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Flüssiggas-Projekte gestoppt : Doch kein Hoffnungsträger?

Der eisbrechende LNG-Tanker „Christophe de Margerie“ des russischen Staatsunternehmens Sovcomflot Bild: EPA

Nicht nur die Corona-Krise setzt Flüssiggas-Exporteuren zu. Zweifel an der Wirtschaftlichkeit werden lauter – dabei beginnt Deutschland gerade erst, sich für Einfuhren aus Amerika in großem Umfang zu rüsten.

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          Um flüssiges Erdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) ist es zuletzt merklich ruhiger geworden. In den vergangenen Jahren zunehmend als klimaschonende Alternative vor allem zu Öl und im Verkehrssektor gepriesen, liegen viele Projekte spätestens seit Beginn der Corona-Krise auf Eis. In der Energiebranche regen sich verstärkt Zweifel an der Wirtschaftlichkeit. In Norddeutschland sind drei Importterminals geplant, die das bei minus 160 Grad verflüssigte und um den Faktor 600 komprimierte Gemisch von Tankern künftig annehmen, regasifizieren und ins deutsche Netz einspeisen sollen. Auch könnten Schiffe und Lastwagen direkt betankt werden. Doch spätestens der coronabedingte Preisverfall von Rohstoffen hat den Markt für das im Vergleich zu Pipelinegas meist teurere LNG durchgerüttelt.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im jährlich erscheinenden Global Energy Monitor haben Umweltschützer nun zusammengetragen, dass sich die Menge der global im Bau befindlichen LNG-Terminal-Kapazität im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt hat. Im Vergleich zu 2018 sind die Gesamtinvestitionen demnach von 83 auf 196 Milliarden Dollar gestiegen. Nun aber seien mindestens zwei Dutzend in Planung oder im Bau befindliche Projekte vor kurzem abgesagt oder erheblich verzögert worden, meist aus einem Bündel an Problemen wie Finanzierungsschwierigkeiten, lokalen Protesten und den Auswirkungen der Pandemie auf Angebot und Preise. Unter dem Strich würden 61 Prozent der zwischen den Jahren 2014 und 2020 angekündigten LNG-Exportterminals nicht zustande kommen, heißt es in dem Bericht, der an diesem Dienstag veröffentlicht wird – die meisten davon in Kanada, Australien und Amerika.

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