbetreibern jedes Jahr im Oktober für das kommende Jahr festgesetzt wird. Mit 9,651 Cent je Kilowattstunde hätte eine Erhöhung von rund 40 Prozent gedroht. Mit den Einnahmen aus der neuen CO2-Abgabe auf fossile Energieträger wie Heizöl und Benzin sowie weiteren Mitteln aus dem Bundeshaushalt hat sich die Bundesregierung aber zu einer leichten Senkung der EEG-Umlage entschlossen. Statt 6,756 Cent beträgt sie dieses Jahr 6,5 Cent, im kommenden Jahr soll sie 6,0 Cent betragen. Die Mittel aus dem Bundeshaushalt belaufen sich auf rund 11 Milliarden Euro.

          Vertreter der Gasbranche nahmen die Zahlen am Dienstag zum Anlass, die nationale und einseitig auf Elektrifizierung ausgerichtete Politik in Deutschland zu kritisieren. „Die Dekarbonisierung Deutschlands mittels Vollelektrifizierung durch das EEG steht in keinem Kosten-Nutzen-Verhältnis“, sagte Timm Kehler vom Branchenverband Zukunft Gas. Mit vorhandener Technologie könne günstiger und schneller CO2 reduziert werden, zukünftig auch mit klimaneutralen Gasen wie Wasserstoff.

          Für Kehler ist die EEG-Förderung „ein aus der Zeit gefallenes System, dem es immer weniger gelingt, Geld der Stromkunden effizient und im Sinne des Klimaschutzes zu verteilen.“ Er rechnet vor: Deutschland habe im vergangenen Jahr 80 Millionen Tonnen CO2 eingespart, dabei könnten für die im EEG-System ausgegebene Summe von rund 31 Milliarden Euro rein rechnerisch Zertifikate für 1,24 Milliarden Tonnen CO2 im europäischen Emissionshandel eingekauft werden.

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