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Windenergie in der Krise : In Bremerhaven ist der Kampf verloren

Wartungsarbeiten im niedersächsischen Sehnde (Symbolbild) Bild: dpa

Die Windbranche kämpft um ihre Zukunft – in Bremerhaven ist das Gefecht verloren. Die Wut ist groß, aber die Hoffnung auf neue Geschäfte wächst. Diesmal soll es anders laufen.

          7 Min.

          Weit und breit ist kein Mensch zu sehen, als Rainer Könemann mit seinem alten grünen Renault Scénic in das Industriegebiet an der Seewindstraße im Südwesten von Bremerhaven einbiegt. Rechts zieht ein Lagerplatz mit Betonboden vorbei, auf dem ein paar Ersatzteile für Windräder rosten. Links steht das Tor der Powerblades GmbH offen und gibt den Blick in die Halle frei. Drinnen: Nichts. Früher hätten dort 250 Leute in drei Schichten große Flügel für Windräder gebaut, sagt Könemann. „Da war die Hölle los, es hat nach Lack und Kleber gerochen, überall waren Menschen.“ Jetzt stehen auf dem Parkplatz Container mit Müll, hinter der Halle blättert der Lack eines Flügels ab, der nie fertig wurde. „Es ist traurig, was hier passiert ist“, sagt Könemann. „Unsere Hoffnungen wurden enttäuscht.“

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Könemann ist 58 Jahre alt und arbeitet seit mehr als einem Jahrzehnt in der Windindustrie. Er sitzt im Betriebsrat des Turbinenwerks von Senvion, das nur wenige hundert Meter die Straße hinunter liegt. Vor wenigen Tagen haben seine Kollegen dort die letzte Anlage zusammengebaut, ein Maschinenhaus für einen Meereswindpark vor der Küste Borkums. Jetzt macht auch diese Fabrik zu. Der Mutterkonzern Senvion aus Hamburg ist insolvent, der Käufer Siemens Gamesa hat kein Interesse am Werk nahe der Wesermündung. Für Bremerhaven und die Beschäftigten ist das ein Schlag, denn mit Senvion verliert die Stadt ihr letztes großes Unternehmen der Windbranche. „Wir hatten geglaubt, dass wir hier einen sicheren Arbeitsplatz haben“, sagt Könemann. „Jetzt haben wir alle Angst um unsere Zukunft.“

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