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Falsche Hoffnung? : Eine Billion Bäume und hundert Fragen

Zartes Pflänzchen: Junge Bäume sorgen für Hoffnung für das Klima. Bild: AP

Bäumepflanzen gegen den Klimawandel fühlt sich nicht nur gut an, sondern eignet sich auch hervorragend als Marketingverspechen: Ein Baum für jeden verkauften Kasten Bier, jedes Surfbrett oder Hemd. Das sorgt für Hoffnung – hauptsächlich aber für die falsche.

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          Vielleicht kommen die wahren Visionäre doch aus dem Siegerland? 2002 hatte die Krombacher Brauerei in Deutschland einen Trend begründet, als sie in ihrer Werbung versprach, für jeden verkauften Kasten Bier einen Quadratmeter des afrikanischen Regenwaldes zu sichern. Bier trinken und mit jedem Zug Gutes tun klingt unschlagbar. Hunderte Firmen nutzen heute die Methode. Hemdenhersteller, Winzer, Schuhproduzenten, Uhrmacher und Surfbrett-Händler lassen für jedes verkaufte Produkt Bäume pflanzen, gerne im Regenwald. So verspricht es zumindest ihre Reklame.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Knapp 20 Jahre nach Krombachers erstem Bierkasten-Versprechen ist Aufforstung wieder einmal auf die globale Agenda gerückt. Das World Economic Forum hat die Idee gekapert, eine Billion Bäume zu pflanzen, um den Klimawandel zu bremsen. Die zugehörige akademische Weihe kam in Form einer spektakulären Studie der ETH Zürich: Die Forscher um den Briten Tom Crowthers kamen darin zu dem Ergebnis, dass man auf rund 0,9 Milliarden Hektar von Menschen nicht genutzter Landfläche Bäume pflanzen könne, die zwei Drittel der seit der Industriellen Revolution produzierten CO2-Emissionen aufnehmen könnten.

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