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Vorarbeiten abgeschlossen : Tschechien bereitet den Bau neuer Atomkraftwerke vor

Blick auf die Kühltürme des Atomkraftwerks Temelín. Bild: dpa

Die Regierung in Prag sieht im Bau neuer Atomkraftwerke die einzige Möglichkeit, die Klimaziele zu erreichen. Auch andere Staaten in Ostmitteleuropa setzen verstärkt auf die Kernenergie.

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          In Tschechien haben die Vorbereitungen für den Neubau eines oder zweier Atomreaktoren begonnen. Der staatliche Energiekonzern CEZ beantragte beim Amt für Reaktorsicherheit dazu den Ausbau des Kraftwerkstandortes Dukovany. Dort sind vier Meiler mit einer Leistung von je 500 Megawatt in Betrieb. Die beiden nun geplanten Blöcke sollen laut CEZ je 1200 Megawatt leisten. Sie würden damit ungleich größer ausfallen als die bestehenden Meiler. Der Bau der neuen Kraftwerke könnte im Jahr 2029 beginnen, die Elektrizitätserzeugung Mitte des nächsten Jahrzehnts. Das Stromangebot aus Kernenergie würde um ein Drittel wachsen.

          Andreas Mihm
          (ami.), Wirtschaft

          Die Regierung in Prag sieht in dem Ausbau der Kernenergie die einzige Möglichkeit, die Klimaziele zu erreichen. Atomstrom sichere heute rund ein Drittel der tschechischen Stromversorgung und Kohle knapp die Hälfte, hatte Industrieminister Karel Havlícek der F.A.Z. unlängst gesagt und den das Projekt kritisch beäugenden Nachbarstaaten Deutschland und Österreich umfangreiche Informationen zugesagt: „Wir werden erklären was wir bauen, wo wir bauen, wann es fertig sein wird, was es kostet, und wir werden die Sicherheitsmaßnahmen präsentieren.“

          Einen ersten Schritt dazu hat CEZ nun getan. Nach fünf Jahre währenden Vorarbeiten habe man nun die Unterlagen im Umfang von 1600 Seiten zur Begutachtung eingereicht, sagte der CEZ-Vorstandsvorsitzende Daniel Beneš. Er versprach eine maximale Offenheit und Transparenz im Rahmen der nun beginnenden Umweltverträglichkeitsprüfung. Deshalb sei auch der dazugehörige Sicherheitsbericht öffentlich zugänglich.

          Nicht das einzige Land in Ostmitteleuropa

          Die Tatsache, dass in Dukovany schon vier Reaktoren laufen, habe nur am Rand eine Rolle gespielt. Es komme darauf an, nationale Vorgaben und internationale Standards wie die der Internationalen Energie Agentur zu erfüllen und das Projekt gegen Vorbehalte verteidigen zu können. Im Prüfprozess könnten auch neue klima- und energiepolitische Ziele berücksichtigt werden. Davon hänge letztlich ab, ob am Ende einer oder zwei neue Druckwasserreaktoren gebaut würden.

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          In Tschechien gibt es zwei Atomkraftstandorte, Dukovany und Temelín. Die vier Meiler in Dukovany gingen Mitte der achtziger Jahre in Betrieb, die beiden 1080 MW-Anlagen in Temelín in den Jahren 2000 und 2002. Die Meiler sind alle sowjetischer oder russischer Bauart. Wer die neuen Anlagen bauen soll und wie sie finanziert werden – wohl mittels Staatskrediten –, ist offen. Kernkraftwerke sind im Bau sehr teuer, aber günstig im Betrieb. Allerdings sind die später anfallenden Entsorgungskosten meist nicht kalkulierbar.

          Tschechien ist nicht das einzige Land in Ostmitteleuropa, das auf Kernkraft setzt, um die Energiewende zu meistern. Auch Ungarn will mit russischer Hilfe seine vier laufenden Meiler erweitern. Polen hat im Herbst die Umweltverträglichkeitsprüfung für den Bau seines ersten Atomkraftwerks an der Ostsee durchgeführt. Das hatte in Deutschland zu Kritik der Grünen an der Bundesregierung geführt, weil diese – anders als die schwarz-grüne Regierung in Österreich – nicht auf eine Einbeziehung in das Verfahren bestanden hatte. Die Polen hatten eine Notifizierung für unnötig erachtet, weil ihre Pläne keine Folgen für die Nachbarn hätten. Deutschland will bis Ende 2022 aus der Atomenergie aussteigen.

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