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Wirtschaftsministerium : Zwei Milliarden Euro für die Wasserstofftechnik

Ein Tankfahrzeug verlässt das Betriebsgelände des Energieparks mit Wasserstoff. Bild: dpa

Das Wirtschaftsministerium legt eine „Nationale Wasserstoffstrategie“ vor. Das erklärte Ziel: die Vorreiterrolle deutscher Unternehmen ausbauen – und die erneuerbaren Energien voranbringen.

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          Nach dem Kohleausstieg will die Bundesregierung nun auch ihr lange angekündigtes Programm zur Förderung der Wasserstofftechnik auf den Weg bringen. Dazu ist jetzt ein 21 Seiten langes Papier in die Ressortabstimmung gegangen, das der F.A.Z. vorliegt. Die „Nationale Wasserstoffstrategie“ soll dafür sorgen, dass die Nutzung erneuerbarer Energien vorankommt und dass zugleich der Wirtschafts- und Forschungsstandort Deutschland gestärkt wird. Nachdem bis 2026 schon 700 Millionen Euro in ein Wasserstoff-Innovationsprogramm geflossen sind, stehen bis 2026 weitere 1,4 Milliarden Euro an Fördermitteln bereit. Hinzu kommen bis 2025 rund 600 Millionen für so genannte Reallabore. Schon im ersten Quartal soll ein „Nationaler Wasserstoffrat“ mit 13 Fachleuten entstehen.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Der Plan aus dem Wirtschaftsministerium von Peter Altmaier (CDU) wird dort als Industriestrategie verstanden. Man möchte frühere Fehler vermeiden, als die Wertschöpfungsketten nach einer Zeit deutscher Marktführerschaft ins Ausland abwanderten, etwa in der Photovoltaik. Auch erhofft man sich einen neuen Impuls für die Akzeptanz der Energiewende.

          Wasserstoff ist ein Element, das sich ohne CO2-Ausstoß in der chemischen Industrie und zur Energieerzeugung nutzen lässt. Auf der Erde liegt es allerdings in reiner Form nicht vor und muss daher entweder aus Erdgas oder durch die Elektrolyse gewonnen werden. Dabei stammt „grüner“ Wasserstoff aus erneuerbaren Energien. „Blauer“ entsteht aus Erdgas, sofern das dabei freiwerdende CO2 genutzt oder verwahrt wird. Geschieht das nicht, heißt der Wasserstoff „grau“.

          Tankstellennetz für Wasserstoff 

          Es gehe darum, „die Vorreiterrolle deutscher Unternehmen in den Wasserstofftechnologien auszubauen, neue Wertschöpfungsketten für die deutsche Wirtschaft zu schaffen und zur Erreichung der Klimaziele beizutragen“, heißt es in dem Aktionsplan. Dafür definiert er fünf Handlungsfelder. Um einen starken Heimatmarkt zu schaffen und die hohen Herstellungskosten zu verringern, sollen bis 2030 drei bis fünf Gigawatt Elektrolyse-Leistung zur Verfügung stehen. Damit könnten dann 20 Prozent des in Deutschland verbrauchten Wasserstoffs CO2-frei entstehen. Auch müsse über einen neue Zuschnitt des staatlichen Strompreisanteils nachgedacht werden. Das zielt auf Forderungen ab, die Elektrolyse von der EEG-Umlage zu befreien. Gedacht ist auch an die direkte Förderung von Elektrolyseuren, damit die Industrie von grauem auf grünen Wasserstoff umsteigt.

          Das zweite Einsatzfeld sind Anwendungen, die nahe an der Wirtschaftlichkeit sind, etwa in Verkehr, Industrie und Wärmeversorgung. So will man Wasserstoffantriebe, die Zulieferer von Brennstoffzellen und Brennstoffzellenheizgeräte unterstützen. Wasserstoff soll als „Kraftstoffalternative“ dienen, wobei an eine „ambitionierte“ Quote gedacht ist. Dazu werde die EU-Richtlinie Red-II schon bald in nationales Recht umgesetzt.

          Ein dritter Schritt sieht den Netzausbau für Wasserstoff vor. Das schließt auch ein Tankstellennetz ein. Viertens sind verstärkte Forschungsanstrengungen geplant, so die ressortübergreifende Initiative „Wasserstofftechnologien 2030“. Der fünfte Teil der Strategie berücksichtigt, dass trotz aller Anstrengungen ein Großteil des Wasserstoffs importiert werden muss. Deshalb will die Regierung Energiepartnerschaften mit Lieferländern eingehen und diesen zugleich die deutsche Technik näherbringen. Gedacht ist an EU-Staaten und Entwicklungsländer.

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