https://www.faz.net/-gqe-acpdt

In Südchina : Sorge nach Bericht über Leck in Atomkraftwerk

  • -Aktualisiert am

Hier noch im Entstehen, seit einigen Jahren im Betrieb: das AKW in der Stadt Taishan Bild: AFP

Kam es in einem Atomkraftwerk in der Nähe des Südchinesischen Meeres zu einem Störfall? Der französische Mitbetreiber EdF dringt auf eine Untersuchung.

          2 Min.

          Der staatliche französische Energiekonzern EdF hat am Montag den chinesischen Staatskonzern China General Nuclear Power Group (CGN) gedrängt, einen möglichen Störfall in einem gemeinsam betriebenen Atomkraftwerk unweit der südchinesischen Stadt Taishan zu untersuchen. Das Werk liegt in Nähe des Südchinesischen Meers. Die Millionenstädte Guangzhou, Shenzhen und Hongkong befinden sich in einem Umkreis von bis zu 150 Kilometer Luftlinie.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          EdF, das in Taishan 30 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen TNPJVC hält (70 Prozent sind beim Partner CGN), teilte am Montag mit, dass es „über eine Erhöhung der Konzentration seltener Gase im Primärkreislauf des Reaktors Nummer 1 in Taishan“ informiert worden sei. Das Gemeinschaftsunternehmen betreibt die Anlage. Sein Vorstand soll auf Verlangen von EdF in einer außerordentlichen Sitzung nun „alle Daten und notwendigen Entscheidungen“ offenlegen.

          Der Primärkreislauf ist ein geschlossener Kreislauf und enthält unter Druck gesetztes Wasser, das sich im Kontakt mit dem nuklearen Brennstoff erhitzt. Als seltene Gase gelten Argon, Helium, Krypton, Neon oder Xenon. EdF fügte hinzu, dass „die Präsenz bestimmter seltener Gase im Primärkreislauf ein bekanntes Phänomen“ sei. Es seien für diese Fälle bestimmte Abläufe im Reaktorbetrieb vorgesehen.

          „Geplante Überholung“ eines Reaktors

          Die EdF-Tochtergesellschaft Framatome, die am Bau der Reaktoren in China beteiligt war und diese mitbetreibt, teilte mit, dass sie die Vorgänge genau beobachte. Bisher arbeite das Kraftwerk innerhalb der zugelassenen Sicherheitsparameter. CGN hatte am späten Sonntagabend einen kurz zuvor erschienenen Bericht über ein angebliches Leck in dem Atomkraftwerk zurückgewiesen. Vielmehr habe es sich um eine „geplante Überholung“ eines der beiden Reaktoren gehandelt. Seit dem 10. Juni laufe dieser wieder normal.

          Der amerikanische Nachrichtensender CNN hatte unter dem Verweis auf amerikanische Regierungsmitarbeiter und geheime Unterlagen gemeldet, dass der französische Mitbetreiber Framatome die amerikanische Regierung am 8. Juni vor einem „Leck“ in dem Werk in Taishan und einer „unmittelbaren radiologischen Bedrohung“ gewarnt habe. Weiter habe Framatome berichtet, dass die chinesischen Aufsichtsbehörden infolge des Vorfalls die Grenzwerte für atomare Strahlung außerhalb des Atomkraftwerks hinaufgesetzt hätten, um dieses nicht herunterfahren zu müssen.

          Die amerikanische Regierung habe den Vorfall in der vergangenen Woche untersucht und dazu auch die Regierungen in Frankreich und China kontaktiert. Sie sei zu dem Schluss gekommen, dass die Situation in dem Atomkraftwerk in Taishan noch nicht auf „Krisenniveau“ sei und derzeit keine schwere Gefährdung der Sicherheit von Mitarbeitern des Werks oder der chinesischen Öffentlichkeit darstelle.

          Der chinesische Betreiberkonzern CGN steht auf einer schwarzen Liste der amerikanischen Regierung, die Exportbeschränkungen amerikanischer Waren und Dienstleistungen an bestimmte chinesische Unternehmen vorsieht, denen Washington vorwirft, die nationale Sicherheit der USA zu gefährden. Dies ist offensichtlich der Grund, warum sich der französische Mitbetreiber Framatome überhaupt an das Energieministerium in Washington gewandt hat. So hätten die Franzosen um eine Ausnahmegenehmigung gebeten, die „amerikanische technologische Unterstützung“ für die Untersuchung des Vorfalls in dem Werk in China ermögliche. Das Vorliegen einer „unmittelbaren radiologischen Bedrohung“ ist einer von zwei Gründen, die vorliegen müssen, damit Washington eine solche Ausnahmegenehmigung erteilt.

          Die beiden 2018 und 2019 in Betrieb genommenen Reaktoren in Taishan sind die einzigen Atomkraftwerke des Typs EPR-3, die heute in Betrieb sind. Ihre Fertigstellung hatte der französische Präsident Emmanuel Macron mit Chinas Präsidenten Xi Jinping während eines Staatsbesuchs in Peking zusammen gefeiert. In Finnland und in Frankreich arbeiten EdF und zuvor das französische Unternehmen Areva seit Jahren am Bau solcher Reaktoren. Es haben sich große Verspätungen und Kostenüberschreitungen eingestellt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Menschen in der Wiesbadener Fußgängerzone

          Sinkende Impfbereitschaft : Sorgen vor dem Corona-Herbst

          Während die Infektionszahlen weiter steigen, lassen sich immer weniger Menschen gegen das Virus impfen. In Berlin wachsen die Befürchtungen, dass neue Einschränkungen nötig werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.