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Alte leben nachhaltiger : Jüngere nehmen weniger Rücksicht aufs Klima

Jedes Industrieprodukt hat auch einen ökologischen Fußabdruck. Interessant ist nun: Ältere Menschen sind eher bereit als jüngere, Abstriche fürs Klima zu machen. Bild: dpa

Alte Umweltsau gegen jungen Klimaschützer? Von wegen: In einer Studie des Wuppertal Instituts zeigen sich die Älteren durch die Bank umweltbewusster als die junge Generation.

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          Ältere Menschen sind eher bereit als jüngere, Abstriche fürs Klima zu machen. Das ist ein zentrales Ergebnis einer Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie, die der F.A.Z. vorab vorliegt. Für das Verkaufsportal „Ebay Kleinanzeigen“ wollten die Forscher herausfinden, wie es um die Bereitschaft der Deutschen bestellt ist, gebrauchte Artikel zu kaufen. Die repräsentativen Umfragen werteten sie auch nach dem Alter der Befragten aus – mit klarem Ergebnis: Durch die Bank zeigen sich die Älteren umweltbewusster als die junge Generation.

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und Finanzen Online.

          Besonders deutlich wird das bei der Aussage „Ich achte im Alltag sehr darauf, Ressourcen zu schonen“. Diesem Satz stimmen nur 43 Prozent der Befragten in der Alterskohorte von 19 bis 29 Jahren zu. Doch je älter die Befragten sind, desto stärker fällt ihre Zustimmung aus. Unter den 40- bis 49-Jährigen beträgt sie 62 Prozent, jenseits von 60 Jahren stimmen sogar 70 Prozent zu.

          Dieses Muster zieht sich durch viele weitere Fragen. So gibt jeder fünfte junge Mensch offen zu, für Umwelt und Klima keinerlei Abstriche an seinem Konsum zu machen. Unter den Älteren denkt so nicht einmal jeder Achte (12 Prozent). Die Befragten über 60 widersprechen der Aussage („Sehe es nicht ein“) auch deutlich häufiger als diejenigen unter 30 Jahren. Der Leiter der Studie, Henning Wilts, findet das „nicht überraschend“. Das Meinungsbild decke sich mit anderen Studien. „In den jüngeren Altersgruppen ist mehr ein hedonistischer Touch drin“, so der Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut. „Bei den Älteren hingegen dominiert die Frage nach dem persönlichen Erbe. Sie fragen sich eher, wie sie den Planeten einmal hinterlassen werden.“

          Wenig Rückhalt für Fridays for Future

          Nachhaltiger gehen die Älteren auch mit Blick auf konkrete Produkte vor. 88 Prozent der Über-30-Jährigen wollen ihre Sachen „so lange wie möglich nutzen“. Das sind 9 Prozentpunkte mehr als bei den jüngeren Erwachsenen. Umgekehrt sagen 18 Prozent der Unter-30-Jährigen, ihnen sei es wichtig, immer die neuesten Produkte zu besitzen. Das sind 8 Prozentpunkte mehr als unter den älteren Jahrgängen.

          Diese Antworten bestätigen altbekannte Grundsätze aus der Werbung. Nicht umsonst werden nur die Zuschauer im Alter von 14 bis 49 Jahren als „werberelevante Zielgruppe“ bezeichnet. Sie gilt in der Branche neben der Gesamtreichweite als wichtigste relevante Messgröße.

          Das ökologische Bewusstsein der Älteren ist selbst dann größer, wenn es nicht um konkretes Eigentum geht, sondern um rein moralisch-theoretische Aussagen. Die Ansicht „Jeder trägt eine eigene Verantwortung, sich nachhaltig zu verhalten“ wird von Älteren eher geteilt als von Jüngeren. Unter den Rentnern stimmen 87 Prozent zu, unter den jungen Erwachsenen neun Prozentpunkte weniger.

          Gleich in mehrerer Hinsicht interessant ist auch, wie die Befragten über die Klimabewegung „Fridays for Future“ denken. Anders als mancher Medienbericht nahelegt, repräsentiert diese keineswegs eine ganze Generation klimabewegter junger Menschen. Nicht mal jeder Zweite (44 Prozent) der 19- bis 29-Jährigen findet die Gruppe „voll und ganz“ oder „eher“ unterstützenswert. Jeder Vierte sieht die Demonstrationen mit gemischten Gefühlen („teils/teils“), etwas mehr als jeder Fünfte (21 Prozent) lehnt sie sogar offen ab. Der Rest hat sich keine Meinung gebildet. Unter den Menschen, die 66 Jahre oder älter sind, fällt die Zustimmung zur Bewegung mit 36 Prozent noch niedriger aus, 30 Prozent lehnen sie ab, 31 Prozent sehen sie ambivalent. „Die Älteren positionieren sich da weniger, sie gehen auch seltener auf die Straße“, sagt Sudienleiter Wilst. „Wenn es aber um konkretes Handeln geht, sind die Alten deutlich eher bereit, etwas zu tun.“

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