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Washingtons Sanktionen : Uniper hält Scheitern von Nord Stream 2 für möglich

Im Hafen von Sassnitz lagern Rohre für die fast fertig gebaute Nord-Stream-2-Gasleitung. Bild: dpa

Das erste Unternehmen warnt davor, dass die Gasleitung Nord Stream 2 womöglich nicht zu Ende gebaut wird. „Kein Staat hat das Recht, der EU ihre Energiepolitik zu diktieren“, sagt der deutsche Außenminister Maas in Richtung Washington.

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          Der Energieversorger Uniper warnt vor weiteren Verzögerungen oder gar einem Scheitern der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2, an der er selbst als Kreditgeber beteiligt ist. Grund sind die immer lauter werdenden Sanktionsdrohungen der amerikanischen Regierung gegen die neuen Röhren, die große Mengen an Erdgas aus Russland nach Europa bringen sollen.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Durch den amerikanischen Widerstand erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit, „dass es zu Verzögerungen im Bau der Gasleitung oder überhaupt nicht zu einer Fertigstellung kommt“, heißt es im Risikobericht der am Dienstag veröffentlichten Halbjahresbilanz. Für Uniper steht ein Kredit von rund 950 Millionen Euro im Feuer, mit dem sich der Konzern an den auf insgesamt rund 10 Milliarden Euro veranschlagten Baukosten beteiligt.

          Bei einem Scheitern müsse Uniper „gegebenenfalls den für Nord Stream 2 bereit gestellten Kredit wertberichtigen und kann die geplanten Zinserträge nicht realisieren“, warnt das Unternehmen. „Das Misserfolgsrisiko qualifiziert sich weiterhin als bedeutendes Einzelrisiko für den Uniper-Konzern.“

          Lawrow: Leitung wird fertig gebaut

          Bundesaußenminister Heiko Maas betonte unterdessen, dass die Vereinigten Staaten nicht den europäischen Kurs in der Energieversorgung vorgeben würden. der EU nicht ihre Energiepolitik diktieren würden. „Kein Staat hat das Recht, der EU ihre Energiepolitik zu diktieren. Und das wird auch nicht gelingen“, sagte er in Moskau nach einem Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow. Bezogen auf die amerikanischen Drohungen gegen die Vollendung der Pipeline fügte er hinzu: „Sanktionen zwischen Partnern (sind) definitiv der falsche Weg.“ Er, Maas, habe dies auch dem amerikanischen Außenminister Mike Pompeo erklärt.

          Deutschland werde in der derzeitigen EU-Ratspräsidentschaft das Thema europäischer Souveränität forcieren, kündigte Maas an. Europa habe Werte und Interessen. „Wenn gegen diese Interessen verstoßen wird, dann werden wir dies (...) Richtung Westen zur Sprache bringen.“

          Der russische Außenminister Lawrow warf Washington vor, überall auf der Welt seine Position durchsetzen zu wollen. Das Projekt Nord Stream 2 müsse aber abgeschlossen werden. „Und soweit ich das verstehe, gibt es allen Grund dafür, davon auszugehen, dass dies auch in nächster Zeit  passieren wird.“

          Extremszenario möglich

          Der Uniper-Vorstandsvorsitzende Andreas Schierenbeck und Finanzvorstand Sascha Bibert bemühten sich wiederum, während einer Pressekonferenz die Einschätzungen in dem Risikobericht zu relativieren.  „Wir glauben, dass die Leitung fertig wird“, sagte Schierenbeck. Der Konzern sei aber rechtlich und durch das eigene Risikomanagement dazu verpflichtet, auch in Extremszenarien zu denken und könne deshalb den „worst case“ nicht ausschließen.

          „Unsere Basisplanung geht von der Fertigstellung der Leitung aus und davon, dass Gas fließen wird“, sagte Bibert. Der Konzern versichert in seinem Zwischenbericht, dass er die Situation „aktiv überwacht“. Man stehe im permanenten Austausch darüber, wie das amerikanische Außenministerium das Sanktionsgesetz aktuell auslegt. Die zum russischen Gazprom-Konzern gehörende Projektgesellschaft Nord Stream 2  arbeite daran, das Projekt trotz aller Widrigkeiten fertigzustellen.

          Bild: dpa

          Außerdem verweist Uniper darauf, dass die Fertigstellung starke politische Unterstützung der EU und mehrerer Mitgliedstaaten genieße. Eigentlich sollte die Pipeline schon Ende 2019 fertig sein. Zum genauen Stand wollte sich Schierenbeck auf Nachfrage nicht äußern. Das sei Sache der Projektgesellschaft und nicht des nur als Finanzierungspartners indirekt beteiligten Konzerns. Neben Uniper sind Wintershall Dea, Shell, die österreichische OMV und die französische Engie mit jeweils knapp einer Milliarde Euro am Bau der Pipeline beteiligt.

          Die neue Verbindung sei von wesentlicher Bedeutung für die Gasversorgung Europas, sagte Schierenbeck. „Deshalb verfolgen wir die Sanktionen mit Sorge.“ Ob es auch schon direkte Sanktionsdrohungen gegen Uniper gibt, blieb unklar. Der amerikanische Markt spielt für das Unternehmen im Energiehandel und beim Bezug von verflüssigtem Erdgas eine größere Rolle. Amerika sei ein „wesentlicher Bestandteil der Aktivitäten“, so Schierenbeck.

          Uniper war vor einigen Jahren vom Energieriesen Eon abgespalten worden. Heute gehört das Unternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf mehrheitlich dem finnischen Konzern Fortum.

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